Diskussion um Verbesserung des Kinder- und Jugendschutzes

Der Kinder- und Jugendschutz soll vor allem durch Unterstützungsangebotge ausgebaut werden, das wurde am Montag auf einer Tagung in Salzburg diskutiert.
Hilfe für Kinder in Not durch Jugendämter oder Sozialarbeiter scheitert oft daran, dass Eltern Unterstützungs-Angebote weniger als Hilfe denn als Drohung empfinden. Was Kinder und Eltern in Krisensituationen benötigen und wie Maßnahmen besser bei den Betroffenen ankommen, das ist das Thema einer Tagung, die am Montagnachmittag im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg begonnen hat.
Kooperative Qualitätsentwicklung

“Wer steht uns bei? Kooperative Qualitätsentwicklung im Kinderschutz” nennt sich das Thema des internationalen Symposiums, bei dem Sozialarbeiter, Vertreter von Kinderschutzeinrichtungen, Kinder- und Jugendanwälte sowie Juristen aus dem deutschsprachigen Raum teilnehmen. Unter anderem werden Best Practice-Modelle präsentiert, mit denen schon gute Erfahrungen bei der Verbesserung der Kinderschutzangebote gemacht wurden.

Vorbild Jugendhilfe Dormagen

Ein solches Beispiel ist die Kinder- und Jugendhilfe in der deutschen Stadt Dormagen. Dort wurde vor 15 Jahren ein Qualitätskatalog der Jugendhilfe entwickelt. Zentraler Ansatz ist, dass das Jugendamt nicht erst dann auf den Plan tritt, wenn es schon Probleme gibt, sondern es zur Routine gehört, junge Eltern nach der Geburt eines Kindes zu besuchen und sich mit den Unterstützungsangeboten vorzustellen. Damit habe man eine neue Vertrauensbasis aufgebaut, sagte der Sozialarbeiter Uwe Sandvoss, der diesen Qualitätskatalog mitentwickelt hat, am Rande der Tagung zur APA. Insgesamt gehe es darum, die Eltern viel stärker zu Partnern zu machen.

Unterstützungsangebote statt Drohungen
 
Der Effekt: Wurde die Kinder- und Jugendhilfe der 70.000-Einwohner-Stadt Dormagen früher zu 90 Prozent nach Meldungen von Fremden bei einer Familie aktiv, kommen jetzt etwa die Hälfte aller Familien in schwierigen Situationen selbst und holen sich Unterstützung. Damit kann die Hilfe früher und effektiver ansetzen. Das habe zu einer Reduzierung der Kosten pro Fall geführt, berichtete Sandvoss: Lagen sie früher bei 20.000 Euro pro Fall, seien sie nun auf 6.800 Euro gesunken. “Wir erreichen viel mehr Familien”, sagte Sandvoss. Unterstützungsangebote wie ein Baby- oder Krabbelclub sowie Kompetenztrainings für Eltern würden gut angenommen.
Situation für Sozialarbeiter immer schwieriger
Insgesamt seien die Sozialarbeiter im Kinderschutzbereich mit immer schwierigeren Situationen sowie weniger Ressourcen konfrontiert. Außerdem erhielten sie kaum Unterstützung bei der Verarbeitung von Problemsituationen und würden wenig Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren, kritisierte Reinhard Wolff, Professor für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Freien Universität Berlin. Er ist Leiter des Forschungsprojekts “Aus Fehlern lernen – Qualitätsmanagement im Kinderschutz”.
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