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Dutzende Wiener von falschen Polizisten bestohlen

Zu jeweils vier Jahren Haft sind am Dienstag zwei Männer im Wiener Straflandesgericht verurteilt worden, die in mehr als zwei Dutzend Fällen als vermeintliche Polizisten oder Handwerker betagte Leute in ihren Wohnungen aufgesucht und bestohlen hatten.

Während der eine die Opfer ablenkte, durchstöberte der andere die Räumlichkeiten nach Schmuck und Bargeld. Bis zu ihrer Festnahme Anfang Februar 2008 dürften die Täter weit über 50.000 Euro erbeutet haben.

“Kleine Kinder und alte Leute bestiehlt man nicht! Das ist das Mieseste vom Miesen. Das ist so scheußlich, dass ich gar nicht mehr dazu sagen, sonst krieg ich Probleme”, echauffierte sich nun Richter Thomas Schrammel. Die Strafen sind nicht rechtskräftig, die Angeklagten erbaten Bedenkzeit.

“Mit 19 war ich in Stalingrad, aber solche Pülcher waren dort nicht”, erklärte eines der durchwegs hochbetagten Opfer im Zeugenstand. Er habe sein Leben lang gespart, sagte der 81-Jährige: “Jetzt ist das Geld in den Wolken.”

Die Angeklagten behaupteten, sie wären aufgrund von Medienberichten auf den Gedanken gekommen, sich als Kriminalbeamte oder Elektriker auszugeben. Beide hatten keinen Job, aber einen erhöhten Finanzbedarf: Auf Familienurlaube und schöne Autos wollten der 38-Jährige, der bereits einen Pensionsvorschuss bezieht, und sein beschäftigungsloser, um zehn Jahre jüngerer Komplize nicht verzichten.

Daher legten sie falsche Polizeimarken vor und machten ihren Opfern weis, in deren Wohnhausanlage sei unlängst eingebrochen worden. Man müsse nun prüfen, ob auch die gegenständliche Wohnung durchsucht worden sei. Auch als Mitarbeiter der Stadtwerke gaben sich die Kriminellen gern aus und behaupteten, die Steckdosen müssten kontrolliert werden. Sie überredeten einige Opfer, sich ins Schlafzimmer zu setzen, um vor einem “Stromschlag” sicher zu sein. Andere schickten sie mit einem Besen in den Flur, um die Decke nach allfälligen Wasserschäden abzuklopfen.

Einer 85-Jährigen kamen mit dieser Masche 1.800 Euro abhanden, die sie für die Beerdigung ihres soeben gestorbenen Ehemannes beiseitegelegt hatte. “Auch der Schmuck, den mir mein Mann geschenkt hat, war zum Teil weg”, schluchzte nun die Witwe im Grauen Haus.

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