Die süße Gier - Trailer und Kritik zum Film

"Il capitale umano" hieß der erfolgreichste italienische Film des vergangenen Jahres. Paolo Virzis in der Lombardei angesiedelte Sozialsatire um den Aufstiegstraum eines kleinen Immobilienmaklers wurde sogar für den Auslandsoscar eingereicht.

Doch der am Freitag in Österreich unter dem Titel “Die süße Gier” startende Film ist ziemlich konventionell gemacht.

Die süße Gier – Geschichte

Der Film, Adaption eines zehn Jahre alten Romans von US-Autor Stephen Amidon (“Der Sündenfall”), besticht vor allem durch die Performance von Valeria Bruni Tedeschi. Die Schwester von Carla Bruni spielt (wohl eine kleine Spitze) Carla, die schöne Gattin des auf großem Fuß lebenden Finanzjongleurs Giovanni Bernaschi (Fabrizio Gifuni). Unausgelastet und vom blasierten Nichtstun angeödet, versucht sich die Ex-Schauspielerin als Kulturaktivistin und möchte einem von ihrem Mann als Immobilie erworbenem alten Theater neues kulturelles Leben einzuhauchen – kleine Affäre mit ihrem künstlerischen Direktor (Luigi Lo Cascio) inklusive.

Das eigentliche Drama spielt sich jedoch in ihrer unmittelbaren Umgebung ab: Die Liaison seiner Tochter Serena (Matilde Gioli) mit dem blasierten Bernaschi-Sohn Massimiliano spült den kleinen, ehrgeizigen Immobilienmakler Dino Ossola (Fabrizio Bentivoglio) plötzlich in den Dunstkreis der Reichen und Schönen. Plötzlich sieht er sich als Tennispartner akzeptiert und verkehrt in einer Welt voller Geld und Luxus. Dort gehört er auch hin, ist er überzeugt, und riskiert, sich ohne Wissen seiner schwangeren Lebensgefährtin und seiner Geschäftspartner massiv zu verschulden, um sich in einen von Bernaschis Investmentfonds einzukaufen. Doch die Welt der Wirtschaft ist unberechenbar, und mit einem Mal droht beiden der Ruin – dem reichen Spekulanten und dem Möchtegern-Aufsteiger. Beide beginnen zu kämpfen.

Die süße Gier – Kritik

Doch statt “Die süße Gier” genüsslich zu einer bösen Komödie über menschliche Schwächen zu vertiefen, schwenkt der Film in einen konventionellen Kriminalfall, der aus verschiedenen Perspektiven aufgearbeitet wird: Hat der junge Bernaschi auf der Heimfahrt von einer Schulparty betrunken einen Fahrradfahrer überfahren und getötet? Was weiß seine (Ex-)Freundin davon? Und wie lässt sich aus der kriminellen Affäre möglicherweise privat profitieren? Der schwer angeschlagene, nicht nur um seine Träume geprellte, sondern in seiner ganzen Existenz bedrohte Immobilienmakler wittert seine Chance, wird vom schleimenden Schoßhund zum bissigen Terrier und sorgt für eine unerwartete Wendung.

“Die süße Gier” stößt nicht gerade sauer auf, doch letztlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, sie wäre als Fernsehkrimi besser aufgehoben als auf der großen Leinwand. Valeria Bruni Tedeschi zuzusehen ist im Großformat allerdings natürlich der größere Genuss. Carlas Theaterprojekt geht freilich dennoch den Bach runter.

Das “Humankapital” des Originaltitels beschreibt übrigens den Versicherungswert eines Menschen, der aus seiner Lebenserwartung, seinem voraussichtlichen Lebenseinkommen und der Dichte seines sozialen Netzwerks berechnet wird. Bittere Realität statt süße Gier.

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(APA)

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