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Die Vermessung der Welt - Trailer und Kritik zum Film

Eine Kinoerlebnis wie von gestern mit den technischen Mitteln von morgen - das beschert "Die Vermessung der Welt". Regisseur Detlev Buck hat den Bestseller des österreichischen Autors Daniel Kehlmann in 3D verfilmt. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Heute, Mittwoch, Abend findet im Wiener Village Cinema die Österreich-Premiere statt, kommende Woche (25.10.) startet der Film seinen regulären Kinoeinsatz. Wer Tom Tykwers Verfilmung von “Das Parfum” geliebt hat, wird auch diesen Film lieben. Wer die Leichtigkeit von Kehlmanns Roman geschätzt hat, eine klassische Entdeckergeschichte mit feinsinnigen wissenschaftlich-philosophischen Auseinandersetzungen zu verbinden, dürfte arg enttäuscht werden.

Detlev Buch setzt auf dickes, fettes, knalliges Kino. Die Welt, die der Naturforscher Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) bereist und katalogisiert, ist bunt, groß und voller Abenteuer. Dagegen müssen sich die Landvermessungsarbeiten, die der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) im heimatlichen Braunschweig zwischen Misthaufen und Gänsen unternimmt, vergleichsweise mickrig ausnehmen. Ein Ungleichgewicht, das den erzählerisch zwischen den beiden Protagonisten hin- und herpendelnden Film prägt.

Pralles, buntes Bilderbuch: “Die Vermessung der Welt” in 3D

Am Anfang und am Ende treffen die beiden gegensätzlichen Wissenschafter, von denen der eine der Welt von der Studierstube aus auf den Grund geht, der andere sie empirisch unter die Lupe nimmt, aufeinander – als talentierte, wissbegierige Buben, die das Glück allerhöchster Gunst und Förderung genießen, und als reife, ja greise Männer, deren Begegnung auf der Höhe ihres Ruhmes 1828 auf einem Kongress in Berlin zunächst zum Desaster zu werden droht. Beide Filmkapitel sind wunderbar gelungen.

Ansonsten hat man häufig das Gefühl, angesichts der Größe des Budgets und des Zwangs zum Blockbuster seien allzu viele Zugeständnisse gemacht worden. Für Kehlmann nicht wirklich schlimm – er konnte sich als Drehbuchautor seinem einstigen Thema ganz einfach von einer neuen Perspektive nähern: Bilderbuch statt geistvolle Prosa. Und er hatte sichtlich viel Spaß dabei, was nicht nur daran merkbar ist, dass er als Erzählstimme aus dem Off den Film mitträgt und auch einen geheimnisvollen Cameo-Auftritt absolviert. Es sei “in Ordnung, dass ein Film, der so viel kostet, auch eine gewisse Breite haben muss”, meinte er im APA-Interview und verweist auf Teilerfolge im Kampf gegen den Quotenzwang: “Das hat man ja nicht so häufig, dass man einen Blockbuster-Film dreht, in dem Immanuel Kant auftreten darf.”

Die Szene, in der Gauß auf den greisen Königsberger Philosophen trifft, ist tatsächlich einer der Höhepunkte des Films – auch wegen des feinen, zurückhaltenden Spiels von Peter Matic. Auch in den Spielstilen regieren harte Kontraste: Michael Maertens legt den Herzog von Braunschweig als aristokratischen Trottel an und überschreitet dabei spielend die Grenzen zur Outrage, wogegen Karl Markovics als strenger Lehrer das junge Mathe-Genie Gauß zwar züchtigt, doch gleichzeitig fördert – eine Ambivalenz, die dem Film oft abgeht. Auch zwischen Humboldt und seinem Reisegefährten Aimé Bonpland (Jeremy Kapone) ist die Aufteilung übertrieben strikt: Hier preußische Strenge, dort französisches Savoir-Vivre, hier Freikauf von Sklaven, dort Genuss von sexuellen Freiheiten.

Kameramann Slawomir Idziak sorgt für grandiose Bilder, die zwischen Zähneziehen im Urwald und einem in 3D besonders eindrucksvollen herzöglichen Törtchen-Buffet keine Wünsche offen lassen – außer dem nach mehr Reduktion, nach Enthaltsamkeit und Askese. “Die Vermessung der Welt” hinterlässt ein Gefühl der Übersättigung. In einem seiner Drehbuchentwürfe hatte Daniel Kehlmann einen gefakten, armseligen Low-Budget-Film vorgesehen, mit ins Bild hängenden Mikrofonen und herabstürzenden Scheinwerfern. Sehr sophisticated! Es wäre zwar sicher nicht der erfolgreichere, möglicherweise aber der stimmigere Film geworden.

(APA)

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