Echte Wiener gehen nicht unter: Leben nach der Serie

Was wurde in den 30 Jahren nach dem Ende der Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter" aus Mundl, Karli, Nudlaug & Co? Eine Spurensuche durch die Jahrzehnte nach dem TV-Kult. Premiere voller Wehmut für die "Sackbauer-Saga"

Knapp 30 Jahre, nachdem in der letzten Folge der ORF-TV-Serie “Ein echter Wiener geht nicht unter” Mundls 50. Geburtstag gefeiert wurde, gibt es ab Donnerstag im Kino ein Wiedersehen mit der Familie Sackbauer. Aus Anlass des 80. Wiegenfests des wohl bekanntesten Wiener Proleten kommt die Sippschaft vollzählig noch einmal zusammen, um dem urbanen Kultschmäh zu einer neuerlichen Renaissance zu verhelfen. Wie aber haben die Protagonisten die vergangenen Jahrzehnte im wahren Leben zugebracht? Im Folgenden ein Überblick.

Karl Merkatz – Edmund “Mundl” Sackbauer: Für den gebürtigen Niederösterreicher bedeutete die Rolle des Edmund Sackbauer Mitte der 1970er Jahre den Durchbruch im Fernsehen. Nach der Erstausstrahlung des “Echten Wieners” wurde der Mozarteum-Abgänger, der bis dahin vornehmlich an Theaterbühnen Karriere gemacht hatte, zum nicht unumstrittenen Kult-Star. Mindestens ebenso berühmt wurde er durch seine Darstellung der Titelfigur des renitenten Fleischhauers in Franz Antels Kino-Vierteiler “Der Bockerer”, der zwischen 1981 und 2003 entstand. Kaum in Erinnerung blieb hingegen seine Mitwirkung in der TV-Serie “Der Spritzenkarli” Mitte der 1990er Jahre. Auf der Bühne feierte er u.a. Erfolge als “Mann von La Mancha” in Klagenfurt und an der Volksoper, als Tewje in “Anatevka” im Theater an der Wien oder in “König Ottokars Glück und Ende” in der Inszenierung von Martin Kusej bei den Salzburger Festspielen und später am Burgtheater. Ausgezeichnet wurde Merkatz, der mit seiner Frau in Irrsee bei Straßwalchen lebt, u.a. mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst sowie mit der Goldenen Romy als beliebtester Schauspieler 1996. Kürzlich abgedreht wurde die ORF-RTL-Koproduktion “Lasko – Die Faust Gottes”, wo der heute 78-Jährige als Mönch mitwirkte. Am vergangenen Freitag erschien die DVD “Merkatz – Ganz privat”, auf der der medienscheue Volksschauspieler Einblicke hinter die Kulissen gewährt.

Ingrid Burkhard – Antonia “Toni” Sackbauer: Die 77-jährige Wiener Schauspielerin und Reinhardt Seminar-Absolventin spielte bis zu ihrem Engagement als Toni Sackbauer, wo sie als vernunftbegabte und mit unendlichem Langmut ausgestattete Ehefrau ihren cholerischen Gemahl immer wieder in Zaum zu halten hatte, an verschiedenen Theaterbühnen im In- und Ausland, später auch am Theater in der Josefstadt und am Burgtheater. Noch während der Produktionszeit des “Echten Wieners” wirkte sie in der “Alpensaga” mit. Es folgten weitere TV- und Filmauftritte, im Jahr 2000 zum Beispiel in Wolf Haas’ “Komm süßer Tod” oder 2005 in der Alfred Komarek-Verfilmung “Die Villen der Frau Hürsch”. In der Fernsehserie “Da wo die Berge sind” verkörperte sie zwischen 2000 und 2007 die Mutter von Titelheld Hansi Hinterseer.

Klaus Rott – Karl(i) Sackbauer: Mundls Erstgeborener wurde durch seine Mitwirkung im “Echten Wiener” einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der 67-jährige Wiener und Reinhardt-Seminarist ist seit über drei Jahrzehnten sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur – vor allem am Theater der Jugend – tätig. Immer wieder gestaltete er in TV- und Film-Produktionen den Wiener Typ des Sandlers und Strizzis und wirkte u.a. in Peter Patzaks “1945”, Michael Glawoggers “Ameisenstraße” oder im “Kaisermühlen Blues” mit. Zwischen 2003 und 2007 brachte er seine Reminiszenzen in “Der Herr Karli Sackbauer” auf die Theaterbühnen, die daraus resultierende DVD erreichte Platz 3 in den Charts. Der anlässlich der EURO 2008 erschienenen vertonten Version des “Henkel-Fanguide” – einem Sprachführer – lieh er seine Stimme. Rott ist mit der Regisseurin Angelica Schütz verheiratet.

Erika Deutinger – Johanna “Hanni” Sackbauer: Die 1952 in Radstadt geborene Schauspielerin trat nach ihrer Rolle als launische Mundl-Tochter hauptsächlich in Fernsehfilmen und – serien in Erscheinung, wie beispielsweise in “Tatort”, “Ein Fall für zwei”, im “Kaisermühlen Blues” oder in “Trautmann”. 1990 erhielt sie mit ihren Kolleginnen des Kabarett-Trios “Die Menubeln” den “Salzburger Stier”. Ansonsten absolvierte sie Bühnenauftritte im Theater Drachengasse, Ensemble Theater, im Hoftheater Gossam oder an der Bühne im Hof in St. Pölten.

Liliana Nelska – Irmi Sackbauer: Im Alter von zehn Jahren übersiedelte die 1946 in Budapest geborene Schauspielerin nach Wien. Nach Abschluss des Reinhardt-Seminars spielte sie u.a. in “Trotta” von Joseph Roth und 1975 in Axel Cortis “Totstellen”, wo sie ihren späteren TV-Ehemann Karl Rott traf. Auf den “Echten Wiener” folgte eine weitere Serie: “Ringstraßenpalais”. Gemeinsam mit Nina Proll war sie 1998 in Birgit Dolls “Suzie Washington” zu sehen. Unter der Regie von Stefan Ruzowitzky traf sie 2001 in “Die Männer ihrer Majestät” auf “Friends”-Star Matt Le Blanc. Im Zweitberuf ist Nelska als Dolmetscherin tätig.

Alexander Wächter – Franz “Nudlaug” Vejvoda: Der intellektuelle Counterpart im “Echten Wiener” war bis zum Engagement in der TV-Serie als Bühnendarsteller tätig, seinen Einstand feierte er 1968 beim Musical “Hair” in Hamburg. Dem Theater blieb er nach dem Fernseherfolg weitgehend treu und wirkte an Häusern in Berlin und Wien wie auch bei den Salzburger und Bregenzer Festspielen mit. Seine Collage “Chansons und Satiren aus Theresienstadt” avancierte 1994 zur meistgefragten Gastspielproduktion des Theaters an der Josefstadt, dessen Ensemblemitglied er seit 1974 ist. 1999/2000 fungierte er als künstlerischer Leiter in der nicht mehr existenten Theater.m.b.H. Auch als Regisseur trat er in Erscheinung, seit 2004 ist er Intendant von “Shakespeare auf der Rosenburg”. Vergangenes Jahr war er im Musical “Die Habsburgischen” zu sehen. Seine Bildschirmbekanntheit pflegte der 60-jährige Grazer u.a. mit Auftritten in “Julia – eine ungewöhnliche Frau”, Wolfgang Murnbergers “Auf Teufel komm raus” oder in der Mankell-Verfilmung “Die Rückkehr des Tanzlehrers”.

Götz Kaufmann – Kurt “Kurti” Blahovec: Der stets angeheiterte Wachbeamte mit zum Zerwutzeln lustiger Sprachattitüde aus dem “Echten Wiener”, ebenfalls Reinhardt-Seminarist, erlangte in den 1990-er Jahren mindestens ebenso große Berühmtheit mit seiner Darstellung des Rudi Gneisser im “Kaisermühlen Blues”. Weitere “Post-Kurti”-Stationen wären sein Engagement als Kompagnon von Andreas Vitasek in der ORF-Serie “Mozart und Meisel”, Bühnenrollen im Theater an der Josefstadt, im Volkstheater oder an der Kammeroper, etliche Kabarettprogramme sowie seine Tätigkeit als Autor. Heute lebt der 1949 in Wien als Sohn eines Orgelbauers geborene Künstler in Niederösterreich.

Dolores Schmidinger – Josefine “Fini” Blahovec: In der am Freitag startenden “Sackbauer-Saga” ist die frühere Hausmeisterin als geschiedene Frau Blahovec zu sehen, die in der Zwischenzeit einen Swingerclub-Betreiber geheiratet hat. Auch im wirklichen Leben verfügen die geschlossenen Ehebünde der mittlerweile zum vierten Mal Verheirateten über wenig Haltbarkeit. Begonnen hat ihre Karriere lange vorm “Echten Wiener”: 1964 trat sie in Gerhard Bronners Theater am Kärntnertor auf, ein frühzeitiger Hinweis auf ihre spätere, höchst erfolgreiche Karriere als Kabarettistin. Von Programmen wie “Mit den Waffe(l) einer Frau” bis zu “Operation Punschkrapferl” füllte sie die Kleinkunsthäuser, 1994 erhielt sie den “Salzburger Stier”. Theatermäßig war sie an allen großen Häusern des Landes zu sehen, besonders häufig im Theater an der Josefstadt bzw. in den Kammerspielen. Für das Landestheater Linz und das Lehar-Festival Bad Ischl war sie auch als Operetten-Regisseurin tätig. Viermal stand sie bei Houchang Allahyari vor der Kamera (“I Love Vienna”, “Höhenangst”, “Tödliche Liebe” und “Black Flamingos”), auch im “Bockerer” und im “Kaisermühlen Blues” war sie zu sehen. Die 1946 in Wien geborene, sozial engagierte Allrounderin ist Trägerin des Nestroy-Rings und wurde zweimal mit dem Karl-Skraup-Preis ausgezeichnet.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Echte Wiener gehen nicht unter: Leben nach der Serie
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen