Drogenbericht: Weniger Delikte, mehr Gift

Weniger angezeigte Verbrechen, mehr Vergehen und mehr sichergestellte Drogen: Das sind die wichtigsten Resultate des Suchtmittelberichts 2004, die das Bundeskriminalamt (BK) am Freitag veröffentlicht hat.

Allein die insgesamt 235 Kilogramm Heroin, die im Vorjahr sichergestellt worden waren, waren um 447,79 Prozent mehr als die 2003 entdeckte Menge. Wesentlichen Anteil daran hatten die 113 Kilogramm Heroin, die im März des Vorjahres in einem rumänischen Lkw in Wien sichergestellt wurden. Das 2004 gefundene Heroin hatte einen Schwarzmarktwert von rund 16,5 Millionen Euro.


Der Direktor des Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger, sagte zur APA, die Qualität der Amtshandlungen sei gestiegen. Das würden die gestiegenen sichergestellten Drogenmengen zeigen. Neben dem Heroin gab es auch bei Kokain, Cannabis und LSD Zuwächse. „Es gibt zwar weniger Verbrechenstatbestände, aber die, die wir zur Anzeige gebracht haben, waren qualitativ hochwertig. Die Investigation hat sich sehr stark auf die Organisationen konzentriert“, so Haidinger. Es habe mehrere große Aufgriffe gegeben.

“In die Strukturen der kriminellen Organisationen eingreifen”


Laut dem BK-Leiter konzentrieren sich die Ermittler verstärkt auf Strukturermittlungen. Man versuche, beginnend in der Mitte in die Strukturen der kriminellen Organisationen einzudringen und neben den Kleindealern vor allem die Köpfe der organisierten Banden auszuschalten. Dieser Ermittlungsansatz habe sich bewährt, auch wenn die Ermittlungen „zumindest mehrere Monate“ in Anspruch nehmen.


Haidinger lobte zudem die Kooperation mit den Behörden in den Nachbarstaaten, aber auch beispielsweise mit der US-Drogenbehörde DEA. Erleichtert habe die Zusammenarbeit die EU-Erweiterung. Österreichs Nachbarländer seien nun voll bei Europol eingeklinkt und würden voll an den Analysen der europäischen Polizeibehörde mitarbeiten und teilhaben. Als Beispiel für darauf basierende Erfolge nannte der BK-Chef die Aushebung einer großen Geldfälscher-Werkstätte in Bulgarien.

“Weniger Ecstasy”


Auffallend im Vorjahr war der Rückgang der sichergestellten Ecstasy-Menge. 122.662 und ein halbes Stück im Schwarzmarktwert von 1,839.000 Euro bedeuteten einen Rückgang um knapp 71 Prozent gegenüber 2003. Haidinger: „Offenbar ist der Verfolgungsdruck sehr groß geworden.“ Als Beleg dafür nannte er die Aushebung einer Ecstasy-Fabrik 2003 in Polen, deren Werksleiter – ein Chemiker – an der Universität unterrichtete. Auch dies sei ein Beispiel für besonders gute Kooperation, in dem Fall zwischen österreichischen und polnischen Fahndern.


Die Drogenschmuggelrouten haben sich dem Leiter des Bundeskriminalamts zufolge in den vergangenen Jahren wenig geändert. Nach wie vor sei die Balkan-Seidenroute in mehreren Variationen – neben dem Land- auch der Wasserweg über die Adria – der Hauptlieferweg nach Westeuropa. Kokain kommt weiter aus Südamerika. Auffallend sei, dass signifikant weniger Bodypacker aufgegriffen wurden, wofür Haidinger ebenfalls den gestiegenen Verfolgungsdruck auf den Flughäfen verantwortlich machte.

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