Dustin Hoffman wird 70

Anfangs war die Schauspielerei für Dustin Hoffman nur eine Notlösung. Er war am College durchgefallen und wollte nicht zum Militär.

„Mach Schauspiel, die lassen dich nicht durchrasseln, das ist wie beim Sport“, empfahl ihm ein Freund. Hoffman schrieb sich beim Pasadena Playhouse College ein – und wurde zum Superstar unter Amerikas Charakterdarstellern, geehrt mit zwei Oscars und fünf Golden Globes. Am kommenden Mittwoch (8. August) wird der kleine, schmächtige Mann mit dem immer noch ein bisschen schüchternen Lächeln 70 Jahre alt.

„Ich mag es nicht, dass ich so schnell älter werde, aber ich mag es, gut zu altern“, sagte er kürzlich. Zu Weltruhm gelangte Hoffman nach zehn mühsamen Theaterjahren mit einem seiner ersten Filme. In Mike Nichols Oscar-prämierter Gesellschaftssatire „Die Reifeprüfung“ (1967) ließ er sich als unbescholtener College-Junge Benjamin Braddock so wunderbar naiv von der sexhungrigen Anne Bancroft verführen, dass ihm die Rolle seine erste Oscar-Nominierung eintrug. Bis heute gilt der Kultfilm der 68er-Generation als Kinoklassiker.

Seither hat der gebürtige Kalifornier mit einer unglaublichen Wandlungsfähigkeit vor allem schwierige Charaktere, schräge Figuren und©Außenseiter gespielt. In „Asphalt Cowboy“ (1968) gab er den verkrüppelten New Yorker Kleingauner Rizzo, in Arthur Penns Westernsatire „Little Big Man“ (1970) das kleinwüchsige Bleichgesicht Jack Crabb und in „Tootsie“ (1982) einen arbeitslosen Schauspieler, der als Frau verkleidet in abenteuerliche Wirren gerät.

Begeisterte Kritiken erhielten 1976 auch „Der Marathon-Mann“ und der im gleichen Jahr erschienene Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, in dem Hoffman und Robert Redford als Reporter der „Washington Post“ den Skandal um Präsident Richard Nixon ins Rollen bringen. Seinen ersten Oscar bekam Hoffman 1979 als alleinerziehender Vater im Scheidungsdrama „Kramer gegen Kramer“, der zweite folgte 1988 für seine überzeugende Darstellung eines Autisten in Berry Levinsons vielfach preisgekröntem Drama „Rain Man“.

Auf die Rolle hatte sich der Ausnahmeschauspieler unter anderem durch Besuche in psychiatrischen Kliniken ein Jahr lang akribisch vorbereitet – und wurde damit erneut seinem Ruf als Perfektionist gerecht. Kollegen am Set schildern ihn als ausgesprochenen Dickschädel. Von Regisseur Sydney Pollack, der für „Tootsie“ den begehrten Academy Award bekam, ist der Seufzer überliefert: „Ich würde den Oscar sofort hergeben, wenn ich die neun Monate meines Lebens zurückhaben könnte, die ich mit Dustin beim Drehen verbracht habe.“

Ihn plage stets die Angst, nicht zu genügen, räumte der Superstar kürzlich in der Zeitschrift „Park Avenue“ ein. „In meiner Jugend bin ich überall durchgefallen. Ich hab’ kaum die Schule geschafft. In meiner Familie galt ich als ein Versager.“ Trotzdem oder gerade deshalb wollte der Sohn jüdischer Eltern sein Leben aus eigener Kraft meistern. In den harten Anfangsjahren seiner Karriere teilte er lange mit dem Schauspielkollegen Gene Hackman eine Wohnung in New©York und schlug sich mit allerlei schrägen Jobs durch. „Bis ich 31 war, habe ich unter der offiziellen amerikanischen Armutsgrenze gelebt.“

Hoffman hielt stets eine gewisse Distanz zum Hollywood-Betrieb. Die Oscars seien „obszön, schmutzig und nicht besser als ein Schönheitswettbewerb“, schimpfte er einmal. Und auch politisch nahm er so manches Mal kein Blatt vor den Mund. Seinen Auftritt bei der Berlinale 2003 nutzte er für eine Philippika gegen den Irakkrieg und US-Präsident George W. Bush.

Privat ist der Leinwandheld nach eigenen Worten ein absoluter Familienmensch. „Bei uns vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht zärtlich in die Arme schließen.“ Seit mehr als 25 Jahren ist er in zweiter Ehe mit der Rechtsanwältin Lisa Gottsegen verheiratet. Sie haben vier gemeinsame Kinder, zwei weitere Töchter stammen aus der ersten Ehe.

Zuletzt war Hoffman in der Romanverfilmung „Das Parfum“ (2006) und in der hochkarätig besetzten Komödie „Schräger als Fiktion“ (2007) zu sehen. Von seiner Leinwandpräsenz hat er nichts eingebüßt, auch wenn es nicht mehr immer die Hauptrollen sind, die er spielt. „Ich stand vor der Entscheidung: liften lassen oder Haare färben“, erzählte er. „Ich habe stattdessen beschlossen, dass mir alle den Buckel herunterrutschen können.“

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