Dramatischer Capitals-Sieg über Red Bull Salzburg

Benoit Gratton erzielte den umstrittenen Ausgleich kurz vor Schluss
Benoit Gratton erzielte den umstrittenen Ausgleich kurz vor Schluss ©expa/Haumer
Die "Woche der Wahrheit" begann für die Vienna Capitals mit einen Heimspiel gegen Red Bull Salzburg. Ein hochklassiges, dramatisches Spiel gewannen am Ende die Wiener mit 4:3 nach Verlängerung - auch dank eines umstrittenen Ausgleichstreffers der Wiener in praktisch letzter Sekunde.
Bilder vom Spiel
Rafael Rotter führt durch die Schultz-Halle

Erster Torschuss der Salzburger sitzt
Die ersten Minuten in der ausverkauften Albert-Schultz-Halle wurden zum Teil (unerwartet) deutlich von den Capitals dominiert. Bei einigen hochkarätigen Torchancen scheiterten die Wiener am blendend disponierten Gästetorhüter Reinhard Divis. Der erste ernstzunehmende Angriff der Bullen brachte die Führung für die Gäste. Nach Vorlage von Filewich verwandelte Siklenka aus kurzer Distanz.

In der Folge entwickelte sich ein schnelles, rassiges Eishockeyspiel. Die Wiener konnten sich ein Übergewicht an Torchancen erarbeiten. Die Gäste aus Salzburg hielten dagegen und konnten nach 20 Spielminuten sogar auf mehr Torschüsse verweisen.

Keine Tore im Mittelabschnitt
Der Mittelabschnitt konnte an Tempo und Rasse nicht an das Eröffnungsdrittel anschließen. Durch Stockfehler und Ungenauigkeiten im Zuspiel kam der Spielfluss der beiden Teams phasenweise ins Stocken. Die Wiener konnten auch in diesem Abschnitt die qualitativ besseren Chancen für sich verbuchen. Die Capitals scheiterten jedoch erneut am eigenen Unvermögen oder an Goalie Divis. Auf der anderen konnte sich Capitals Schlussmann Cassivi in einigen Situationen auszeichnen. Für Aufregung sorgte im zweiten Abschnitt Schiedsrichter Cervenak mit einigen recht interessanten Regelauslegungen.

Bullen erhöhen auf 0:2
107 Sekunden waren im Schlussabschnitt gespielt als die Bullen die vermeintliche Vorentscheidung erzielten, Verteidiger Lanz traf mit einem satten Schuss von der blauen Linie. Die Capitals spielten weiter bemüht, den Bann brach in Überzahl Verteidiger Ales Kranjc, der mit einem Distanzschuss durch die Beine von Divis traf. Im Powerplay gelang den Capitals schließlich der Ausgleich: Salzburgs Goalie Divis versuchte hinter dem Tor die Scheibe zu kontrollieren, Björnlie erfasste die Situation und legte zurück auf Verteidiger Bouchard, der wenig Mühe hatte, die Scheibe ins leere Tor zu schieben.

Erneute Bullen-Führung 74 Sekunden vor dem Ende
Die Salzburger schienen nach ihrem erfolgreichen Auftritt im Europacup keine Lust auf Überstunden zu haben und gingen kurz vor Schluss erneut in Führung: Wieder war es Verteidiger Siklenka, der aus kurzer Distanz zum 2:3 traf. Dieser Treffer sollte der Startschuss für eine mitreißende Schlussphase des Spiels werden.

27 Sekunden vor dem Ende – Der umstrittene Ausgleich für die Capitals!
Mit dem Mute der Verzweiflung nahmen die Wiener umgehend Torhüter Cassivi für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis. Das Risiko wurde belohnt. Nach Zuspiel von Nageler zog Gratton in Richtung des Gästetores und brachte die Scheibe an Torhüter Divis vorbei ins Netz – 3:3! Salzburgs Spieler reklamierten sofort die Irregularität des Wiener Treffers. In der Folge bemühte Schiedsrichter Cervenak weit über fünf Minuten den Videobeweis. Der reklamierte Regelverstoß konnte jedoch nicht festgestellt werden. Der Ausgleich war gültig und brachte die Verlängerung.

Capitals fixieren Sieg in der Verlängerung

In der regulären Spielzeit bekamen die Zuschauer für ihr Eintrittsgeld viel geboten. Beide Teams lieferten ein rasantes, rassiges Eishockeyspiel, dem das Attribut Playoff-Spiel mehr als nur gerecht wurde. Untyptisch für das Spiel war nur die Verlängerung, in der ein Einzelfehler das Spiel entschied: Bullen-Verteidiger Trattnig verschenkte leichtfertig die Scheibe. David Rodmann nahm sich ein Herz und bezwang mit einem Flachschuss Salzburg Goalie Divis zum heftig umjubelten Siegtreffer.

Kevin Gaudet (Vienna Capitals): “Eine wunderbare Energieleistung meiner Mannschaft. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Wir haben niemals aufgeben und großen Charakter bewiesen. Klar brauchst du auch Glück – und das hatten wir heute. Einzig mit unserer Chancenauswertung bin ich nicht zufrieden. Wir haben uns im Vergleich zu den letzten Spielen deutlich gesteigert und das lässt mich sehr positiv in die Zukunft blicken.”

Kevin Kraxner (Vienna Capitals): “Was für ein tolles Spiel. Wir haben immer gekämpft und haben niemals aufgegeben. Der Sieg war mit Sicherheit glücklich aber nicht unverdient weil wir mehr Torchancen als der Gegner hatten. Es war eine super Stimmung heute. Die Halle hat schon nach dem späten Ausgleich gebebt. Das hat uns zum Sieg getragen. Meine Grippe ist auskuriert – ich bin völlig fit.”

Pierre Page (Trainer Red Bull Salzburg) verweigerte eine Stellungnahme.

Manuel Latusa (Red Bull Salzburg): “Wir haben einfach sehr schlecht gespielt. Besonders im letzten Drittel haben wir fast zur Gänze aufgehört konstruktiv zu spielen. Das ist sehr ärgerlich, denn so haben wir den Capitals den Sieg beinahe geschenkt. Das Schöne am Eishockey ist, dass wir am Donnerstag schon die Möglichkeit zur Revanche haben. Dann werden wir uns definitiv anders präsentieren.”

Pavel Cervenak (Schiedsrichter; im Gespräch mit Salzburg Goalie Divis direkt nach dem Spiel): “Der Treffer war regulär. Gratton erzielte kein Schlittschuhtor und eine Behinderung lag bis zum Zeitpunkt als die Scheibe die Torlinie überquerte nicht vor.”

Vienna Capitals – EC Red Bull Salzburg 4:3 (0:1,0:0,3:2/1:0)
Schultz-Halle, 4.000, Cervenak
Tore: Kranjc (47./PP), Bouchard (52./PP), Gratton (60.), Rodman (61.) bzw. Siklenka (5., 59.), Lanz (42.)
Strafminuten: 6 bzw. 16

Tabelle:
  1. Graz 99ers        27 20  7  110 :  64  43
  2. Black Wings Linz  27 17 10  102 :  79  37
  3. Vienna Capitals   27 17 10   97 :  79  35
  4. VSV               27 15 12   83 :  88  32
  5. Red Bull Salzburg 26 14 12  109 :  86  31
  6. SAPA Fehervar     27 13 14   80 :  91  30
  7. KAC               27 13 14   83 :  87  27
  8. Medvescek Zagreb  27 11 16   75 : 102  25
  9. Olimpija Laibach  27 10 17   75 :  92  22
 10. Jesenice          28  5 23   69 : 115  13

Thomas Muck
In Kooperation mit sportreport.at
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