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Die schönen Tage von Aranjuez - Trailer und Kritik zum Film

Ein perfekter Tag beginnt mit Lou Reed, findet seinen Höhepunkt in Nick Caves "Into My Arms" und löst sich mit Gus Blacks "The World Is On Fire" auf. So hat es sich zumindest Wim Wenders gedacht, der Peter Handkes Stück "Die schönen Tage von Aranjuez" in 3D verfilmt hat und somit bereits zum fünften Mal mit dem österreichischen Autor zusammenarbeitet.

Im Jahr 2012 von Luc Bondy im Rahmen der Wiener Festwochen uraufgeführt, widmet sich Handke in seinem “Sommerdialog” zwischen “der Frau” und “dem Mann” den großen Themen schlechthin: Das auf Französisch geschriebene (und auch so von Wenders verfilmte) Werk ist eine Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern, eine Fragestunde zu Theorie und Praxis des Zusammenlebens, Steinbruch voller gelehrter historischer und kultureller Zitate, Ausbreitung von Natur-Betrachtungen, kleine Menschheitsgeschichte, Märchenstunde und Poetik-Vorlesung. Wenders inszeniert den Text als solchen, ohne auf spektakuläre Effekte zu setzen.

Allein mit der Einführung der Figur eines Autors, der in seinem französischen Landhaus in Ile de France sitzt und durch das Fenster in seinen zunächst leeren Garten blickt, in dem die Figuren langsam auftauchen, hat Wenders einen radikalen, aber schlüssigen Eingriff vorgenommen. Der auf Deutsch denkende Autor (Jens Harzer) tippt die ersten Zeilen in seine alte Schreibmaschine, steht immer wieder auf, drückt auf seiner Jukebox (man denke an Handkes Essay “Versuch über die Jukebox”) herum und entspinnt jenen Dialog, den die Schauspieler Reda Kateb und Sophie Semin, mit der Handke verheiratet ist, zu führen haben und ihn über die folgenden 97 Minuten lediglich dann und wann unterbrechen, um dem Wind zu lauschen.

Die schönen Tage von Aranjuez – Die Handlung und Kritik

“Das erste Mal, du mit einem Mann, wie ist das gewesen?”, beginnt der Dialog der beiden, der mehr aus den hartnäckigen Fragen des Mannes besteht und sich selten als echtes Gespräch entfaltet. Erinnerungen werden heraufbeschworen, das Verhältnis der Geschlechter wird ausgelotet, der artifizielle Charakter der Situation immer wieder angesprochen: “Solche Wörter, sie waren hier nicht gedacht”, heißt es da, oder: “War’s denn nicht gedacht: Keine Handlung – nichts als Dialog!?” Kameramann Benoit Debit umkreist dabei die beiden Protagonisten, reißt sie in einen sanften Strudel, nur um dann wieder in Close-ups oder weiten Perspektiven der Sommerlandschaft für Entschleunigung zu sorgen. In den Erinnerungen der beiden Protagonisten konkretisiert sich jeweils nur ein Ort: Eine Hütte in einer verlassenen Saline, in dem sich zwischen der Frau und ihrem ersten Liebhaber zum ersten Mal “Gottes Willen erfüllt” hat, und ein vom Mann in Aranjuez, der ehemaligen Sommerresidenz der spanischen Könige südlich von Madrid, aufgesuchtes “Haus des Landarbeiters”, das sich als veritables Schloss entpuppte.

Einen kleinen Gastauftritt hat der Dichter Handke selbst, der derzeit auch in der Doku “Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…” von Corinna Belz im Kino zu erleben ist. Deutlich länger im Bild ist auch ein Mann, dessen Musik sich aus der Jukebox materialisiert und auf einem Flügel im alten Haus erklingt: Nick Cave. Sein Auftritt passt zur träumerischen Atmosphäre dieses Sommertags, den Wim Wenders in nur zehn Drehtagen auf Film gebannt hat und der bereits bei den Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung feierte. Nun kommt er für Handke- und Wenders-Fans in die Kinos. Und für alle, die es nicht sind, ist es dennoch eine Möglichkeit, den sonstigen 3D-Blockbustern zu entkommen und sich für eineinhalb Stunden auf etwas einzulassen, das sowohl im Kino als auch am Theater oft zu kurz kommt: den Dialog ohne alles.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Die schönen Tage von Aranjuez”

(APA)

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