Die Hintergründe zum Capitals-Fanprotest

Nach der 39. Runde der Erste Bank Eishockey Liga stehen die Vienna Capitals auf Rang vier in der Tabelle. Die von Verletzungen geplagte Truppe von Headcoach Kevin Gaudet besiegte im letzten Heimspiel die Graz 99ers mit 4:1. Für Diskussionen sorgt jedoch ein Fanprotest.
Bilder vom Spiel gegen Graz

„Wir wollen vier Linien und Leistungsprinzip für alle“

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Vienna Capitals wurden die beiden Fansektoren geräumt. In Spruchbändern forderten die großen Fanclubs eine Chance für junge Spieler. Weiters wurden Versprechungen (Stichwort: Vier-Linien-System) von Trainer Gaudet eingefordert. In einer Erklärung auf der Homepage des Fanclubs Icefire wird darauf verwiesen, dass heuer (ähnlich wie in den Jahren zuvor) die Starspieler bereits im Grunddurchgang überdurchschnittlich intensiv eingesetzt werden würden.

„Mit bangen Gefühlen blicken die Caps-Fans angesichts dieser Entwicklung wieder Richtung Play-offs, da auch hier wieder jene Vereine im Vorteil sein werden, die über die Grunddurchgangssaison auf durchgängige 4-Linien-Konzepte setzten“, lässt der Fanklub verlauten.

Im Gespräch mit Sportreport.at detailliert Florian Friedl vom Fanclub Icefire die Gründe für den Protest. „Die Parallelen zum Vorjahr sind selbst für Außenstehende extrem deutlich zu sehen. Jetzt wo die Capitals leider viele verletzte Spieler zu beklagen haben, muss Trainer Gaudet auf junge einheimische Spieler setzen. Sie tragen im Moment unser Spiel und führen die Mannschaft mit starken kämpferischen Leistungen zum Sieg.

Sie werden auch berechtigt gelobt. Wenn jedoch die verletzten Spieler zurückkommen geht das ‚System Gaudet’ weiter. Dann spielen wir über 40 Minuten wieder mit zweieinhalb Linien“, sagt Friedl. „In den Schlüsselszenen stehen in der Regel dieselben Spieler auf dem Eis. Egal wie die Leistung im Spiel war. Das widerspricht den Grundgesetzen des Sports. Wir wollen wieder das Leistungsprinzip sehen. Die Mannschaft hat uns gegen Graz begeistert. Der Protest hat sich definitiv nicht gegen die Mannschaft gerichtet sondern sollte die derzeitige Situation aufzeigen“, so Friedl weiter.

Capitals von Fanprotest überrascht

Sichtbar überrascht wurden die Capitals-Verantwortlichen vom Unmut des eigenen Anhangs. Capitals-Präsident Hans Schmid zu den Fanprotesten: „Ich verstehe den Zeitpunkt des Protests nicht. Wir hatten heute zwölf junge Österreicher im Kader – daher sind die Spruchbänder für mich nicht nachvollziehbar. Wahrscheinlich haben die Fanklubs gedacht, dass wir ähnlich wie in Linz junge Österreicher gegen einen Legionär eintauschen.

Das wird aber definitiv nicht der Fall sein“, erklärt Schmid. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Fanklubs – wir führen laufend Gespräche mit ihnen. Das wird auch in dieser Causa der Fall sein“, so Schmid weiter.

Capitals Trainer Kevin Gaudet reagierte nachdem dem Spiel sichtlich betroffen. „Dieser Protest trifft mich persönlich. Momentan kommt jeder Spieler zum Einsatz der gesund ist. Daher kann ich den Zeitpunkt nicht verstehen. Anscheinend haben mir viele die Niederlage in den Play-offs gegen Linz nicht verziehen“, so Gaudet.

Quo vadis Vienna Capitals?

Durch den Protest der Fanclubs im Spiel gegen Graz kam Unruhe bei den Capitals auf. In den kommenden Tagen werden wohl einige Gespräche auf dem Programm stehen. Wie sensibel die Situation für die Capitals ist, bewies der Umstand, dass die Zuschauer den Fanprotest mit Applaus honorierten.

In der Regel wird behauptet, dass sportlicher Erfolg die Emotionen kühlt. Ob dieses Rezept  den Capitals in diesem Fall hilft?

Thomas Muck

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