Die Tops und Flops der EM

Die Tops und Flops der abgelaufenen zwölften Fußball-Europameisterschaft in Portugal.

TOPS:

Otto Rehhagel: „Rehakles“ führte die Griechen mit Fachwissen, Erfahrung und einer Portion Glück von einer Sensation zur nächsten und schließlich mit dem Titelgewinn zum wohl spektakulärsten Erfolg eines Außenseiters in der EM-Geschichte. Der 65-jährige Deutsche vermittelte deutsche Tugenden bei der Umsetzung seiner Strategie. Das griechische Chaos wurde in eine verschworene Einheit umgewandelt. Knallharte Manndeckung schien schon in der Mottenkiste verschwunden. Selten zuvor heiligten die Mittel so den Erfolg.

Luiz Felipe Scolari: Der brasilianische Weltmeister-Coach fand nach der Auftakt-Pleite gegen die Griechen die richtige Ansprache an seine Individualisten: Ohne Aufwand keine Lorbeeren. Die „Seleccao“ verzückte ihn und das Land gegen Spanien und England mit unbändiger Leidenschaft, Elfmeter-Glück und gegen die Niederlande auch mit spielerischer Klasse. Scolaris Geschick lag dazu im Austausch von Spielern: Fünf der acht Tore erzielten Joker.

Portugal: Gute Spiele, schöne Stadien, tolle Atmosphäre, wunderbare Gastgeber: Portugal zelebrierte eine EM ohne Makel, Experten sagen: „Die beste Endrunde aller Zeiten.“

Fans: Die farbenfrohen Anhänger sorgten in Portugal drei Wochen lang für Partystimmung. Ausschreitungen blieben Randerscheinungen.

Wayne Rooney: Die EM war „Waynes World“, bis er sich den Fuß brach und England im Elfmeterdrama gegen Portugal ausschied. Der stämmige Wunderknabe war 18 Jahre, 7 Monate und 24 Tage alt, als er mit seinem ersten von am Ende vier Turniertreffern als jüngster Torschütze der EM Geschichte schrieb. Der dreieinhalb Monate jüngere Schweizer Johann Vonlanthen löste ihn allerdings vier Tage später in dieser Rolle ab. „Roonaldos“ Marktwert stieg bereits ins Unermessliche:
Everton fordert für sein umworbenes Juwel 75 Millionen Euro.

Junge Generation: Neben Rooney spielten sich während der drei Wochen noch weitere junge Akteure ins Rampenlicht. Milan Baros (CZE/22) wurde mit fünf Toren Schützenkönig, Zlatan Ibrahimovic (22), der gegen Italien einen der spektakulärsten Treffer erzielte, könnte in die Fußstapfen seines schwedischen Sturmpartners Henrik Larsson treten, Cristiano Ronaldo (POR/19) verkörperter am besten das hohe Tempo gepaart mit Technik und Arjen Robben (NED/20) bescherte nicht nur Oranje viel „Flügel“-Freude.

Fernsehen: Das gefürchtete Sommerloch wurde mit vielen hochklassigen EM-Partien bestens gefüllt. TV-Sender quer durch Europa, so auch der ORF, durften sich über Top-Quoten freuen.

Attraktive Spiele: Niederlande – Tschechien (2:3 nach 2:0 in Gruppe D), Portugal – England (2:2 n.V, 6:5 im Elferschießen/Viertelfinale) und vielleicht Portugal- Niederlande (2:1/Semifinale) begeisterten nicht nur die Fans der siegreichen Mannschaften, sondern auch neutrale Zuschauer.

FLOPS:

Deutschland: Selbst in der Rubrik „deutsche Tugenden“ bekommt das DFB-Team von vielen anderen Nationen längst Anschauungsunterricht. 45 gute Minuten gegen die Niederlande reichten nicht: Konzeptlos, mutlos, stürmerlos, wie vor vier Jahren sieglos – und nun vorerst auch führungslos. Für eine erfolgreiche WM 2006 ist Krisenmanagement gefragt.

Francesco Totti: „Vielleicht liegt es an den Socken“, verteidigte Italiens Spielgestalter seinen schwachen Auftritt gegen Dänemark – und zog sich gleich selbst aus dem Verkehr. Als „Lama“ der EM bescherte er der ruhmreichen „Squadra Azzurra“ den Anfang vom Untergang. Seine Spuckattacke gegen Dänen Christian Poulsen brachte ihm drei Spiele Sperre ein. Italiens Edelkicker waren vorrangig mit hausgemachten Problemen und Presseschelte beschäftigt, fanden nie zu einem Team. Konsequenz: Giovanni Trapattoni musste gehen.

David Beckham: Zwei verschossene Elfmeter – der Starspieler wurde zur tragischen Figur. Erst vergab er gegen Frankreich (1:2) übereifrig das 2:0, dann spielte ihm im Shootout gegen Portugal eine Bodenwelle einen bösen Streich. Mangelnde Fitness erklären Intimkenner mit Problemen in seiner Ehe mit „Posh Spice“. Löffelbieger Uri Geller nahm unterdessen alle Schuld auf sich. Er habe versucht, positive Energie auszusenden, Beckham sei Opfer einer telepathischen Fehlsteuerung gewesen.

Zinedine Zidane: Die Geniestreiche des besten Fußballers der Welt werden seltener. Die große Spielergeneration des an Griechenland gescheiterten Titelverteidigers Frankreich erschien wie ein versinkender Stern. Zidane ging es so wie Beckham und anderen Stars von Real Madrid: Ein ermatteter Spielgestalter in einem ermatteten Team.

Schweiz: Auch die vermeintlich brave Schweiz hatte ihre Spuck-Affäre, stiftete den geständigen Alexander Frei angeblich nach seinem Speichelgruß im England-Spiel gegen Steven Gerrard aber zur Falschaussage vor der UEFA an. Fernsehsender enthüllten das. Frei wurde zunächst freigesprochen, dann bis zum EM-Ende gesperrt. Den Schweizer Verband erwartet noch ein Nachspiel.

Dick Advocaat: Der Trainer war nicht „Oranjes“ Liebling – und vor allem Patrick Kluivert packte am Ende der Zorn. Im häufig undurchschaubaren Personal-Puzzle des Bondscoaches spielte der Star des FC Barcelona keine Rolle und als einziger niederländischer Feldspieler keine EM-Minute. „Dafür klage ich den Trainer an“, schimpfte der 28-Jährige nach dem Halbfinal-K.o. Advocaats Mysterium blieb: Von einem Überangebot an Weltklassestürmern machte er nur bescheiden Gebrauch. Außerdem geriet er wegen der Auswechslung von Jungstar Robben beim 2:3 nach 2:0-Führung gegen Tschechien in die Kritik.

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