Die suggestive Macht der Sprache – ist Manipulation unfair?

„Man kann nicht nicht kommunizieren!" Dieser Spruch von Paul Watzlawick ist nahezu jedem bekannt und auch durchaus schlüssig. Doch kann man kommunizieren ohne zu manipulieren? Heute möchte ich Ihnen etwas über die suggestive Macht der Sprache erzählen.

Im Grund genommen möchten wir, wenn wir mit jemanden sprechen, immer etwas erreichen. Wir möchten eine bestimmte Antwort erhalten, eine Handlung einleiten, Bestätigung bekommen, einen Rat erhalten, etc… Der Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun hat festgestellt, dass in jeder Botschaft auch ein Appell steckt. Deshalb glaube ich, dass wir nicht kommunizieren können ohne gleichzeitig zu manipulieren. Gegen wohlgemeinte Manipulation ist meiner Ansicht nach auch nichts einzuwenden, doch wie sieht es aus, wenn uns jemand damit schaden möchte – oder uns dazu bringen möchte, etwas zu tun, dass uns vielleicht schadet?

Was bedeutet die „suggestive Kraft der Sprache” überhaupt? Suggestive Sprache finden wir in der Politik, der Werbung und im Verkauf. Denken Sie wirklich, dass ein bestimmtes Waschmittel das Rot Ihrer Bluse oder Ihres Hemdes besonders strahlen lässt? Glauben Sie wirklich, die Entscheidung für den Kauf eines bestimmten Autos sei eine rationale? Vielleicht denken Sie jetzt „bei mir funktioniert das sicherlich nicht” – aber seien Sie ehrlich und machen Sie zum Beispiel einen Blick in Ihr Badezimmer. Warum kaufen Sie ausgerechnet die Produkte, die Sie dort vorfinden?

Es ist ihre eigene Entscheidung, ob Sie diesen Text weiterlesen, ich bin aber sicher Sie tun es, denn ich habe Sie bereits manipuliert. Ich habe Sie neugierig gemacht, sie möchten wissen, wie Sie mit Sprache manipuliert werden und dies auch selbst tun können – ich habe ein Bedürfnis bei Ihnen geweckt. Bei der suggestiven Sprache unterscheiden wir zwischen indirekter Suggestion, versteckten Befehlen und Vorannahmen.

Der versteckte Befehl

Bei einer Suggestion ist eine direkte Aufforderung eher kontraproduktiv – es geht in erster Linie darum, keinen Widerstand bei Ihnen auszulösen. Es geht darum, Forderungen geschickt zu verpacken. Wenn ich von einem Kollegen oder Mitarbeiter möchte, dass er pünktlicher ist, wird es wenig bringen, ihm Unpünktlichkeit vorzuwerfen. Sage ich aber „Wow, es ist toll, wenn alle so pünktlich kommen, so ist der reibungslose Ablauf unseres Projektes sichergestellt – und das vor versammelter Mannschaft, wird der Kollege automatisch den Druck haben, künftig pünktlich zu kommen, da er Lorbeeren erhalten hat, die ihm eigentlich nicht zustehen. Das ist nur ein Beispiel für die suggestive Macht der Sprache.

Die indirekte Suggestion

Oft formulieren wir Feststellungen als Fragen und vermeiden die direkte Aufforderung. Wenn ich in diesem Text frage „Was bedeutet die „suggestive Kraft der Sprache” überhaupt?”, fordere ich Sie eigentlich dazu auf, diesen Text zu lesen und sich für diese überaus spannende Thematik zu interessieren. Würde ich einfach sagen „Interessieren Sie sich bitte für diesen Kommentar” – könnte ich Wiederstand bei Ihnen auslösen. Fragen, die eigentlich keine sind, sind also indirekte Suggestionen. Die Frage soll Sie nur ablenken und in ihrem Gehirn einen Prozess in Gang setzen.

Wichtig an der Formulierung von versteckten Befehlen ist, dass ich sie positiv – im Sinne dessen, was getan werden soll – formulieren muss, denn unser Unterbewusstsein kennt keine Verneinungen.

Die Vorannahme

Auch Sie können zum Überzeugungskünstler werden, wenn Sie sich mit der suggestiven Macht der Sprache auseinandersetzen – ups, das war schon wieder eine Manipulation, nämlich die Vorannahme. Hier unterstelle ich im Vorhinein etwas, das Sie selbst gar nicht entschieden haben. Vorannahmen werden rhetorisch z.B. wie folgt eingebaut: „Wie Sie sicher wissen”, „Sie haben bestimmt schon einmal erlebt”, etc. Jeder wünscht sich, erfolgreich zu sein, der Mensch ist ein intentionales Wesen, und ich bestätige Sie hier in dem Glauben, dass Sie die Gabe haben, zum Überzeugungskünstler zu werden.

Sprache ist fast immer manipulativ

Sie sehen also, es ist gar nicht einfach, zu sprechen, ohne dabei zu manipulieren. Alleine der Wunsch, dass unsere Ideen und Vorstellungen von anderen übernommen werden, sorgt dafür, dass wir manipulieren – dieser Wunsch ist schließlich schon im Wunsch der Sprache verborgen. Schon viele Philosophen haben erkannt, dass der Sinn der Sprache die Beantwortung und Bestätigung unseres Seins ist. Wer mit anderen kommuniziert, will angenommen werden. Wer eine Überzeugung hat, will dass andere diese Überzeugung teilen oder übernehmen.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen mit diesem Artikel einen Denkanstoß geben konnte und Sie sich ja vielleicht künftig mehr mit diesem hochspannenden Thema auseinandersetzen!

Stimmige Grüße,
Petra Falk

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