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Die Gestrandeten vom Flughafen Schwechat

Für die meisten heißt die Perspektive hier Urlaub. Für manche ist der Flughafen aber auch Endstation.
Für die meisten heißt die Perspektive hier Urlaub. Für manche ist der Flughafen aber auch Endstation. ©vienna.at/Paul Frühauf
Hinlegen dürfen sie sich nicht, also schlafen sie im Sitzen. Rund 30 Obdachlose quartieren sich pro Jahr in den weitläufigen Hallen des Flughafens Wien-Schwechat ein. Doch sie sind nicht die eigentliche Aufgabe der dort ansässigen Caritas. 

“Nein”, sagt Ulrich Kienast, Teamleiter der Caritas am Flughafen, “Schlafstellen haben wir hier keine. Aber wir versuchen natürlich, Obdachlose, die hier am Flughafen sind, an die Wohnungslosenhilfe zu vermitteln.” 

Doch wie kommen die Leute ausgerechnet an diesen Ort? Man weiß es nicht so genau. Manche werden von den Bahnhöfen der Stadt vertrieben und suchen einen Platz, an dem es 24 Stunden am Tag warm ist. Perspektiven? Wenige. “Diese Menschen haben oft psychische Probleme”, weiß Kienast. Was so viel bedeutet wie: Es ist sehr schwer, ihnen zu helfen. “Man muss Vertrauen aufbauen”, sagt der Sozialarbeiter. Und das ist ein Meisterstück der Helfer bei Menschen, die ihre Umgebung nicht mehr so wahrnehmen wie jene, die zu Tausenden jeden Tag an ihnen vorbeieilen. Polizeilich weggewiesen können sie übrigens nur bei Gefährdung von anderen Menschen werden oder ein unpassendes Verhalten an den Tag legen – wie etwas das Liegen auf den Wartesesseln. Also schlafen sie im Sitzen. So einfach ist das. 

Doch das Hauptanliegen der Flughafen-Caritas sind nicht Wiener Obdachlose, die es in den Airport verschlägt. Viel mehr ist er Anlaufpunkt für Menschen, die eigentlich keinen legalen Aufenthalt in Österreich haben. Das Feld dabei ist breit und es muss differenziert nach Nationalitäten betrachtet werden. EU-Bürger sind nämlich anders zu behandeln als solche aus anderen Ländern. 

Ein Deutscher wartet und wartet und wartet am Flughafen

Ein besonderes Beispiel hat Kienast parat, das sämtliche Vorurteile über den Haufen wirft. “Eines Tages tauchte ein älterer deutscher Mann am Flughafen auf. Er fiel einem Terminalsupervisor auf, der die Information an die Caritas weitergab. Angesprochen behauptete der Mann, auf ein Flugticket seines Sohnes zu warten, der in Saudi-Arabien wohnt. Doch nach einigen Monaten war klar: Das Ticket würde wohl nie eintreffen. Denn der Sohn konnte durch Nachforschungen ausfindig gemacht werden – er lebt in Deutschland und möchte nichts mehr mit seinem Vater zu tun haben. Der Mann wurde schließlich nach einer psychiatrischen Evaluierung in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. 

Doch wie hilft die Caritas in solchen Fällen? “Mit Hygieneartikeln und Gewand”, sagt Kienast. “Außerdem sind wir mit dem Mann duschen gegangen, da er zusehends verwahrloste. Aber das wichtigste ist noch immer das Prinzip der Freiwilligkeit – gegen den Willen des Einzelnen können wir gar nichts tun.”

Asylanten kommen selten am Flughafen an

Die Caritas teilt sich ein Gebäude mit dem Bundesasylamt und der Polizei. Das ist kein Zufall, die drei Stellen kooperieren eng. “Das Innenministerium fördert unsere Arbeit. Im Großen und Ganzen ist die Zusammenarbeit in Ordnung, hin und wieder sehen wir natürlich Fälle anders als die offiziellen Stellen. Aber der Flughafen ist nicht der Hauptanlaufpunkt für Asylsuchende. Die kommen über die Grüne Grenze. Wobei, man muss natürlich Asylwerber von Menschen unterscheiden, die aus anderen Gründen hier stranden. Wir haben zum Beispiel immer wieder Fälle, in denen Menschen ihre Reisedokumente verlieren oder bestohlen wurden. Die sind dann mehr oder weniger am Flughafen gefangen, was sich oft über Tage ziehen kann. Wir nehmen dann Kontakt mit den Botschaften auf, um ihnen Papiere zu besorgen und organisieren im Notfall ein Quartier der Wohnungslosenhilfe.”

Natürlich kommen auch klassische Asylsuchende am Flughafen Schwechat an, wenn auch nicht allzu viele. Das Verfahren, ob jemand einreisen darf, kann sich von einigen Tagen bis zu vielen Wochen hinziehen, in denen diese Menschen buchstäblich in der Luft hängen. Auch hier ist die Caritas Flughafen immer wieder gefordert. 

Perspektiven am Flughafen schaffen

Eine der wichtigsten Aufgaben ist, für Gestrandete jeder Art Perspektiven zu schaffen. Ist diese bei Bleibewilligen in Österreich nicht gegeben, wird eine Heimreiseberatung angeboten. “Oft sind die Perspektiven zuhause inzwischen deutlich besser”, sagt Ulrich Kienast. Ob es denn Spielraum gibt bei der Interpretation der entsprechenden Gesetzgebung? Kienast diplomatisch: “Manche können ihre Geschichte besser verkaufen als andere.” Die Zusammenarbeit mit dem als sehr streng bekannten Bundesasylamt sei jedoch konstruktiv. Ob einem Fälle, die man kennt und zu schätzen gelernt hat, sehr nahe gehen? “Man muss immer die Distanz wahren”, so der Sozialarbeiter. “Anders geht es auch hier am Flughafen nicht.”

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