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"Don't smoke": Volksbegehren wird im Parlament behandelt

Am Mittwoch wird das Volksbegehren "Don't smoke" im Parlament behandelt.
Am Mittwoch wird das Volksbegehren "Don't smoke" im Parlament behandelt. ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Auf der Agenda des Gesundheitsausschusses im Parlament steht am morgigen Mittwoch das "Don't smoke"-Volksbegehren. Inzwischen ist auch ein offener Brief von spanischen Experten an die Parlamentarier eingelangt.

Morgen, Mittwoch, steht das “Don’t smoke”-Volksbegehren mit mehr als 881.000 Unterschriften für ein Gastro-Rauchverbot auf der Agenda des Gesundheitsausschusses im Parlament. In einem offenen Brief wandten sich jetzt spanische Experten an die Mitglieder des Ausschusses: Es sei unverständlich, warum Österreich an den überholten Regelungen mit Raucher- und Nichtraucherzonen in Lokalen festhalte.

“Als spanische Experten für Öffentliche Gesundheit wundern wir uns, warum Österreich noch immer das alte ‘Spanische Modell’ verwendet”, schrieben Ildefonso Hernadez-Aguado, Inhaber einer Professur für Öffentliche Gesundheit und in den Jahren zwischen 2008 und 2011 Generaldirektor für Öffentliche Gesundheit in der spanischen Regierung, und Joan Villalbi, Präsident des spanischen Verbandes für Öffentliche Gesundheit und Gesundheitsverwaltung, in dem Brief, der zuoberst an die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Nationalrat, an die oberösterreichische Radiologin Brigitte Povysil (FPÖ) adressiert ist.

Seit 2010: Gastro-Rauchverbot in Spanien

2005 hätte man in Spanien vor allem aufgrund des Widerstandes der Tabakindustrie zunächst nur die Trennung in Raucher- und Nichtraucherräumlichkeiten in Gastronomiebetrieben mit mehr als hundert Quadratmetern Größe eingeführt. Aber schon 2010 sei es schließlich zu einem generellen Gastro-Rauchverbot gekommen. “Wir würden nie wieder umkehren. Warum kopierte Österreich ein System, das bei uns fehlgeschlagen ist? Und noch wichtiger: Warum bleibt man dabei? Nichtraucherschutz war und ist mit dem alten ‘Spanischen Modell’ unmöglich”, heißt es in dem offenen Brief.

Im Gesundheitsausschuss sitzen unter anderem auch der ehemalige Rektor der MedUni Graz, Josef Smolle (ÖVP), und die ehemalige Sektionschefin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium und nunmehrige SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, beides Ärzte. Smolle hatte sich anfangs für das Gastro-Rauchverbot ausgesprochen, der Abstimmung im Parlament über die Aufhebung des geplanten Verbots im März vergangenen Jahres aber nicht beigewohnt. Das geplante Verbot war ehemals von der ÖVP mitbeschlossen worden.

“Don’t smoke”: Offener Brief an österreichische Parlamentarier

Die spanischen Experten listen in ihrem Offenen Brief die wichtigsten Argumente auf, welche in dem Land schließlich zum generellen Gastro-Rauchbann führten: “Es wurde schwierig, rauchfreie Bars und Restaurants überhaupt zu finden. Manche Gastronomen teilten ihre Bars und Restaurants formal als selbstständige Lokale – nur um sie generell als Raucherlokale zu deklarieren. (…) Es gibt keinen vernünftigen Grund, der für eine solche Situation spricht.” Die wissenschaftlichen Beweise für die positiven Effekte eines umfassenden Gastro-Rauchverbotes seien einfach überwältigend. In Spanien würde die Gastronomie weiterhin mehr florieren als die Gesamtwirtschaft.

Hernandez-Aguado und Villalbi führen aber auch an, wie in Spanien die Öffentlichkeit über die Notwendigkeit eines Gastro-Rauchverbotes aufgeklärt wurde: “Die Gesundheitsministerin lud Ärzte zu ihrer Pressekonferenz, bei der die Journalisten mit den Fakten konfrontiert wurden: Frauen in den späten 40er- und 50-Jahren mit Lungenkrebs und kurz vor ihrem Tod, die ihre Kinder als Waisen zurücklassen mussten und Männer, die aufgrund von Herzinfarkten und chronischer Lungenerkrankung (COPD) ihr Leben nicht mehr genießen konnten sowie Kinder mit Asthma, die oft ins Spital aufgenommen werden müssen.

“Kann irgendjemand noch den in Spitälern Beschäftigten oder Kindern in die Augen schauen, denen man weiterhin Gesundheitsschutz verweigert?”, fragen die spanischen Experten in ihrem Offenen Brief an die österreichischen Parlamentarier.

Österreich: Rund 14.000 Meschen sterben an den Folgen des Rauchens

In Österreich sterben laut Experten jedes Jahr rund 14.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Rund 1.000 Todesopfer gibt es durch Passivrauchen. 2015 erkrankten 2.956 Männer und 1.904 Frauen an einem bösartigen Lungentumor. Lungenkrebs war damit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen (insgesamt zwölf Prozent aller Krebsneuerkrankungen). 2.396 Männer und 1.493 Frauen verstarben daran. Somit war Lungenkrebs weiterhin die häufigste Krebstodesursache bei Männern und bereits die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen in Österreich (insgesamt 19 Prozent aller Krebssterbefälle). Diese Zahlen dürften laut Prognosen der Statistik Austria in den kommenden Jahren noch deutlich steigen.

Raucher haben eine dreifach höhere Mortalität als Niemals-Raucher. Hören sie mit 50 Jahren mit dem Griff zur Zigarette auf, halbieren sie immerhin noch ihr Gesamt-Sterberisiko auf den Faktor 1,56. Das 25-fache Lungenkrebsrisiko fällt bei einem Rauchstopp im Alter von 50 Jahren auf das Sechsfache. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Lungenkarzinompatienten beträgt nur rund 15 Prozent.

(APA/Red)

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