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"Die Wunderübung" von Daniel Glattauer: Rezension des neuen Buches

Hat leicht lachen: Erfolgsautor Daniel Glattauer. Neues Buch: "Die Wunderübung"
Hat leicht lachen: Erfolgsautor Daniel Glattauer. Neues Buch: "Die Wunderübung" ©Deuticke Verlag / APA
Dass er spannende Geschichten darüber zu erzählen weiß, wie Männer und Frauen ticken und miteinander umgehen, hat Daniel Glattauer spätestens mit "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" unter Beweis gestellt. Sein neues Buch widmet sich erneut auf unterhaltsame Art dem Thema Paarbeziehung. VIENNA.AT hat "Die Wunderübung" für Sie gelesen.
"Schreiben tut der Seele gut"
Glattauer-Romane im Theater

Der Wiener Erfolgsautor Daniel Glattauer hat es schon wieder getan: Ein Buch über Freud und Leid von Partnerschaft geschrieben. Pünktlich zum Erscheinungstermin am 24. Februar 2014 stellen wir Ihnen “Die Wunderübung” vor, wobei sich um keinen Roman, sondern um ein Stück handelt, das sich auf unterhaltsame Weise dem Reparaturversuch einer Ehe widmet.

Ehekrise-Komödie à la Daniel Glattauer

Der Schauplatz des neuen Glattauer-Buches ist dabei jener, an dem man landet, wenn man mit seinem Latein, nicht aber mit der Austragung der gemeinsamen Konflikte am Ende ist: der Arbeitsraum eines Paartherapeuten.

Joana und Valentin sind um die vierzig und haben ein Problem: einander. Die gemeinsame Beziehung befindet sich schon seit Jahren in der Krise, ein Paartherapeut soll Abhilfe schaffen und statt der fortgeschrittenen Entfremdung der beiden wieder eine Annäherung herbeiführen. Keine leichte Aufgabe, wie der sich entspinnende Dialog in “Die Wunderübung” der beiden während einer ersten Sitzung bei dem Psychologen zeigt, in dem sich als klare Konstante die festgeschriebene Meinung der beiden Ehepartner voneinander herauskristallisiert.

Kann eine Wunderübung Wunder wirken?

Daniel Glattauer zeichnet klare Charakterbilder seines Paares im Buch: Er teilt sich zuwenig mit, sie nörgelt an allem und jedem herum. Er sieht nicht ein, dass es ein Problem oder vielmehr viele Probleme zwischen den beiden gibt – sie sieht nichts als diese Probleme und tut dies wortreich kund. Man ist giftig und bissig zueinander und weiß immer schon im Vorhinein, was der andere sagen wird – oder eben nicht.

Um hier eine Versöhnung herbeizuführen, scheint schon ein Wunder von Nöten. Darüber scheint sich auch der Therapeut im Klaren zu sein, der die beiden verschiedene Übungen absolvieren lässt, darunter die titelgebende Wunderübung, in der sich das Paar an schöne Zeiten und Erlebnisse miteinander erinnern und sich auch positive Eigenschaften des anderen ins Gedächtnis rufen soll.

Vorhaltungen über Seitensprünge in Glattauer-Buch

Dieser Ansatz führt ebensowenig zum Erfolg wie die Anregung des Therapeuten, doch jeweils in die Rolle des anderen zu schlüpfen und wie dieser zu agieren bzw reagieren. Bestehende Konflikte schaukeln sich bei Glattauer immer mehr hoch – und das nicht nur, weil Joana voller Ärger eine angeblich längst verflossene Brischit aus Neujedlersdorf ins Spiel bringt und Valentin mit einem ebenso verjährten Guido kontert. Diese Verfehlungen schmiert man sich gegenseitig, wenig zur Versöhnung bereit, vor dem professionellen “Schiedsrichter” des Buches aufs Brot, der gute Miene zum bösen Spiel macht.

Zankapfel sind in “Die Wunderübung” nicht zuletzt die beiden gemeinsamen Kinder, mit denen sich Joana alleingelassen fühlt, weil sie für Valentin ihr zufolge “Arbeit” bedeuten. Dass man überhaupt zusammen an Ort und Stelle sitzt, ist jedoch einem Versprechen der gemeinsamen Tochter gegenüber geschuldet, die den elterlichen Zwist zunehmend unerträglich findet. Also bemühen sich Joana und Valentin redlich – wenn schon nicht um Versöhnung, so doch um einen guten Kampf, auch wenn man sich gegenseitig unangenehme Attribute wie “Furie/Kratzbürste/Beißzange” (Valentin über Joana) oder “Gefrierbeutel/Waschlappen/Igorant” (Joana über Valentin) an den Kopf wirft.

Versöhnung? “Es ist sinnlos”

Dass man sich wirklich auseinandergelebt hat, wird im Verlauf der Glattauer-Komödie, in der das Lachen öfter einmal ob der gegenseitig an den Kopf geworfenen Boshaftigkeiten im Hals stecken bleibt, immer klarer. In einer “Faust-Übung”, die der zunehmen ratlosere Berater vorschlägt, gelingt es Valentin auf Biegen und Brechen nicht, seiner Frau symbolisch das Herz in Form ihrer geballten Faust zu öffnen. Die Conclusio: “Es ist sinnlos.”

Zumindest darüber scheint in “Die Wunderübung” Einigkeit zu herrschen. Die Erinnerung an harmonischere Zeiten, an das Einander-Kennenlernen beim Tauchurlaub in Ägypten, als das Gemeinsame gut funktionierte, bildet nur ein kurzes Aufflammen im deprimierenden Sumpf, zu dem die Beziehung verkommen scheint. Die Faszination voneinander ist definitiv Vergangenheit.

Trennung auf Raten vs. glatter Schnitt

Kein Wunder – und dennoch ein Schock – dass der Therapeut im Glattauer-Buch früher oder später die Gretchenfrage stellt: “Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?” Davon will man jedoch auch nichts hören. Zu endgültig scheint der Schritt zum klaren Schnitt, befindet man sich doch, wie Joana meint, ohnehin bereits mitten in einer Art Trennung auf Raten.

“Einem Mann reicht es nach wenigen Wochen, und ab da kontinuierlich. Dazu muss er seine Frau nicht eigens verlassen”, weiß der Autor bzw. seine “Wunderübung”-Protagonistin Joana.

“Die Wunderübung”: Keine Garantie für ewiges Eheglück

Die Wende kommt, als sich zeigt, dass auch ein Paartherapeut vor persönlichen Problemen nicht gefeit ist. 18 Jahre nahezu perfekter Ehe sind keine Garantie für ewiges Glück – und wenn es der Berater, der plötzlich sehr Persönliches preisgibt, noch so “himmelschreiend ungerecht findet”. Ob und wie Joana und Valentin anhand seines schlechten, aber menschlichen Vorbildes in “Die Wunderübung” doch wieder zusammenfinden, und was dahintersteckt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Fazit: Der neue Glattauer hält definitiv, was er verspricht – gute Unterhaltung nach mehr oder weniger bewährtem Rezept. So mancher Leser und viele Leserinnen werden sich in Joana und Valentin mehr oder weniger schmunzelnd oder auch selbstkritisch wiedererkennen. Das Lesevergnügen, das mit gerade einmal 110 Seiten bei “Die Wunderübung” eher kurz ausfällt, ist garantiert – schöne Bonmots zu Liebe und Leidenschaft (“Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren”) inklusive. Wir können das neue Buch von Daniel Glattauer nur empfehlen!

(DHE)

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