Ein Stückchen Boulevard: 15 Jahre Straßenzeitung Augustin

Die Wiener Straßenzeitung Augustin wird 15.
Die Wiener Straßenzeitung Augustin wird 15. ©APA
Die "erste österreichische Boulevardzeitung" ist längst das soziale Gewissen der Stadt. Am 6. Oktober wird der 15. Geburtstag im Flex gefeiert.

Vor 15 Jahren kam die Straßenzeitung “Augustin” zum ersten Mal aus der Druckerpresse – inzwischen gibt es neben dem Printprodukt Augustin TV, Radio Augustin sowie den hausinternen Chor “Stimmgewitter”. Der Augustin wird seit 1995 von sozial benachteiligten Menschen in Wien verkauft und ist “das soziale Gewissen der Stadt”, sagte Kommunikatioswissenschafter Fritz Hausjell von der Uni Wien am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Der Augustin sei “ein durchaus professionelles Produkt”, betonte Gründer und Redakteur Robert Sommer. Es werde “zum größten Teil von professionellen Journalisten und Grafikern gemacht”, und keineswegs nur von Obdachlosen. Der Augustin erscheint vierzehntägig und wird von Augustinverkäufern um 2,50 Euro verkauft – davon bleiben 1,25 Euro beim Verkäufer. “Unsere utopischsten Vorstellungen haben nicht an das herangereicht, was der Augustin heute darstellt”, sagte Sommer in Rückblick auf die Gründung vor 15 Jahren.

Jeden Mittwoch 56 Seiten

Heute hat die “erste österreichische Boulevardzeitung”, so der ironische Untertitel des Printproduktes, eine Auflage von mindestens 60.000 pro Monat, die Zeitung ist 56 Seiten dick, und erscheint jeden zweiten Mittwoch. 1995 wurde der Augustin in Anlehnung an amerikanische, britische und französische Straßenzeitungen gegründet. Damals kam er einmal pro Monat heraus, umfasste gerade einmal 24 Seiten und wurde von einer “Handvoll männlicher Sandler” verkauft, so Sommer. Diese verkauften knapp 10.000 Stück pro Monat.

Der hinter dem Projekt stehende gemeinnützige Verein “Sand & Zeit” organisiert zudem Theater- und Deutschkurse, Fußballtraining und Fotoworkshops. Hausjell sagte, dem Augustin gelinge es, im Gegensatz zu traditionellen Medien, die “Buntheit der Gesellschaft” abzubilden, und auf dieser Diversität sowie auf Authentizität gründe der Erfolg der Zeitung. Der Kommunikationswissenschafter betonte, der Augustin habe eine “hoch integrative Funktion”.

Kein Zwang

Das Gründungsmotto “Augustin hört auf…niemanden!” gelte immer noch, wurde bei der Pressekonferenz betont: Der Augustin ist antihierarchisch aufgestellt und öffentliche Subventionen werden abgelehnt, die Redakteure bekennen sich zur Subjektivität des Journalismus, und wollen die Verkäufer nicht zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt zwingen.

Am 6. Oktober werden beim Augustin-Fest im Wiener Flex drei Jubiläen gefeiert: 15 Jahre Augustin, zehn Jahre Stimmgwitter und fünf Jahre Augustin TV. Auftreten werden u.a. “Ja, Panik” und “Kollegium Kalksburg”, die Journalistin Susanne Scholl wird eine Laudatio halten.

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