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Ein Augenarzt für eine Million Äthiopier

Armut macht blind. Nigist Labena war von ihrem äthiopischen Heimatdorf stundenlang per Bus und zu Fuß zum Soddo-Hospital unterwegs, hat dort noch einmal mehrere Stunden gewartet, um von einer Augenärztin untersucht und operiert zu werden.

Die 50-Jährige konnte wegen Grauen Stars überhaupt nichts mehr sehen, bekam innerhalb von 30 Minuten zwei künstliche Linsen eingesetzt, erschien am Tag darauf noch zu einer Kontrolle und durfte wieder nach Hause gehen. Kosten der Operation: 30 Euro, finanziert aus österreichischen Spenden an „Licht für die Welt“.

Nicht weniger als 1,2 der 75 Millionen Einwohner Äthiopiens sind blind. Grauer Star ist in der Hälfte der Fälle die Ursache, ein weiterer häufiger Grund ist Trachom, eine Infektionskrankheit. „Armut, einseitige Ernährung, Wassermangel und die damit verbundenen schlechten hygienischen Bedingungen sowie die extreme augenmedizinische Unterversorgung sind die Hauptgründe für die hohe Prävalenz von Augenerkrankungen in dem Land“, erläuterte Gerhard Schuhmann, Augenarzt an der Universitätsklinik Graz und ehrenamtlicher Vorstand von „Licht für die Welt“ – Christoffel Entwicklungszusammenarbeit.

Die Organisation finanziert in Äthiopien 14 augenmedizinische Projekte, darunter im Soddo-Hospital, ein öffentliches Krankenhaus sieben Autostunden entfernt von der Hauptstadt Addis Abeba, in dessen Einzugsgebiet 2,5 Millionen Menschen leben, das aber über keine eigene Augenabteilung verfügt. Ein „fliegendes“ Team kommt in regelmäßigen Abständen vorbei und behandelt binnen eines Tages rund 200 Menschen.

In Äthiopien kommt ein Augenarzt auf eine Million Menschen, die Mediziner ordinieren überwiegend in Städten. Nur zehn Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu leistbarer augenmedizinischer Versorgung in dem Land, in dem man Entfernungen besser in Stunden als in Kilometer angibt. Im Rahmen von Projekten, die „Licht für die Welt“ unterstützte, wurden im vergangenen Jahr 10.441 Operationen wegen Grauen Stars durchgeführt.

„Für die meisten Menschen mit Augenproblemen, die abseits der Ballungszentren leben, ist die Reise in eine Stadt zur Behandlung unerschwinglich. Je gravierender ihr Augenleiden und je ärmer die Menschen sind, desto geringer ist die Chance auf augenmedizinische Hilfe“, erklärte Schuhmann. In Äthiopien leben 45 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze, 46 Prozent sind unterernährt.

Ein weiterer Aspekt: Je ärmer die Leute, desto dramatischer sind die Auswirkungen auf die ökonomische Situation. Das Familieneinkommen sinkt, da blinde Menschen nicht mehr ausreichend in der Lage sind, dazu beizutragen. Die Angehörigen von Nigist Labena leben mehr schlecht als recht vom Anbau von Zuckerrohr, Mais und dem Verkauf von handgeknüpften Teppichen. Als Mitarbeiter von „Licht für die Welt“ inklusive Chris Lohner als Unterstützerin der Organisation die fünffache Mutter nach Hause brachten, gab es ein Geschenk für sie: einen Sack Mais.

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