Drei Wiener Museen besitzen Objekte aus Enteigunungen

Drei Wiener und ein Salzburger Museum, darunter das Heeresgeschichtliche Museum besitzen noch Objekte aus Enteigungen von Juden in der NS-Zeit.
Drei Wiener und ein Salzburger Museum, darunter das Heeresgeschichtliche Museum besitzen noch Objekte aus Enteigungen von Juden in der NS-Zeit. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Vier Häuser in Österreich, drei davon in Wien, wurden von dem österreichischen Kunstrückgabeiberat dazu angehalten Objekte zu retournieren, die früher in jüdischem Besitz waren.

Fünf Empfehlungen für die Retournierung von Objekten an ihre rechtmäßigen Besitzer hat der österreichische Kunstrückgabebeirat in seiner 98. Sitzung am Freitag beschlossen. Betroffen davon sind die Akademie der bildenden Künste, das Naturhistorische Museum, das Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorisches Institut und das Salzburg Museum.

Wiener Museen besitzen jüdische Kunst aus Enteignung

So soll die Akademie der bildenden Künste 33 grafische Blätter aus dem Eigentum des jüdischen Wiener Gynäkologen Sigmund Stiassny, der 1941 starb, zurückgeben. Diese tauchten erst kürzlich im Konvolut der Sammlung Adolf Schmidt auf, die dessen Witwe 1986 der Akademie geschenkt hatte. Schmidt hatte die Blätter gemäß eigener Aufzeichnungen zwischen 1940 und 1943 vom ebenfalls von den Nazis verfolgten Kunsthändler Rudolf Perlberger gekauft.

Akademie der bildenden Künste besitzt 33 grafische Blätter

Der Beirat begutachtete darüber hinaus auch die anderen Erwerbungen Adolf Schmidts bei Rudolf Perlberger. Hier wurde die Rückgabe von 287 Grafiken und 32 Zeichnungen, unter ihnen eine Studie Gustav Klimts, zur Rückgabe empfohlen.

293 Objekte von Hanns Fischl besitzt das Heeresmuseum in Wien

Selbiges gilt für 293 Objekte - Fotografien, Postkarten, Drucke, Lithografien und Plakate sowie Bücher -, die der jüdische Rechtsanwalt Hanns Fischl 1943 dem Heeresmuseum verkaufte und von denen derzeit 200 in den Beständen des heutigen Heeresgeschichtlichen Museums/Militärhistorischen Instituts auffindbar sind. Fischl hatte als verfolgter Anwalt seine Kanzlei und damit sein Einkommen verloren und veräußerte - "in die Rolle des Bittstellers gedrängt", wie der Beirat festhält - die Objekte.

Naturhistorisches Museum hat 121 Mineralien von Hans Leitmeier

121 Mineralien, die der Wiener Mineraloge Hans Leitmeier 1941 an das Naturhistorische Museum Wien unter ähnlichen Umständen verkauft hatte, wurden ebenfalls zur Rückgabe empfohlen. Leitmeier wurde 1938 durch seine Ehe mit einer als jüdisch geltenden Frau als Wiener Universitätsprofessor zwangspensioniert.

Salzburg Museum hat 1.600 Gegenstände von Oscar Bondy

Auf Ersuchen des Salzburg Museums befasste sich das Gremium außerdem mit Objekten, die im Zuge der Einziehung der 1.600 Gegenstände umfassenden Sammlung des jüdischen Industriellen Oscar Bondy in den Bestand des Hauses gelangt waren. Hier wurde die Retournierung u.a. von drei Salzburger Fayencekrügen sowie eines Keramikblumentopfs aus dem 17. Jahrhundert empfohlen.

(APA/Red)

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