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Dürre in Afrika: Hilfsgütertransport überfallen

Bei der Hilfsgüterverteilung an Hungernde in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist es am Freitag zu einem schweren Zwischenfall gekommen.
Dürre in Afrika
Überfüllte Flüchtlingslager

Mehrere Menschen seien verletzt worden, als Unbekannte versuchten, die Nahrungsmittel von Lastwagen der Vereinten Nationen gewaltsam zu plündern, sagte ein UN-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur dpa.

Der Überfall habe sich in der Nähe eines Camps für Binnenflüchtlinge ereignet. Rund 100.000 Menschen größtenteils aus Südsomalia sind in den vergangenen Wochen vor der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren in die Hauptstadt geflüchtet. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. In dem Bürgerkriegsland sind derzeit 3,7 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Weltgrößtes Flüchtlingslager in Kenia

In Dadaab in Kenia befindet sich das größte Flüchtlingslager der Welt. Dort leben mittlerweile über 400.000 Menschen. Die tausenden, täglich neu ankommenden Flüchtlinge stellen die Hilfskräfte vor immense Herausforderungen. Mit Hilfe eines Satellitenbildes kann das Zentrum für Geoinformatik an der Universität Salzburg die Flüchtlinge in Dadaab zählen und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) damit helfen.

Die Flüchtlinge müssen in Dadaab bis zu 40 Tage auf die Registrierung warten, dadurch siedeln sie sich unkoordiniert in den Randbereichen des Lagers an. Dadaab besteht aus den überfüllten Camps Ifo, Hagadera und Dagahaley. Im Rahmen eines bestehenden Kooperationsabkommen beauftragte MSF das Zentrum für Geoinformatik in Salzburg, anhand eines aktuellen hochauflösenden Satellitenbildes einzelne Behausungen des Flüchtlingslagers Dagahaley zu extrahieren.

Damit sollen Informationen über die räumliche Verteilung der Bevölkerung in einem der drei Flüchtlingslager in Dadaab gewonnen werden, in dem schätzungsweise 130.000 Personen auf acht Quadratkilometer leben.

“Unsere Informationsprodukte unterstützen Ärzte ohne Grenzen gezielt bei der Einsatzplanung und der Nothilfekoordinierung im größten Flüchtlingslager der Welt. Bei dem unfassbaren Ausmaß der Katastrophe ein kleiner, aber dennoch nicht unbedeutender Baustein zur humanitären Hilfeleistung”, so Forschungs-Koordinator Stefan Lang vom Zentrum für Geoinformatik.

Mit Hilfe von automatisierter Bildanalysemethoden wurden Zelte und Hütten, die sich vorwiegend in den neuen Bereichen des Camps befinden, voneinander unterschieden. Ebenso wurden Wellblechhütten, die in dem bereits bestehenden Teil des Camps überwiegen, ermittelt. Aus den über 23.000 Einzelbehausungen wurde eine Dichtekarte berechnet, die einen schnellen Überblick erlaubt, in welchen Teilen des Lagers sich besonders viele Flüchtlinge aufhalten. Das Bild sei eine Momentaufnahme, so Lang. Sollte der Flüchtlingsstrom noch weiter stark zunehmen, besteht die Möglichkeit nach einer Woche eine neues Update zu erstellen.

Ein weiteres Problem ist der steigende Wasserbedarf, der durch die erhöhte Anzahl an Flüchtlingen kaum gedeckt werden kann. Um die benötigten und lebenswichtigen Wassermengen zu gewährleisten wurde auch eine Karte mit potenziellen Bohrlochstandorten erstellt, sagte Lang. Basierend auf mittelauflösenden Satellitenbilddaten und Höheninformationen wurden lineare Geländestrukturen extrahiert, an deren Kreuzungspunkte man möglicherweise auf Grundwasser treffen kann. Um geeignete Standorte für konkrete Bohrungen auszuwählen, können nun weitere Untersuchungen räumlich eingegrenzt werden.

Äthiopien öffnet viertes Lager für Flüchtlinge

Der Strom der vor Hunger und Gewalt flüchtenden Menschen am Horn von Afrika reißt nicht ab. Deshalb eröffnet Äthiopien nun ein viertes Lager außerhalb Somalias. Das erklärte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Andrej Mahecic, am Freitag in Genf. Das Lager soll bis zu 15.000 Menschen aufnehmen, die derzeit im überfüllten Übergangslager Dollo Ado in Ostäthiopien Unterschlupf gefunden haben.

Seit Anfang August kämen etwa 1.500 Somalier täglich in Kenia an, nach durchschnittlich 1.300 noch im Juli, sagte der Sprecher. Auch sei der Ausbruch von Masern in den Dollo Ado Lagern beobachtet worden. Es soll bereits ein Dutzend Tote gegeben haben.

Nach UN-Angaben gelten 640.000 somalische Kinder als unterernährt. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) braucht derzeit etwa 26 Millionen Dollar (18 Millionen Euro), um den Hungerflüchtlingen helfen zu können, wie IOM-Sprecher Jumbe Omari Jumbe ebenfalls in Genf sagte.

In Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen sollen die Menschen vor allem zu den Hilfszentren und Lagern transportiert werden. Mehr als zwölf Millionen Menschen in der Region brauchten dringend Hilfe, hieß es weiter. Viele seien zu schwach, um die langen Wege zu Fuß zurückzulegen.

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