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Die Welt gedenkt des Völkermords an den Armeniern vor 100 Jahren

Papst Franziskus feiert bereits am 12. April eine armenische Messe im Petersdom.
Papst Franziskus feiert bereits am 12. April eine armenische Messe im Petersdom. ©AP
Auf der ganzen Welt gedenken die Armenier im April des Beginns des Völkermordes vor 100 Jahren, dem im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. In Erinnerung an 1915 werden am 24. April um 19.15 Uhr weltweit die Glocken der armenischen Kirchen läuten.

Im Stephansdom zelebriert Kardinal Christoph Schönborn an diesem Gedenktag für die Opfer einen ökumenischen Gottesdienst. Papst Franziskus feiert bereits am 12. April eine armenische Messe im Petersdom. Mit dem römisch-katholischen Kirchenoberhaupt wird am diesjährigen “Sonntag der Barmherzigkeit” der armenisch-katholische Patriarch Nerses Bedros XIX., der in Beirut residiert, konzelebrieren.

Die Ökumenische Stiftung Pro Oriente weist darauf hin, dass im liturgischen Terminkalender des Papstes im Zusammenhang mit dieser Messe im armenischen Ritus nicht erwähnt wird, dass es sich um eine Gedenkmesse handeln könnte. Im Juni 2013 war es zu einem diplomatischen Zerwürfnis zwischen der türkischen Regierung in Ankara und dem Heiligen Stuhl gekommen, weil Papst Franziskus bei einer vom vatikanischen TV-Zentrum aufgezeichneten Begegnung mit Patriarch Nerses Bedros die Massaker gegen die Christen in Anatolien von 1915 bis 1923 als “ersten Genozid des 20. Jahrhunderts” bezeichnet hatte.

Prägender Einfluss auf die Theologie der christilichen Kirche

Zwei Monate vor dem Gedenktag am 24. April hat der Papst den armenischen Heiligen Gregor von Narek (951-1003) zum Kirchenlehrer erhoben. Der Mönch, Priester, Mystiker und Autor Gregor von Narek wurde 951 südlich des Van-Sees geboren und entstammte einer Gelehrtenfamilie. Er wurde Mönch im Kloster Narekavank, später Abt. Gregor verfasste mystische Schriften, liturgische Gesänge, Lieder und Predigten. Als Meisterwerk des Mystikers gilt sein “Buch der Klagen”. Gregor wurde in seinem Kloster begraben. 1915 wurde Narekavank wie viele andere Klöster in Anatolien auf Befehl der osmanischen Führung zerstört. Für die katholische Kirche ist Gregor der 36. Kirchenlehrer (so werden Theologen und Heilige bezeichnet), die prägenden Einfluss auf die Theologie der christlichen Kirche hatten.

Österreich und Deutschland erkennen Genozid nicht an

In Deutschland ist eine Diskussion über die Haltung der Bundesregierung entflammt. Eine etwaige Teilnahme an Gedenkfeiern der Armenier werde geprüft, hieß es in Berlin. Anders als Frankreich oder die Schweiz haben Deutschland und Österreich die Massaker und Vertreibungen ab 1915 nicht als Genozid anerkannt. Es wird darauf verwiesen, dass Deutschland die UNO-Genozid-Konvention erst 1955 unterzeichnete. Die armenische Seite kritisiert, dass dann auch die Shoah nicht rückwirkend als Völkermord anerkannt werden könnte. Der deutsche Grünen-Chef Cem Özdemir, selbst türkischer Abstammung, forderte unterdessen die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern.

Die deutsche Zivilgesellschaft und die Kirchen planen eine Reihe von Veranstaltungen. Im Lepsius-Haus in Potsdam wird eine internationale Expertenkonferenz zum Thema “Das Deutsche Reich und der Völkermord an den Armeniern” stattfinden. Der evangelische Pastor Johannes Lepsius hatte vergeblich die Öffentlichkeit in Deutschland und Österreich-Ungarn, beide Verbündete der Osmanen im Ersten Weltkrieg, gegen den Völkermord zu mobilisieren versucht.

Mitschuld des Deutschen Reiches

Bei einem ökumenischen Bußgottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ließ der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. kürzlich mit seiner Aussage über die Mitschuld des Deutschen Reiches und seines Vorfahren aufhorchen. Der evangelische Pfarrer Philip Kiril Prinz von Preußen erklärte bei der Messe am 29. März, die er mit dem armenisch-orthodoxen Erzbischof Karekin Bekdjian im Andenken an den Genozid zelebrierte: “Es fehlte 1915 an unerschrockenen Christen”, die nationalistischen Umtrieben Einhalt geboten hätten. Nach der Predigt sagte Philip Kiril: “Als Nachfahre Wilhelms II. identifiziere ich mich mit seinem schuldhaften Tun und Unterlassen und bitte Gott und die armenische christliche Gemeinde und Erzbischof Karekin, stellvertretend für Euer Volk, herzlich um Vergebung für die vielfältige Mitschuld Wilhelms II. an dem schrecklichen, grausamen Völkermord.”

Erster Völkermord des 20. Jahrhunderts

Zwischen 1915 und 1918 wurden im damaligen Osmanischen Reich zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Armenier ermordet, aber auch chaldäische und assyrische Christen. Historiker sprechen vom “ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts”. Die offizielle Linie der türkischen Regierungen bis heute ist, dass es sich damals um Notmaßnahmen handelte, weil zu befürchten war, dass die Armenier mit dem Feind Russland zusammenarbeiten. Es habe rund 300.000 Tote gegeben, aber keinen Völkermord. Das Deutsche Kaiserreich war wie die Österreich-Ungarische Monarchie im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet, beide Staaten wussten auch über die Massaker und Vertreibungen Bescheid, ohne dagegen einzuschreiten. Der Hohenzollern-Prinz Philip Kiril kritisierte, Staatslenker, Politiker und Militärs liefen Gefahr, die Nächstenliebe auf dem Altar des Größenwahns und der Feigheit zu opfern. “Zumindest für Deutschlands Entscheidungsträger aus dem Jahr 1915 müsste wohl gesagt werden: Sie ehrten Christus mit den Lippen, aber ihr Herz war fern von ihm.”

Genozid als Mahnung für die Welt von heute

In Warschau machte der armenisch-katholische Erzbischof Raphael Minassian den Armeniern Mut. “Das armenische Volk ist heute stärker als vor 100 Jahren”, sagte Minassian zur katholischen Nachrichtenagentur KAI, als er Mitte März in der Warschauer Paulinerkirche eine Gedenkmesse zelebrierte. Die Drahtzieher des Völkermords im jungtürkischen Komitee für Einheit und Fortschritt hätten damals das armenische Volk ausrotten wollen. “Aber heute sind die Armenier viel zahlreicher, besser ausgebildet und besser für das Leben vorbereitet als damals.”

Der Genozid sei eine Mahnung für die Welt von heute, erklärte der armenische Erzbischof: “Wenn man den Völkermord an den Armeniern bestraft hätte, hätte es vielleicht keinen Holocaust am jüdischen Volk gegeben.” Im Nahen Osten ereigne sich derzeit Ähnliches. Minassian residiert in der armenischen Stadt Gjumri und ist für die armenischen Katholiken in ganz Osteuropa zuständig.

(apa)

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