Ein Jahr Schengenerweiterung - Polizei zieht Bilanz

Vor einem Jahr sind mit der Schengen-Erweiterung die Grenzkontrollen zwischen Österreich, Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien abgeschafft worden. Über die stattdessen eingeführten Ausgleichsmaßnahmen (AGM) gegen daraus resultierende Kriminalität zog die Wiener Polizei am Montag eine positive Bilanz.

Die Delikte seien insgesamt leicht rückläufig, sagte Polizeipräsident Gerhard Pürstl bei einer Pressekonferenz. Es sei aber nicht alles “rosig”, bei Supermarkt-Überfällen gebe es beispielsweise Nachholbedarf.

1.197 Festnahmen und 1.982 Anzeigen lautet die Bilanz der Wiener Polizei nach einem Jahr. Seit dem Fall der Grenzen am 21. Dezember wurden insgesamt 1.228 illegal aufhältige Personen aufgegriffen, 117 gestohlene Fahrzeuge sichergestellt sowie 96 Dokumentenfälschungen aufgedeckt, so Landespolizeikommandant Karl Mahrer. Weiters gehen 49 geklärte Fälle im Suchtgiftbereich auf das Konto der eigens geschaffenen AGM-Polizeiinspektionen, für die 75 zusätzliche Planstellen geschaffen wurden.

118.000 Personen-Fahrzeugkontrollen wurden in Wien insgesamt durchgeführt. Im Vergleich zum selben Zeitraum (21. Dezember bis 21. Dezember) in den Jahren 2006 und 2007 hat die Zahl der Delikte laut Pürstl von 196.884 auf 195.968 leicht abgenommen. Das gilt auch für Einzelbereiche wie strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen (Rückgang von 153.920 auf 152.132), Einbruchsdiebstähle im Wohnbereich (Rückgang von 9.796 auf 9.058) und in Fahrzeuge (Rückgang von 16.578 auf 15.491). Bei Aufgriffen illegaler Personen kam es vor allem in den vergangenen Monaten zu Zunahmen.

Nach der Grenzenöffnung sei es nicht zu dem befürchteten Kriminalitätsanstieg gekommen, betonte Pürstl. Die AGM habe man als “etwas Neues, etwas Beruhigendes” vor allem geschaffen, um vielen die Sorge vor einer Zunahme bei Banden-Delikten oder Bettelei zu nehmen. Ein Ziel sei 2009 die bessere Bekämpfung und Vorbeugung von Geschäfts-Überfällen. Insgesamt gebe es beim Raub zwar auch einen Rückgang von 3.158 auf 3.017 Delikte, gemeinsam mit Supermärkten und Trafiken wolle man sich künftig allerdings neue Wege einfallen lassen. Helfen sollen beispielsweise bessere Sicherheitsvorkehrungen sowie vermehrte Streifen.

Durchschnittlich 68 Polizisten versahen in den vergangenen zwölf Monaten in den drei Wiener AGM-Inspektionen in der Breitenfurter Straße, in der Hufelandgasse sowie in der Seitenhafenstraße ihren Dienst. Hauptaugenmerk lag auf der Bekämpfung von illegaler Migration, Schlepperei und Menschenhandel. Auch beeinflusste Deliktbereiche wie Suchtmittel-, Waffenhandel, Kfz-Verschiebungen und Dokumentenhandel standen auf der Agenda ganz oben. Schwerpunkte waren laut Mahrer die Überwachungen von Transitrouten, Bahnhöfen sowie Fahndungen im Großraum Wien.

Als Praxisbeispiele nannte Oberst Erwin Gabriel, AGM-Verantwortlicher in Wien, einige Fälle: Im Mai wurden unter anderem drei ungarische Zuhälter festgenommen, die ein 19-jähriges Mädchen von Montag bis Samstag zur Prostitution nach Wien gebracht hatten. Im August schnappten die Beamten einen Verdächtigen nach einem Juwelier-Raub in Landstraße, wenige Wochen zuvor wurde ein nicht ins Gefängnis zurückgekehrter Häftling nach einem Freigang ausgeforscht.

 

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