Domingo feierte 40 Jahre Staatsopern-Reife

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Dass Placido Domingo Staatsopern-Reife besitzt, hat er vor 40 Jahren zum ersten Mal bewiesen. Samstagabend feierte man dieses Jubiläum mit einer Gala, die an Glanz und Glorie nichts ausließ.

Im Gegenzug gab Domingo nochmals zwei seiner Paraderollen in Wagners „Walküre“ und Verdis „Otello“ – und bedankte sich auf dem Balkon vor hunderten Fans, die die Gala auf einer Video-Leinwand vor dem Haus am Ring verfolgt hatten.

Domingos Marktwert konnte man bereits vor der Show exakt bestimmen: Dort warteten die üblichen privaten Kartenverkäufer auf verzweifelte Fans, die bis zu 500 Euro zu zahlen bereit waren. Wer ein echter Fan war, hatte allerdings entweder ein Ticket in den Opernhimmel oder er nahm am Herbert-von-Karajan-Platz die Möglichkeit wahr, an einem kleinen Opern-Woodstock teilzunehmen. In etwas entspannterer Atmosphäre genoss man den mehr als dreistündigen Abend, selbst der Werbefilm der Staatsoper in der Pause mit kleinen „Appetizern“ aus dem Repertoire wurde aufmerksam verfolgt.

Schon zuvor hatte Domingo als Siegmund in der „Walküre“ demonstriert, was ihm den Titel Ausnahmetenor eingebracht hat. Er sang sich durch den ersten Akt und riss das Publikum schon vor der Pause zu Beifallsstürmen hin. Adam Fischer dirigierte, von Deborah Voigt als Sieglinde war man ebenso entzückt wie von Kurt Rydl als Hunding. Und Adolf Dresens Inszenierung nordischer Wohnträume vor der Erfindung des Rades machte die Vorfreude auf den neuen Ring an der Staatsoper noch größer.

Nach der Pause wurde die Staatsoper zum Kinosaal umfunktioniert. Domingos Staatsopern-Schicksal wurde auf 45 Minuten eindrucksvoll komprimiert, auch hier setzte oft Szenenapplaus für das Archivmaterial ein. Es folgte der – reale – vierte Akt des „Otello“ (Inszenierung: Peter Wood), und aus dem Beifallssturm von vorhin wurde ein Jubelorkan. Es regnete Rosen, Domingo kniete vor seinen Fans nieder und beschwor mit großer Geste das Parkett, das er, wie er betonte, so liebte. Aber auch Krassimira Stoyanova als Desdemona wurde gefeiert, ebenso Daniele Gatti, der das Kommando auf dem Pult übernommen hatte.

Ganz ohne offiziellen Teil ging es dann aber doch nicht. Nachdem Domingo auf dem Balkon vor den Fans draußen die „große große Romanze mit der ganzen Stadt“ bezeugt hatte, gab es drinnen Dankesworte von Staatsopern-Direktor Ioan Holender. „Ich danke dir im Namen meiner vielen Vorgänger, die du alle überlebt hast – wie du auch mich überleben wirst“, meinte dieser und kündigte den „Premierminister“ Österreichs, also Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), an. Domingo bekam das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen, wobei der Kanzler bei der Laudatio Spanischkenntnisse bewies. Tränen in den Augen hatte Domingo allerdings längst vorher in den Augen gehabt.

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