Drittes Klon-Baby aus Phantom-Firma?

Die Firma Clonaid, die das Kind „hergestellt“ haben will, existiert nach Angaben ihres Vizepräsidenten Thomas Kaenzig im Grunde gar nicht.

Sie sei kein eingetragenes Unternehmen und damit nicht haftbar, sagte Kaenzig am Mittwoch (Ortszeit) bei der telefonischen Anhörung durch einen Richter in Florida. Weder von der Identität noch vom Verbleib des als „Eve“ bekannten Babys wisse er etwas, erläuterte der Vizepräsident von Las Vegas aus.

Dafür scheute sich Kaenzig nicht, dem Gericht in Fort Lauderdale von der Geburt eines angeblich dritten Klon-Kindes zu berichten. Der kleine Bub soll jetzt als Sohn japanischer Eltern zur Welt gekommen sein. Auch von ihm rückt Clonaid weder mit Bild noch Namen, noch Aufenthaltsort oder gar einem genetischen Test heraus. Bisher ist die Firma auch zu den anderen beiden von ihr angekündigten angeblichen Klon-Kindern jeden Beweis schuldig geblieben, dass es sich tatsächlich um geklonte Menschen handelt.

Offiziell wird die Clonaid-Direktorin und so genannte Bischöfin der Ufo-gläubigen Raelianersekte, Brigitte Boisselier, auch die Geburt des jüngsten „Klon-Babys“ selbst bekannt geben. Ihre Sprecherin Nadine Gary kündigte noch für Donnerstag eine Pressekonferenz in Toronto an, ohne zunächst weitere Details zu nennen.

Unterdessen versucht der Familienrichter John Frusciante in Fort Lauderdale (Florida), Licht in den Fall von „Eve“ zu bringen. Frusciante liegt der Antrag des US-Anwaltes Bernard Siegel aus Miami vor, den Eltern von „Eve“ das Sorgerecht zu entziehen. Sollte das Baby tatsächlich geklont sein, brauche es besondere medizinische Betreuung, argumentiert Siegel und kritisiert das Klonen von Menschen wegen des hohen Risikos als „kommerziellen Kindesmissbrauch“.

Doch die Rechtslage ist äußert knifflig. Viele Experten zweifeln, dass es dem Richter gelingen wird, die Raelianersekte und ihr Unternehmen Clonaid dazu zu zwingen, ihre Karten offen zu legen. Die erste Hürde auf dem Weg zum Prozess ist, die Zuständigkeit des Gerichts in Fort Lauderdale festzustellen. Da der Aufenthaltort von „Eve“ nicht bekannt ist, stützt sich der Antrag von Siegel auf den Nachbarort Hollywood, in dem Boisselier „Eves“ Geburt vor vier Wochen bekannt gab.

Clonaid-Vize Kaenzig behauptete in der ersten Anhörung, er habe nie ein Gehalt von Clonaid bezogen und könne daher nicht für die Firma sprechen. Nachdem er am Mittwoch in vielen Punkten mehrmals die (telefonische) Aussage verweigert hatte, lud Frusciante ihn und Boisselier für den kommenden Mittwoch persönlich vor.

Doch noch fraglicher ist, ob Boisselier belangt werden kann. Sie hat ihr Klon-Labor laut US-Medien vorsichtshalber gleich in der Karibik – auf den Bahamas – eingerichtet und dürfte damit der amerikanischen Jurisdiktion gar nicht unterstehen.

Boisselier war am 27. Dezember in Hollywood (Florida) vor Fernsehkameras aus aller Welt getreten und hatte behauptet, das erste Klon-Baby „Eve“ sei am Tag zuvor an einem geheimen Ort gesund zur Welt gekommen. Eine Woche später ließ die französische Chemikerin, die noch bis Mitte der neunziger Jahre in der Industrie gearbeitet hatte und nach Einschätzung von Kollegen über keine Erfahrung im Klonen verfügt, die nächste Geburt mitteilen. Sie habe einem lesbischen Paar in den Niederlanden zum „geklonten“ Wunschkind verholfen. Bis zum 5. Februar sollen insgesamt fünf angeblich von ihr geklonte Babys auf die Welt kommen.

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