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Die Highlights des Literaturjahres 2018

Das Literaturjahr 2018 hat viele Highlights zu bieten.
Das Literaturjahr 2018 hat viele Highlights zu bieten. ©Pixabay.com (Sujet)
Das Literaturjahr 2018 hat mit Buchmessen, Neuerscheinungen und dem Bachmann-Preis einiges zu bieten. In diesem Jahr erscheinen "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger und "Die kommenden Jahre" von Norbert Gstrein.

Wer sich früh Longlistkandidaten des österreichischen Buchpreises nähern möchte, kann bald Novitäten von Arno Geiger (“Unter der Drachenwand”), Norbert Gstrein (“Die kommende Jahre”) und Hans Platzgumer (“Drei Sekunden jetzt”) studieren. Nachfolgend völlig subjektiv gewählte Highlights und Geheimtipps.

Drei Tops aus der Welt der Literatur 2018

“Die Ermordung des Commendatore” von Haruki Murakami, DuMont

Im Herbst dürfte er wie im Vorjahr bei den Buchmachern unter den Favoriten auf den Literaturnobelpreis wieder ganz oben rangieren: Haruki Murakami. Die deutsche Gesamtauflage der Werke des japanischen Großmeisters des magischen Realismus beträgt über sechs Millionen Exemplare. Heuer dürften einige hunderttausend Stück dazukommen. Der DuMont Verlag bringt Ursula Gräfes deutsche Übersetzung seines jüngsten Romans “Die Ermordung des Commendatore” in zwei Teilen: “Eine Idee tritt auf” erscheint am 22. Jänner, “Eine Metapher wandelt sich” am 16. April. Der Held des 1.000-seitigen Buches, das in Japan Furore machte, ist ein namenloser junger Maler, der den Auftrag erhält, das Porträt eines geheimnisvollen, steinreichen Mannes anzufertigen. Mitten in einer Schaffenskrise entdeckt er auf dem Dachboden ein meisterhaftes Gemälde. Es trägt den (auf “Don Giovanni” anspielenden) Titel “Die Ermordung des Commendatore”. Plötzlich geschehen merkwürdige Dinge…

“Rotes Licht” von Maxim Kantor, Zsolnay

Als ein epochales Russland-Porträt kündigt der Zsolnay Verlag den am 29. Jänner erscheinenden Roman “Rotes Licht” des 1957 in Moskau geborenen und heute in Berlin, Oxford und auf der Ile de Re lebenden Künstlers Maxim Kantor an. Das Zeitenpanorama des vergangenen Jahrhunderts führt von der russischen Revolution bis zum Ende der UdSSR, vom Aufstieg Hitlers bis zur Annexion der Krim. Ausgehend von dem in einem Moskauer Vorstadtkrankenhaus liegenden betagten Historiker Solomon Richter lässt Kantor in seinem 700-seitigen Kriegs- und Schelmenroman drei Generationen Revue passieren, in denen sich das dramatische Auf und Ab der Geschichte widerspiegeln. Als offenbar unsterbliche Mephisto-Figur kommentiert Ernst Hanfstaengl, einer von Hitlers frühen Förderern, das Geschehen. Im Februar ist Kantor Visiting Fellow am IWM in Wien, am 19. Februar stellt er sein Buch in der Alten Schmiede vor. Im Oktober werden in der Gemäldegalerie der Akademie – als Ergänzung und Kontrast zu Hieronymus Boschs “Weltgericht” – erstmals Werke von ihm in Wien zu sehen sein.

“Bot” von Clemens J. Setz, Suhrkamp

Clemens J. Setz, mittlerweile 35-jähriger Ex-Jungstar der österreichischen Literatur aus der Genieecke Graz, hat nicht nur eine neue Frisur- bzw. Barttracht. Am 12. Februar erscheint sein neues Buch, und was der Suhrkamp Verlag über “Bot. Gespräch ohne Autor” verlauten lässt, verheißt Persönliches wie Herausforderndes gleichermaßen: “Sie sollen Auskunft geben über Ihre Interessen und intellektuellen Vorlieben, über die Voraussetzungen und Hintergründe, über Motive und Themen Ihres umfangreichen Werks. Stellen Sie sich vor, Ihnen fällt nichts ein, gar nichts, sosehr Sie sich auch bemühen. Dann muss eben jemand anderer über Sie erzählen.” Setz lässt “eine Art künstliche Intelligenz, sein Millionen von Zeichen umfassendes elektronisches Tagebuch – die ausgelagerte Seele des Autors, mit anderen Worten: ein Clemens-Setz-Bot” über sich Auskunft geben. “Und was der Befragte selbst im mündlichen Gespräch nicht zu verbalisieren vermochte, gibt das Werk allein, völlig losgelöst von seinem Autor, in verblüffender Offenheit preis.”

Vier Tipps zum Literaturjahr 2018

“Das Birnenfeld” von Nana Ekvtimishvili, Suhrkamp

Wer sich auf das diesjährige Buchmesse-Schwerpunktland Georgien lesend vorbereiten will, dem sei die 2014 auf Deutsch erschienene und mittlerweile auch fürs Theater adaptierte 1.300-seitige und über sechs Generationen führende Familiensaga “Das achte Leben (für Brilka)” von Nino Haratischwili ans Herz gelegt. Am 4. Juli erscheint dann ein wesentlich dünnerer Roman, der laut Ankündigung den “rebellischen Mädchen und Frauen in der georgischen Gesellschaft Gesicht und Stimme gibt”: “Das Birnenfeld” spielt in einem Internat für geistig behinderte Kinder in Tbilisi, einem Relikt aus Sowjetzeiten, das in Wahrheit ein Aufbewahrungsort von im Stich gelassenen Kindern ist. Auch die Biografie der 1978 in Tbilisi geborenen Autorin Nana Ektvimishvili liest sich spannend: Sie studierte an der Filmhochschule Babelsberg und drehte mit ihrem Mann Simon Groß zwei vielfach preisgekrönte Filme: “Die langen hellen Tage” (der georgische Auslandsoscar-Beitrag 2014) und “Meine glückliche Familie” (2017). Sie lebt in Berlin und in Tbilisi und betreibt gemeinsam mit ihrem Mann mehrere Eissalons in ihrer Heimat.

“Das Leben des Vernon Subutex 2” von Virginie Despentes, Kiepenheuer & Witsch

Für ihre Romantrilogie um den Outsider Vernon Subutex, als Besitzer eines angesagten Plattengeschäfts letzter Held der Ära von Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll, doch in der modernen Zeit zunehmend verloren und schließlich pleite, ist die französische Autorin und Filmemacherin Virginie Despentes (ihre eigene Verfilmung ihres Debütromans “Baise-moi” machte Skandal) bereits als neuer, weiblicher Balzac gefeiert worden. Der am 15. Februar auf Deutsch erscheinende zweite Teil des brillanten Gesellschaftspanoramas aus dem Frankreich von heute setzt dort ein, wo der erste aufgehört hat: “Vernon Subutex ist obdachlos und lebt auf einer Parkbank in den Buttes Chaumont. Während andere Obdachlose, die er dort kennenlernt, ihm helfen, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden, machen sich seine Freunde Sorgen um ihn. Sie halten Kontakt über Facebook und haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um nach Vernon zu suchen…” “Vernon Subutex” (den Nachnamen ihres Helden hat Despentes von einer Ersatzdroge der Therapie von Heroin-Abhängigkeit) soll in Frankreich noch heuer als TV-Serie von Canal+ ausgestrahlt werden.

“Schwere Knochen” von David Schalko, Kiepenheuer & Witsch

Im Herbst überraschte der Autor und Regisseur David Schalko, dessen TV-Serien “Braunschlag” und “Altes Geld” heimische Fernsehgeschichte schrieben, als Einspringer bei der Nestroy-Gala mit einer kritischen, ebenso politischen wie pointierten Rede. Am 12. April erscheint sein vierter Roman. “Schwere Knochen” ist als Verbrecherepos angekündigt, als “Roman über die österreichische Nachkriegsgesellschaft”. Im Mittelpunkt steht eine Verbrecherbande, die als Kapos in den KZs Dachau und Mauthausen durch die denkbar grausamste Schule der Entmenschlichung gegangen ist. Dabei entsteht “ein faszinierender Einblick in das Innere von Menschen, deren Seelen durch den Nationalsozialismus zerstört wurden”.

“Buch der Zahlen” von Joshua Cohen, Schöffling & Co

Als Nachwuchsstar der US-Literatur wird der 37-jährige Joshua Cohen gefeiert, der zunächst Komposition studierte, ehe er sich der Literatur zuwandte. Sein 750 Seiten starkes “Buch der Zahlen”, das am 23. Jänner auf Deutsch erscheint, “liest sich, als hätte jemand die Werke von Philip Roth zusammen mit denen von David Foster Wallace in einen Teilchenbeschleuniger geschossen”, schrieb die “New York Times”. Wer eine Ahnung davon bekommen möchte, warum die NYT diese Mischung aus Autobiografie, Familiengeschichte, Silicon-Valley-Historie, Thriller und Sexkomödie als “The Great American Internet Novel” bezeichnet hat, liest am besten Cohens im Herbst gehaltene Antrittsvorlesung als Samuel-Fischer-Gastprofessor der FU Berlin, in der er sich unter dem Titel “Wir Wikinger” mit dem Schicksal von Menschen und Texten im Zeitalter weltumspannender digitaler Kreation und Manipulation beschäftigt: “Heute sind wir nur noch Figuren und agieren die Rollen unserer Leben aus, damit unsere Betreuer bei den Geheimdiensten sie lesen und umschreiben können, aber ‘postmodern’ wird unser Dilemma dadurch, dass wir es wissen.”

APA/Red.

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