Durchstich im längsten Tunnel der Welt

Wenn am morgigen Freitag (14 Uhr) eine gigantische Bohrmaschine die letzten von insgesamt 13 Millionen Kubikmetern Gestein im Gotthard-Basistunnel aus dem Weg räumt, rücken der Norden und der Süden des europäischen Kontinents mehr als 2.000 Meter unter den Schweizer Alpen näher zusammen. Bis allerdings tatsächlich Hochgeschwindigkeitszüge durch die zwei Röhren unter den Bergen rasen, dauert es noch bis zum Jahr 2017 - möglicherweise wird der Tunnel aber schon 2016 befahrbar sein.
Grafik Gotthardtunnel
Bilder des Gotthardtunnels
XXL-Bilder: Gotthardtunnel

Um eine Stunde wird sich den Planern zufolge die Fahrtzeit von Zürich ins norditalienische Mailand verkürzen, wenn der Tunnel in rund sieben Jahren in Betrieb genommen wird. Bis zu 300 Züge sollen dann täglich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern durch die beiden Röhren fahren.

57 Kilometer wird der Gotthard-Basistunnel nach seiner Fertigstellung messen. 17 Jahre lang ist er schon im Bau. Das Mammut-Bauwerk überragt den 53,8 Kilometer langen Seikan-Eisenbahntunnel zwischen den japanischen Hauptinseln Honshu und Hokkaido und den mit 24,5 Kilometern weltweit längsten Straßentunnel bei Laerdal in Norwegen deutlich. Seit rund 15 Jahren werden für die “Jahrhundert-Baustelle”, wie Schweizer Medien das Projekt getauft haben, Bohrköpfe mit einem Durchmesser von 9,5 Metern durch das Gebirge getrieben. Acht von insgesamt rund 2.500 Arbeitern ließen dabei bisher ihr Leben.

Obwohl das Rekord-Projekt, das bisher rund 10 Mrd. Franken (7,5 Mrd. Euro) gekostet hat und insgesamt fast 19 Mrd. Franken (14,2 Mrd. Euro) kosten soll, ein rein schweizerisches ist, blickt auch die EU der Fertigstellung der unterirdischen Eisenbahntrasse mit großen Erwartungen entgegen. Die Verkehrsminister der Staatengemeinschaft wollen den feierlichen Durchstich am Freitag bei einem Treffen in Luxemburg gemeinsam über eine Live-Übertragung verfolgen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas bezeichnete den Basistunnel bereits als “außergewöhnliches Projekt”.

Der Gotthard-Basistunnel ist der längste Tunnel der Welt. Mit allen Quer- und Verbindungsstollen misst das Tunnelsystem insgesamt 152 Kilometer. Auch sonst hat das Jahrhundertbauwerk – an dem die österreichische Strabag-Gruppe mitbaut – einige Superlative zu bieten.

Für den Tunnelbau mussten über 13 Millionen Kubikmeter Gestein ausgebrochen werden – fünfmal das Volumen der Cheops-Pyramide oder ein Güterzug von Zürich nach New York.

Die wichtigsten Stationen der Geschichte dieses Jahrhundert-Bauwerkes durch die Alpen:

1947: Der Ingenieur Eduard Gruner beschreibt in der Zeitschrift “Prisma” die Idee eines Gotthard-Basistunnels als Teil eines Schnellbahnsystems.

1961/62: Die Schweizer Bahn (SBB) erarbeiten ein erstes Projekt für einen Tunnel.

1963-70: Eine vom Schweizer Verkehrsministerium eingesetzte Kommission prüft empfiehlt den Bau eines Basistunnels am Gotthard.

1973: Die SBB erhalten den Auftrag, einen Gotthard-Basistunnel zu projektieren.

1990/91: Nach breiter Begutachtung schlägt der Bundesrat den Bau einer Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) u.a. mit Basistunnel an Gotthard vor. Das Schweizer Parlament billigt die Pläne.

27. September 1992: In einer Volksabstimmung sprechen sich 63,6 Prozent für den Bau der NEAT aus.

22. Sept. 1993: Die Bauarbeiten für den Gotthard-Basistunnel beginnen mit dem Sondierstollen.

1993-1998: Disput um die Rentabilität der NEAT. Bundesrat und Parlament redimensionieren das NEAT-Projekt.

Anfang Februar 2009: Die Piora-Mulde im Gotthard-Basistunnel, ein gefürchtetes geologisches Hindernis, wird überwunden.

15. Oktober 2010: Durchschlagsfeier im Gotthard-Basistunnel.

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