"Ein New Yorker in Wien": Jüdisches Museum gedenkt Leonard Bernstein

Das Jüdische Museum gedenkt dem Komonist und Dirigenten Leonard Bernstein.
Das Jüdische Museum gedenkt dem Komonist und Dirigenten Leonard Bernstein. ©AP Photo/Charles Harrity
Leonard Bernstein wurde 1918 in der Nähe von Boston geboren und kam ab 1966 immer wieder nach Wien. Das Jüdische Museum Wien gedenkt nun dem verstorbenen Stardirigenten und Komponisten Leonard Bernstein.

Auch das Jüdische Museum Wien gedenkt dem vor 100 Jahren geborenen US-amerikanischen Stardirigenten und Komponisten Leonard Bernstein. In der Schau “Ein New Yorker in Wien” in der Dependance am Judenplatz wird sein Verhältnis zu Wien beleuchtet – das über weite Strecken von beiderseitiger Zuneigung geprägt war. Doch der Maestro war sich auch der Nazi-Vergangenheit der Stadt stets bewusst.

Bernstein fand seinen Weg nach Wien

Leonard Bernstein wurde 1918 in der Nähe von Boston geboren, studierte in Harvard und war beruflich in New York zu Hause. Von 1966 bis zu seinem Tod 1990 kam er immer wieder nach Österreich, wobei hier vor allem seiner Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern große Bedeutung beigemessen wird. Was nach Erfolgsgeschichte klingt, war allerdings nicht frei von Vorbehalten und politisch konnotierten Konflikten.

Überhaupt dauerte es eine Weile, bis Bernstein Wien für sich entdeckte, wie anhand von in der Schau gezeigten Telegrammen und Briefen verdeutlicht wird. Schon unmittelbar nach dem Krieg bemühten sich die Gesellschaft der Musikfreunde bzw. die Philharmoniker um ein Gastspiel. Doch Bernstein zeigte sich 1947 noch skeptisch. Er vermutete zu Recht, dass es damals im Orchester noch immer ehemalige Nazis gab. Es folgte immerhin ein Auftritt mit den Wiener Symphonikern 1948 im Konzerthaus.

Erst 1966 arbeitete er erstmals mit den Philharmonikern an der Staatsoper. Er debütierte mit einem umjubelten, von Luchino Visconti inszenierten “Falstaff”. Auch die ersten Abo-Konzerte des Orchesters unter Bernstein fanden in diesem Jahr statt. Insgesamt stand der Weltstar bei 197 Konzerten der Philharmoniker am Pult.

Museumsdirektorin Danielle Spera verwies auf Briefe Bernsteins an seine aus der heutigen Ukraine stammenden Eltern, in denen er versichert, Wien “unglaublich” zu genießen – so sehr man das als Jude eben könne. “Es ist hier voller trauriger Erinnerungen und man hat mit so vielen Ex-Nazis (und möglicherweise immer noch Nazis) zu tun; und nie kannst du dir sicher sein, ob nicht einer unter denen, die Bravo schreien, dich vor 25 Jahren einfach erschossen hätte”, heißt es in der Korrespondenz.

Sein in Wien erlangter Heldenstatus erschien ihm durchaus dubios: “Auf einmal ist es schick, jüdisch zu sein.” In Gästebücher trug er sich als “Jude im Hemd” ein – eine Anspielung auf den Antisemitismus und die Süßspeise “Mohr im Hemd”. Auch kleidete er sich gerne in einen Trachtenjanker, als “Therapie gegen den deutschen Nationalismus”, wie er sagt. Er musste auch zur Kenntnis nehmen, dass Philharmoniker-Vorstand Helmut Wobisch nicht nur bei der NSDAP, sondern auch bei der SS und dem NS-Sicherheitsdienst (SD) tätig war. Wie er auf diese Nachricht reagierte, ist nicht bekannt.

Ausstellung im Jüdischen Museum

In der Ausstellung sind neben zahlreichen Briefen und Dokumenten auch Objekte aus dem persönlichen Besitz des Dirigenten zu sehen, etwa ein von seinem Schneider Otto Perl angefertigter Frack.

Besucher der Schau können an einzelnen Hörstationen auch berühmten Aufnahmen Bernsteins lauschen. Ein absolut denkwürdiger Auftritt im österreichischen TV ist ebenfalls zu bewundern: der Klassik-Weltstar zu Besuch bei Peter Rapp im “Wurlitzer”, wo Bernstein um Musikwünsche gebeten wurde – und sich für Michael Jacksons “Thriller” entschied.

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