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Die New Yorker und die Mode

Auf der New Yorker Modewoche geht es freizügig zu: Knapp geschnittene Höschen, durchsichtige Blusen mit oder ohne BH getragen, bauchfrei bis zum Anschlag. |

Beim Thema Mode zeigen sich Amerikaner gerne uniform. Da mag Supermodel Naomi Campbell während der New Yorker Modewoche im pinken Baby-Doll-Kleidchen den Laufsteg entlang stolzieren, Alek Wek Hutkreationen präsentieren, die an Antennen von Marsmenschen erinnern, und Heidi Klum sich in die kurzen Goldkleidchen des Labels Imitation of Christ hüllen: Draußen auf den Straßen der Metropole New York sind kreative Mischungen selten zu entdecken.

Eine Kolumnistin stellte jüngst kategorisch fest: „Amerika ist ein Land ohne Geschmack.“ Eine Nation, der Aussehen über alles geht, folgt lieber dem jeweiligen Modediktat, als eine eigene modische Meinung zu wagen. Das gilt sowohl für die billigen T-Shirts von Gap als auch für das jüngste Prada-Outfit für mehrere hundert Dollar. Nur nicht unangenehm auffallen, scheint die Devise.

Das bemerkt auch der deutsche Designer Wolfgang Joop missmutig, wenn er sich in seinem Penthouse in New York aufhält. „Das kosmopolite New York ist eine Illusion. Alle bleiben in ihrem Getto unter sich, und pro Stadtteil gibt es auch nur einen Kleidungsstil. In New York sieht man erschreckend hässliche Sachen. Manche Leute sehen aus, als hätten sie sich ihre Kleider aus der Reinigung ausgeliehen“, sagte Joop vor kurzem in einem Gespräch mit der dpa in New York. Seiner Meinung nach ist Berlin modisch sehr viel anregender und lebhafter als Manhattan.

In dem jüngst erschienen Buch „Fashion Victim“ (etwa: der Mode zum Opfer gefallen) hat Autorin Michelle Lee den amerikanischen „Mode-Masochismus“ minutiös seziert. Ein „Fashion Victim“ ist ihrer Definition nach jemand, der einem Trend sklavisch folgt, selbst wenn dieser eigentlich nicht zum eigenen Typ passt. Davon kann sich fast keiner ganz frei machen, das ist Teil des Systems. Lee, die früher selbst bei Modemagazinen gearbeitet hat, zitiert Designer Ralph Lauren: „Ich entwerfe keine Kleider. Ich entwerfe Träume.“ Das heißt, wer sich ein bestimmtes Kleidungsstück kauft, kauft sich eine Gesinnung dazu. Zum Beispiel die Coolness einer Jean, die aussieht, als hätte sie bereits mehrere Sommer auf der Ranch hinter sich, dafür aber 230 Dollar (206 Euro) kostet, versteht sich.

Die amerikanische Presse hilft kräftig mit, kaum Individualität aufkommen zu lassen. Die selbst ernannte Mode-Polizei nimmt Jahr für Jahr die Auftritte der Prominenz auf dem roten Teppich auseinander, bei denen Stil und Designer mindestens genauso wichtig sind wie Preise und Partys. Demi Moore machte vor Jahren einmal den Fehler, in einer eng anliegenden, aber edlen Radlerhose aufzutauchen. Das wird ihr bis heute nicht verziehen. Gerade hat das Magazin „People“ wieder eine Liste mit den am schlechtesten angezogenen Stars veröffentlicht, zu denen diesmal die Popstars Britney Spears, Mariah Carey und Courtney Love gehören.

Auf der New Yorker Modewoche geht es dieses Jahr freizügig zu:
knapp geschnittene Höschen, durchsichtige Blusen mit oder ohne BH getragen, bauchfrei bis zum Anschlag. Was dort bewundert wird, scheint für die Straßen New Yorks tabu zu sein. Wer sicher gehen will, nicht ins Visier der Mode-Polizei zu geraten, kauft sich T-Shirt und Jeans. Oder die neueste Handtasche von Yves Saint Laurent. Die gibt es allerdings in Chinatown als Raubkopie schon für 20 Dollar und sieht genauso aus. Das reicht, um nicht aufzufallen.

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