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Die Summe meiner einzelnen Teile - Trailer und Kritik zum Film

Die Psychose des Einzelnen als Zustandsbeschreibung der Gesellschaft: Österreichs Regieexport Hans Weingartner legt mit "Die Summe meiner einzelnen Teile" seinen vierten Langspielfilm vor - und flüchtet sich dabei in den Wald. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Sein Protagonist Martin Blunt fällt dank seiner Paranoia aus der bürgerlichen Gesellschaft und siedelt mit einem befreundeten Buben im idyllischen Gehölz. Weingartner hat in seinem neuen Werk den Kampf durch die Flucht ersetzt. Ab Freitag (30. März) ist die deutsche Produktion in den österreichischen Kinos zu sehen.

Die Summe meiner einzelnen Teile: Die Paranoia des Einzelnen

Martin (Peter Schneider) befand sich als Mathematiker auf Karrierekurs, war arriviert, liiert. Am Ende steht der Zusammenbruch und der Klinikaufenthalt, wie Weingartner in Rückblicken erahnen lässt. “Es geht vorwärts”, tönen die Phrasen der Aufmunterung von einer verständnislosen Umgebung. Nach der Entlassung aus der Psychiatrie folgt erst der wirkliche Absturz, der Rückzug in die Unterschichtskemenate in Berlin-Marzahn. Martins Paranoia nimmt zu, er landet schließlich auf der Straße und wird zu jemandem, der automatisch gedutzt wird. In einem Abbruchhaus lernt er schließlich den ukrainischen Buben Viktor (Timur Massold) kennen. Nach einer längeren Annäherungsphase via Wettrülpsen werden die beiden Freunde und landen schließlich im Wald. Dort beginnen sie ein Hüttenleben jenseits der Zahlenkolonnen und durchstreifen Wiesen und Felder. Das neoromantische Naturglück ist jedoch nur von kurzer Dauer, Sein und Schein verwischen.

Nach dem Sensationserfolg von “Die fetten Jahre sind vorbei” und dem weniger reüssierenden “Free Rainer” wendet sich der in Vorarlberg geborene Weingartner mit “Die Summe meiner einzelnen Teile” wieder jenem Thema zu, das seinen Erstling “Das weiße Rauschen” (2002) beherrschte: die Paranoia des Einzelnen. Zugleich transponiert der Regisseur die Einzelbiografie in einen gesellschaftlichen Kontext. Der Mathematiker als Sinnbild der Probleme der westlichen Gesellschaft, die Psychose als Folge der Mitleidslosigkeit der Umgebung.

Hatte Weingartner in seinen vorherigen Werken die Protagonisten noch gegen die Missstände ankämpfen lassen, ist nun der Ausstieg das Ziel, die einzig verbleibende Möglichkeit des bedrängten Individuums. Als Waldmensch wird der Freiheitsbegriff der Natur in der Romantik heraufbeschworen. Während die Stadt Berlin und ihr Speckgürtel stets im winterlichen Einheitsgrau erscheinen, wandeln sich im Wald die Farben, der Frühling hält Einzug.

Die herausragenden Leistungen bei “Die Summe meiner einzelnen Teile” erbringen die Schauspieler, allen voran der Leipziger Peter Schneider als labiler und sich doch stets auf der Suche nach Selbstbestimmung befindlicher Martin. Regisseur Weingartner und seinem Co-Autor Cüneyt Kaya gelingt hierbei über weite Strecken ein stimmiges Psychogramm. Leider konterkarieren sie dieses wiederholt durch ihren moralischen Impetus, stets auch die obligatorische Gesellschaftsanklage mit äußerst platten Charakteren zu transportieren. So muss der rücksichtslose Autofahrer, der Martin als Obdachlosen anfährt, der Aufsichtsratsvorsitzende einer Privatbank und ein entsprechend unsympathischer Zeitgenossen sein. Der kammerspielartige Zug der neuen Weingartner-Anklage wird so wiederholt aus dem Tritt gebracht.

(APA)
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