Echter Oscar für "Die Fälscher", vier für die Coens

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Stefan Ruzowitzky holte bei der 80. Gala erstmals Trophäe für besten fremdsprachigen Film nach Österreich - Oscars an "No Country for Old Men", Marion Cotillard und Daniel Day-Lewis. Bilder der Oscar-Nacht:     

Das KZ-Drama “Die Fälscher” holte bei der 80. Oscar-Verleihung in Los Angeles heute Nacht die erste Goldstatuette in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” nach Österreich.

Stefan Ruzowitzky durfte aus den Händen von Penelope Cruz strahlend einen Academy Award in Empfang nehmen, den ersten für Österreich seit dem Ehren-Oscar für Billy Wilder vor 20 Jahren.

Coen-Brüder verwandelten 4 Nominierungen

Auch sonst war dieser Oscar-Jahrgang stark europäisch geprägt. Die meisten Trophäen gingen jedoch an den Thriller “No Country for Old Men” von Joel und Ethan Coen, der acht Nominierungen in vier Auszeichnungen verwandeln konnte, darunter in den Königskategorien Bester Film und Beste Regie.

Ruzowitzky erinnerte in seiner Dankesrede an große Film-Persönlichkeiten wie Billy Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger, die von den Nazis aus Österreich vertrieben wurden. Daher mache es Sinn, dass mit “Die Fälscher” nun ein in einem Konzentrationslager spielender Film den ersten Auslands-Oscar für Österreich geholt habe, so Ruzowitzky, der kurz darauf bei der Pressekonferenz meinte, der Zusatz “Oscar-Gewinner” werde von nun an immer Teils seines Namens sein. “Besser geht’s nicht.”

Nicht nur der 46-jährige Wiener Regisseur, auch sein Hauptdarsteller Karl Markovics hoffte, dass nun die “maßgeblichen Stellen in Österreich” versuchen würden, aus der “nationalen Euphorie” vielleicht auch “kreatives Potenzial zu schlagen, das dem österreichischen Film als solches zu Gute kommt”.

Von Bundeskanzler und der Kulturministerin abwärts trafen in rascher Folge die Gratulationen ein, besondere Freude herrschte auch bei dem 90-jährigen KZ-Überlebenden Adolf Burger, auf dessen Erinnerungen an jene Zeit, als er mit rund 140 weiteren jüdische Häftlingen für die Nazis im Konzentrationslager Sachsenhausen Pfund- und Dollar-Noten fälschen musste, Ruzowitzkys Streifen basiert. Am 9. März ist in der Gedenkstätte Sachsenhausen eine Veranstaltung zur Oscar-Verleihung geplant. Dabei soll der Film erneut gezeigt und der Originalschauplatz besichtigt werden. Bereits am 4. März soll es für das Filmteam einen “würdigen Empfang” im Wiener Rathaus geben.

Marion Cotillard als Überraschungs-Siegerin

Während die vier Academy Awards für “No Country for Old Men” (Nebenrollen-Preisträger Javier Bardem gewann als erster spanischer Darsteller einen Oscar) sowie der Hauptrollen-Oscar für Daniel Day-Lewis (“There Will Be Blood” bekam nur noch einen weiteren Preis für die Beste Kamera) keine Überraschung waren, gab es bei den Schauspielerinnen echte Sensationen: Marion Cotillard stach mit ihrer Darstellung der Edith Piaf in “La Vie en Rose” Favoritin Julie Christie aus und holte als erste Französin seit Simone Signoret (1960) den Hauptdarstellerinnen-Oscar. Die Britin Tilda Swinton (“Michael Clayton”) konnte sich in der Nebenrollen-Kategorie gegen Cate Blanchett durchsetzen, die auch bei den Hauptrollen nominiert war und beide Male leer ausging. Überraschend konnte der Spionage-Thriller “The Bourne Ultimatum” alle drei Nominierungen (Bester Ton, Bester Ton-Schnitt, Bester Schnitt) in Oscars verwandeln. Keine Überraschung war dagegen die Auszeichnung für den Welterfolg “Ratatouille” als Bester Animationsfilm.

Ansonsten gab es in der insgesamt recht unpolitischen Gala wenig Überraschungen und schon gar keine Aufreger. Moderator Jon Stewart führte die 3.500 Gäste im Kodak Theatre in Hollywood sowie die mehreren hundert Millionen Fernsehzuschauer fast schon ein bisschen zu souverän durch den Abend.

Bereits nach wenigen Augenblicken kam er auf das Ende des Drehbuchautoren-Streiks zu sprechen, gab sich aber vor allem erleichtert, dass die Show stattfinden konnte. Die kommenden Präsidentschaftswahlen kamen mehrfach in der Eröffnungs-Moderation vor. So meinte Stewart, mit seinen 80 Jahren wäre “Oscar” wohl automatisch Spitzenkandidat bei den Republikanern. Michael Moore hatte keine Gelegenheit, wie schon 2003 die Gala mit einer brisanten Dankesrede aufzumischen. Mit seinem Streifen “Sicko” über das US-Gesundheitswesen unterlag er in der Dokumentarfilm-Kategorie gegen “Taxi to the Dark Side” von Alex Gibney und Eva Orner.

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