Die USA planen für Zeit nach dem Krieg

Die USA richten ihre Blicke bereits auf die Zeit nach einem siegreichen Feldzug im Irak. Die Erfahrungen nach dem Krieg gegen Deutschland und Japan spielen eine Rolle.

Getreu dem Motto „Zurück in die Zukunft“ spielen dabei die Erfahrungen in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg positiv wie negativ eine Schlüsselrolle. Das geht aus Medienberichten und Äußerungen von Regierungsbeamten hervor. Noch sind es Planspiele, die sich ändern können und von Präsident George W. Bush abgesegnet werden müssen. Hauptziel ist es, einen territorial intakten und nicht durch Einmischung von Nachbarn gefährdeten Irak aus der Asche des Krieges emporzuheben. Ein unabhängiges Kurdistan soll es auf Kosten des Landes nicht geben. „Die Regierung ist entschlossen, den Irak nicht auseinander brechen zu lassen, falls es zu einer militärischen Aktion kommt“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer.

Die Supermacht stellt sich auf eine längere Besatzungszeit ein, doch soll sie möglichst kürzer sein als in den geschlagenen Ländern Deutschland und Japan. Die Rede ist von mindestens 18 Monaten. Allerdings hängt alles davon ab, ob die Iraker die neuen Herren friedlich oder feindselig empfangen. US-Beamte betonten, dass im Irak das Chaos und die Rivalitäten vermieden werden sollten, die nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan an der Tagesordnung sind. Washington wolle auch die Kontrolle behalten, solange noch nach Massenvernichtungswaffen gesucht werde.

Ähnlich wie in Afghanistan gibt es im Land 150 bedeutende Stämme mit rund 2.000 kleineren Clans. 30 bis 35 dürften nach US-Annahme eine einflussreiche Rolle spielen – anfangs gewiss als Verbündete im Krieg, doch ist offen, ob später nicht alte Rivalitäten wieder aufbrechen und sich auch gegen die Besatzer richten könnten.

Die Bush-Regierung will im Irak keinen „Ersatz-Saddam“ das Zepter schwingen lassen, wie es einst General Douglas McArthur in Japan vorführte. Sie will nur die absoluten Spitzen des Saddam-Regimes vor Gericht stellen und viele andere nach dem Vorbild der Entnazifizierung in Deutschland in gute Demokraten verwandeln. Der mittleren Ebene von Beamten, Soldaten und Wissenschaftlern soll die Chance gegeben werden, sich durch Kooperation zu rehabilitieren.

Ein „großer Zampano“ in US-Uniform war in der ersten Planungsphase durchaus erwogen, doch dann wegen erwarteter heftiger Kritik aus dem arabischen Lager aufgegeben worden. Washington will nun dem Militärbefehlshaber einen zivilen Chefadministrator – möglicherweise von den Vereinten Nationen ernannt – zur Seite stellen. Zumindest in der Anfangsphase wird jedoch der Soldat aus Sicherheitsgründen der starke Mann sein.

Erst nach und nach soll die Macht nach dem jetzigen Planungsstand in irakische Hände zurückgegeben werden. Die Idee, sofort eine Übergangsregierung zu formen, wurde verworfen, weil die irakische Exil-Opposition und ihr Ansehen in der Bevölkerung sehr skeptisch eingeschätzt werden. Die Opposition arbeitet unterdessen an Plänen für eine föderalistische Regierung mit Vertretern aller ethnischen Gruppen. Der vorgesehene Kurs ist gleichbedeutend mit dem Eingeständnis Washingtons, dass seine bisherige Absage an eine direkte Beteiligung am Aufbau eines „neuen Landes“, das so genannte Nation building, der Wirklichkeit nicht standhält.

Die Bildung demokratischer Strukturen und die wirtschaftliche Gesundung des durch Krieg und Sanktionen zerrütteten Landes hängen entscheidend vom Ölreichtum des Irak ab. Der Schutz der Ölfelder während einer Invasion vor dem irakischen Regime, das eine Vernichtungs-Strategie der verbrannten Erde einschlagen könnte, ist nach Angaben von US-Außenminister Colin Powell daher vorrangig. Wie das Öl nach einem Sieg ausgebeutet werden kann, ohne das sorgsam ausgeklügelte Fördergleichgewicht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zu gefährden und gleichzeitig größten Nutzen zu haben, ist Gegenstand von Überlegungen.

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