Die Grünen: Maria Vassilakou im Vienna Online-Interview

Vienna Online traf die Spitzenkandidatin der Grünen Maria Vassilakou zum exklusiven Talk: Neun Fragen rund um Wien, die Wahl und ihre wichtigsten Anliegen.
Bilder von Maria Vassilakou

1) Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Wienthemen, die Sie nach Ihrem Wahlsieg in Angriff nehmen würden?

Vassilakou: Im Bereich der Energieversorgung muss Wien neue Wege beschreiten. Es ist möglich, dass Wien bis 2020 unabhängig von teuren Stromimporten wird. Die Grünen stehen für eine Umstellung der Energieversorgung auf nachhaltige und umweltverträgliche Energiequellen wie Windkraft oder Solarenergie. Damit schaffen wir neben einer sicheren Stromversorgung tausende neue Arbeitsplätze, bei uns in Wien. Für den Verkehrsbereich schlagen wir eine massive Reduktion der Fahrpreise vor: 100 Euro Jahreskarte, 10 Euro Montagskarte, 1 Euro Tages. Diese Maßnahmen sind angewandter Klimaschutz.

Das Wiener Schulsystem muss dringend modernisiert werden. Viele Kinder mit Migrationshintergrund lernen weder richtig Deutsch noch die Sprache ihrer Eltern. Mit den Grünen wird es für Wien 1.000 LehrerInnen zusätzlich geben. Bis 2015 soll kein Wiener Kind die Schule verlassen, ohne perfekt Deutsch zu sprechen und die eigene Muttersprache zu beherrschen. Die Grünen Wien stehen für eine umfassende Schulreform und den Ausbau der Kinderbetreuung.

Für immer mehr Menschen wird es schwierig, sich das Leben in der Stadt zu leisten. Die Mieten sind so hoch wie nie, 100.000 Menschen leben von der Sozialhilfe, jedes vierte Kind wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Grünen Wien fordern eine leistbare Obergrenze für Mieten und eine Mindestsicherung, die vor Armut schützt.

2) Warum sollten die Wiener/innen gerade Ihnen ihre Stimme geben?

Vassilakou: Stellen Sie sich vor, es ist 2015. In welchem Wien wollen Sie die vergangenen fünf Jahre gelebt haben – in einem rot-grünen oder in einem tiefroten? Welchem Wien trauen Sie die größere Erneuerungskraft zu? Mit den Grünen in der Regierung kommt es zu einer Modernisierung des Unterrichts, zu guten Schulen, zum Öffi-Ausbau, zur Verbilligung der Fahrpreise, zu Umweltschutz, zu mehr Parks (auch auf Flachdächern), zur Solaroffensive, zum Ausbau der Radwege … 

3) Was ist in Wien gut? Was ist in Wien schlecht?

Vassilakou: Wien ist für mich die schönste Stadt der Welt. Unser größter Schatz ist der wunderschöne Wienerwald und der Nationalpark Donauauen. Das sind die grünen Lungen der Stadt. Wir müssen dafür sorgen, das diese Schätze erhalten bleiben und Wien noch mehr Grün auch in den dicht besiedelten Stadtgebieten bekommt. Ich möchte, dass alle Menschen in Wien gut leben können, nicht nur die, die viel Geld haben.

4) Mit wem könnten Sie Wien regieren?

Vassilakou: Die Rechnung ist einfach: Wenn die Wiener SPÖ die absolute Mehrheit verliert, stellt sich die Frage, mit wem soll es nachher eine Koalition geben? Geht es um ein Reformprojekt gemeinsam mit den Grünen oder entscheidet sich die SPÖ für Stillstand und Blockade mit der ÖVP? Um nichts anderes geht es bei dieser Wahl.   

5) Ist die Wahlordnung in Wien reformbedürftig? Wenn ja, Wie?

Vassilakou: Die Wiener Wahlordnung bevorzugt die großen Parteien. Durch das angewandte Wahlsystem ist eine Mandatsmehrheit bereits mit weit weniger als 50 Prozent der WählerInnenstimmen möglich. Die Grünen Wien fordern ein Wahlsystem, bei dem jede Stimme gleich viel wert ist, egal für wen sie abgegeben worden ist. Die Grünen fordern, dass die Wahlkarten für Wiener Wahlen zukünftig spätestens mit dem Schließen des letzten Wahllokals bei den Wahlbehörden einlangen. Das gesetzwidrige Risiko des „taktischen Nachwählens“ kann dadurch gänzlich ausgeschaltet werden…

6) Thema Mobilität:  Lösung fürs Parkplatzproblem? Wird Wiens Innenstadt kostenpflichtig für Autofahrer (Thema Citymaut)? Was sind Ihre Lösungsansätze?

Vassilakou: 2010 wird zu einem Rekordjahr, was die Feinstaubbelastung betrifft: Schon in der ersten Jahreshälfte wurden die Grenzwerte fast 50 Mal überschritten. Es müssen daher rasche Lösungen gefunden werden, um den Verkehr einzudämmen. In einem ersten Schritt fordern wir die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf die westlichen Außenbezirke von Meidling bis nach Döbling. Dadurch verbessert sich die  Situation für die AnrainerInnen in diesen Bezriken. Für die innerstädtischen Bezirke schlagen die Grünen so genannte AnwohnerInnen-Parkplätze vor, die den EinwohnerInnen des Bezirks vorbehalten sind.

Zum Thema City-Maut: Die Citymaut wäre ein zweiter Schritt, wenn die Parkraumbewirtschaftung zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs nicht ausreicht. Sie ist gekoppelt an zwei wesentliche Bedingungen: kostenlose Park-and-Ride-Anlagen an der Stadtgrenze und der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

7) Wien gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt, was können wir trotzdem besser machen?

Vassilakou: Wien ist eine der reichsten Städte der Welt, gleichzeitig sind 100.000 Kinder in Wien armutsgefährdet. Die Mieten sind so hoch, dass sie sich viele Menschen ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Der Verkehr mit seinen negativen Auswirkungen wie Lärm und Luftverschmutzung ist in manchen Bereich unerträglich geworden.

Hier wollen wir ansetzen: Mit einem massiven Ausbau und stark verbilligten Öffis, damit mehr Menschen vom Auto auf Bus oder Bim umsteigen. Wir wollen eine Mindestsicherung, die vor Armut schützt und Pflichtschulen, die so gut sind wie Privatschulen. Die Mieten müssen runter, in dichtbebauten Stadtgebieten soll es mehr Parks und Grünflächen geben – für mehr Lebensqualität für alle WienerInnen.    

8) Muss auch in Wien gespart werden, wenn ja woran?

Vassilakou: Die Stadt Wien hat großes Sparpotenzial: Bei den horrenden Ausgaben für Eigenwerbung. 100.000 Euro gibt die Stadt Wien derzeit für Inserate und Eigen-PR aus. Dieses Geld wäre besser investiert in günstigere Öffis, eine Mindestsicherung, die vor Armut schützt und in eine nachhaltige Energiepolitik.

9) Ihre persönliche Botschaft an alle Wiener/innen?

Vassilakou: Am 10. Oktober wählen gehen, und sich gut überlegen, wie Wien sich in den kommenden fünf Jahren entwickeln soll.

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