Dnipro hofft auf das "Wunder von Warschau"

Um diesen Pokal geht es
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Ein Krieg spaltet die Ukraine, doch der Fußball soll das Land einen. Das Europa-League-Finale am Mittwoch (20.45 Uhr/live ORF eins) in Warschau gegen den FC Sevilla ist für Dnipro, den Verein aus der Frontstadt Dnipropetrowsk, viel mehr als nur ein Spiel.
Dnipro vs. Sevilla ab 20:45 Uhr
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Einen Abend lang sollen der blutige Konflikt gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes und die Wirtschaftskrise ausgeblendet werden.

“Niemand hatte uns auf der Rechnung. Es ist eine große Überraschung, dass wir so weit gekommen sind”, sagte Dnipro-Torjäger Jewgeni Selesnjow, dessen Team von 9.000 Fans in Polens Hauptstadt begleitet wurde. Sein Kapitän Ruslan Rotan kündigte indes selbstbewusst an: “Wir wollen diesen Pokal wirklich in unserem Vereinsmuseum haben.” Und sollte dem Außenseiter tatsächlich die große Sensation gelingen, dann “wäre das für die ganze Ukraine ein unglaublich glücklicher Moment”, betonte Tormann Denis Boyko.

Champions League winkt

Mit einem 3:2-Heimerfolg am Samstag gegen den Ligazweiten Schachtar Donezk tankte Dnirpo noch einmal Selbstvertrauen für das Endspiel gegen den favorisierten Titelverteidiger, der mit dem 3:2 in Malaga ebenfalls eine gelungene Generalprobe feierte. Für beide Vereine ist der Final-Triumph in Polen doppelt wertvoll, da der Europa-League-Gewinner erstmals in der kommenden Saison auch direkt in der Gruppenphase der Champions League steht.

Für Dnipro Dnipropetrowsk ist das Endspiel der bisher mit Abstand größte internationale Erfolg der Vereinsgeschichte. Das Team von Trainer Myron Markewitsch, das seine Europacup-Heimpartien in dieser Saison wegen des Krieges in Kiew austragen musste, hofft nun auf eine Fortsetzung einer stolzen Serie und das “Wunder von Warschau”: Denn immer, wenn ein ukrainisches Fußball-Team den Einzug in ein Europacup-Endspiel schaffte, holte es bisher auch den Titel. Dynamo Kiew gewann 1975 und 1986 den Europacup der Cupsieger und Schachtar Donezk zuletzt 2009 gegen Werder Bremen mit Sebastian Prödl den UEFA-Cup.

Sevilla will Geschichte schreiben

Mit entsprechendem Respekt startete deshalb Sevilla seine Final-Mission, in der die Andalusier als erster Club zum vierten Mal im zweitwichtigsten europäischen Fußball-Club-Bewerb triumphieren wollen. “Wir können nicht abstreiten, dass wir die Möglichkeit haben, Geschichte zu schreiben”, erklärte Trainer Unai Emery. “Es sollte sich nicht wie Druck anfühlen, sondern eher motivieren – wie ein Traum, den wir wahr werden lassen können.”

Doch auch das Überraschungsteam aus der Ukraine, das bereits Vereine wie SSC Napoli und Ajax Amsterdam auf seiner Abschussliste hat, rechnet sich selbstbewusst Chancen aus. “Jeder weiß, dass ein Spiel das Märchen in Realität verwandeln kann”, bekräftigte Dnipro-Kapitän Rotan. “Ich denke, dass die Motivation die größere Rolle spielen wird. Wer die größere Widerstandsfähigkeit zeigen kann, wird gewinnen.”

Für Sevillas polnischen Mittelfeldspieler Grzegorz Krychowiak bietet sich ebenfalls eine einmalige Chance. “Eine Titelverteidigung, mein erster Titel, noch dazu in meinem Land, das wäre unglaublich”, betonte der 25-jährige Teamspieler vor seinem Finalauftritt im Nationalstadion von Warschau. Nach den Siegen im UEFA-Cup 2006 und 2007 könnte Sevilla auch in der Europa League als erster Club seinen Titel erfolgreich verteidigen.

Duell der erfahrenen Trainer

Das Endspiel ist außerdem das Duell der Trainer mit der größten Erfahrung in diesem Bewerb. Der 43-jährige Sevilla-Coach Emery sitzt in Warschau zum bereits 50. Mal in der Europa League auf der Bank – so oft wie kein anderer Trainer. 20 der Partien bestritt der Baske mit seinem Ex-Club Valencia. Der 64-jährige Ukrainer Markewitsch kommt mit dem Endspiel auf 42 Einsätze für Dnipro und Metalist Charkiw.

Dnipros Trainer hat vor der Offensive der Spanier jedenfalls großen Respekt. “Sie sind im Angriff sehr stark, haben sehr gute Stürmer, die in wichtigen Momenten Tore erzielen. Das stellt uns vor ein Problem”, weiß Myron Markewitsch. Seine bisher auf einem “guten Niveau” spielende Defensive werde aber alles versuchen, um die Angreifer zu neutralisieren. Das war bisher auch eine Stärke der Ukrainer im Bewerb.

Der Finaleinzug kam auch für den 64-jährigen Ukrainer überraschend. “Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir damit gerechnet haben, im Finale zu spielen. Wenn du beginnst zu essen, bekommst du aber immer mehr Appetit. Nach dem Sieg gegen Olympiakos in der Runde der letzten 32 habe ich begonnen, daran zu glauben”, sagte Dnipros Chefcoach.

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