Die Südbahn feiert ihr 150-jähriges Bestehen

Vor 151 Jahren war Triest von Wien unglaublich weit entfernt. Tagesreisen mit der Kutsche beinhalteten holprige Wege, durchgerüttelte Reisende, abenteuerliche Gefälle und Steigungen, ermattete Gäule.

Am 27. Juli 1857 hatte das Leiden für alle ein Ende: Die Südbahn wurde eröffnet. Eineinhalb Jahrhunderte später kann man zwar in weniger als 24 Stunden Australien erreichen, doch die Schienenverbindung Wien-Graz-Laibach-Triest hat ihre Bedeutung immer noch nicht eingebüßt. Vier Geburtstagsfeste zollen diesem Umstand ausgiebig Tribut.

Aus Mürzzuschlag, einer Stadt mit großer Eisenbahntradition und dementsprechend vielen besterhaltenen Reminiszenzen aus einer längst vergangenen Zeit, kam die Idee zu einer Vierfachfeier. Zusammen mit Strasshof, das zwar an der Nordbahn liegt, aber mit seinem riesigen Lok-Museum namens „Heizhaus“ für Feste dieser Art geradezu prädestiniert ist, Reichenau an der Rax und Lieboch im Südwesten von Graz wurde alles, was nur irgendwie mit der Südbahn zu tun hat, ausgegraben, aufpoliert und ausgestellt.

In Strasshof, wo sowieso die ältesten, seltensten, größten und kleinsten Dampfloks der Eisenbahnhistorie versammelt sind, läuft die Geburtstagsfeier bereits seit 1. April. Am 17. Mai folgt Lieboch, wo im dortigen „TEML“, dem Technischen Eisenbahn Museum im toll restaurierten Heizhaus, sogar ein Baujahr 1860 zu bestaunen sein wird. Lieboch liegt ebenfalls nicht an der Südbahn, sondern gehört der Strecke Graz-Köflach an, die einst ein paar Jahre Teil der privaten Südbahn-Gesellschaft war.

Zehn Tage später, am 27. Mai, geht’s in Reichenau an der Rax weiter. Die legendäre K.u.K.-Sommerfrische erlebte durch den Anschluss an die Südbahn einen ungeahnten Aufschwung, Maler, Literaten, Ärzte und die noble Gesellschaft mit blauem Blute schnappten mit Vorliebe in Reichenau Alpenluft. Eine Ausstellung im Schloss soll genau diese gesellschaftlichen Aspekte beleuchten, widmet sich aber auch den revolutionären Viadukt-Bauten Karl Ritter von Ghegas.

Am 10. Juni werden in Mürzzuschlag die Geburtstagskerzen angezündet. Im denkmalgeschützten Lokomotiv-Rundschuppen warten auf etwa 2.200 Quadratmetern historische Südbahn-Loks und die größte österreichische Draisinen- und Motorbahnwagensammlung auf ihre Fans. Unter all den Schienenvehikeln wird sich auch die “671“ tummeln, ihres Zeichens dienstälteste Dampflok der Welt.

Chef-Koordinator der vier Sonderausstellungen ist das Österreichische Staatsarchiv. Aus den Tiefen seiner Sammlungen wurden bedeutsame Schriftstücke, seltene Aufnahmen, Pläne und Landkarten zu Tage gefördert, die das historische Unterfutter lieferten. Übrigens: Vor 150 Jahren dauerte die Zugfahrt von Wien nach Triest exakt 13 Stunden und 4 Minuten.

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