Die Fotosammlung auch für die Zukunft bewahren

Tipps und Tricks zur Fotoverwaltung.
Tipps und Tricks zur Fotoverwaltung. ©Canon
Im analogen Zeitalter hielt sich die Menge an Fotos, die man aus dem Urlaub mit nach Hause brachte, schon aus Kostengründen in überschaubaren Grenzen. Bei den digitalen Aufnahmen hingegen fällt die finanzielle Hemmschwelle weg, zwei- bis dreihundert Fotos sind an einem ereignisreichen Tag durchaus keine Seltenheit – am Ende einer spannenden Reise haben sich dann tausende Bilder auf den Speicherkarten angesammelt, die nun archiviert werden wollen.

Vor allem die Benutzer von Kamera-Handys tendieren angesichts des enormen, zur Verfügung stehenden Speicherplatzes dazu, ihre Aufnahmen einfach auf dem Gerät zu belassen, aber auch Besitzer einer Kompaktkamera lassen sich von den riesigen Speicherkarten mit 32 oder gar 64 Gigabyte Fassungsvermögen und der Möglichkeit, Fotos und Videos direkt auf den Fernseher zu übertragen, dazu verleiten, die Kamera selbst als Fotoarchiv zu verwenden. Die Folgen können jedoch fatal sein: Zu einen können die Speicherkarten im Laufe der Zeit der defekt werden, zum anderen besteht bei mobilen Devices immer die Gefahr, dass sie verloren gehen oder gestohlen werden.

Weniger ist meist mehr

Aus diesem Grund sollte man nach dem Urlaub seine Fotosammlung unbedingt gleich auf einen PC überspielen, und die Daten dann entweder auf einer externen Festplatte oder einer beschreibbaren DVD archivieren. Wenn erst einmal die Rohdaten in ihrer Gesamtheit gesichert sind, geht es daran, die Bilder auszusortieren. Kein Besuch, und auch man selbst nicht, möchte 5000 Urlaubsfotos anschauen, daher gilt es nun, frei nach dem Motto „Weniger ist oftmals mehr” die besten Bilder herauszusuchen und nochmals in ein eigenes Verzeichnis zu kopieren. Wenn der Urlaub dann auf 200 bis 300 Bilder zusammengeschnitten ist, kann dieser Ordner als Grundlage für alle weiteren Schritte dienen:

. Auf einen USB-Stick kopieren, um die Bilder zu Verwandten mitzunehmen und auf deren PC anzuschauen.

. Auf das Smartphone oder Tablet überspielen, um die Fotos im Kaffeehaus Freunden zu zeigen.

. Die besten, lustigsten oder originellsten Aufnahmen auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken posten.

. In die Cloud hochladen, um jederzeit darauf zugreifen zu können.

Vorteile von Online-Services

Eine Speicherung der Daten in der Cloud, also auf einem der zahlreichen Online-Services im Internet, hat den Vorteil, dass die Fotos auch dann nicht verloren gehen, wenn der eigene Computer oder die externe Festplatte aus welchem Grund auch immer einen Schaden erleiden – im Ernstfall lädt man seine Fotosammlung einfach wieder über das Netz auf den neuen Rechner herunter, und hat all seine Bilder wieder zur Verfügung, als ob nie etwas geschehen wäre.

Da das Hochladen von hochauflösenden Fotos auch bei einer schnellen Internetverbindung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ist es ratsam, die schönsten und wichtigsten Erinnerungen als erstes zu sichern, und erst dann sukzessive das „zweitklassige” Bildmaterial hochzuladen. Der Rest kann ruhig auf DVDs verbleiben – vermutlich wird man sich die „Ausschussware” ohnehin nie wieder anschauen, aber falls man aus irgendeinem Grund doch einmal darin stöbern möchte, reicht die Silberscheibe völlig aus.

Aber aufgepasst: CDs und DVDs haben nur eine begrenzte Lebensdauer! Je nach Lagerung und Qualität des Datenträgers können schon nach zwei bis drei Jahren die ersten Fehler auftreten, das heisst, die komplette Bildersammlung sollte regelmäßig auf neue DVDs umkopiert werden, um sicher zu gehen, dass man auch den Enkelkindern noch seine Hochzeitsfotos zeigen kann.

Vor allem, wenn man keine Cloud-Services in Anspruch nimmt, und die Fotos ausschließlich in den eigenen vier Wänden archiviert, kann man gar nicht sorgfältig genug sein; selbst wer sich für sein Bildarchiv einen eigenen NAS-Server mit Plattenspiegelung und anderen Sicherheitsfeatures angeschafft hat, sollte an ein regelmäßiges Back-up seiner Datenbestände auf einen anderen Datenträger denken, den man dann vielleicht irgendwo bei Verwandten deponiert, um selbst im Fall von Feuer oder Hochwasser nicht all seine digitalen Schätze mit einem Schlag zu verlieren. Schließlich sind auf den Fotos einmalige Momente festgehalten, die sich nie mehr wiederholen lassen, und deren ideeller Wert den Preis von Computerhardware und Speichersystemen hundertfach übersteigt.

Technologien mit Ablaufdatum

Dabei kann es nicht schaden, auch ein bisschen die laufenden, aktuellen Entwicklungen im Bereich der Datenspeicherung im Auge zu behalten. So gibt es heute kaum noch einen Rechner, der die alten 5,25-Zoll-Disketten aus der Anfangszeit der Heimcomputer (und das ist erst 30 Jahre her) lesen kann, und auch einstmals so vielversprechende Technologien wie Minidisk, ZIP-Drive, oder PD (Phase Change Dual Disk) sind innerhalb weniger Jahre wieder komplett vom Markt verschwunden. Wer nicht rechtzeitig darauf geachtet hat, und seine Fotos von diesen Datenträgern nicht auf zeitgemäße Speichermedien übertragen hat, hat zwar jetzt eine Cartridge, auf der (hoffentlich noch) all seine digitalen Erinnerungen gespeichert sind, aber keine Möglichkeit mehr, darauf zuzugreifen. Und selbst wenn man noch die Laufwerke von damals besitzt, lassen sich diese an keinen modernen Computer mehr anschließen.

Und auch die Cloud ist kein Allheilmittel – immerhin kann kein Mensch vorhersagen, welche Dienste in zehn, 20 oder 50 Jahren tatsächlich noch zur Verfügung stehen werden.

Die Archivierung und Verwaltung von digitalen Fotos ist zwar auf den ersten Blick wesentlich einfacher als die Aufbewahrung von Dias, Negativstreifen und Papierbildern, aber auch sehr viel unsicherer. Ein Fotoalbum, das man nach einem halben Jahrhundert zufällig in einer alten Kiste findet, kann man aufschlagen und durchblättern, wie man hingegen auf 50 Jahre alte Datenbestände zugreifen kann, wird erst die Zukunft zeigen…

Deshalb noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Die schönsten Fotos aus dem Urlaub, von Familienfesten, oder anderen einmaligen Ereignissen als professionelles Fotobuch auf Papier drucken lassen. Auch das kostet kein Vermögen, und ein solches Buch hat noch immer die besten Chancen, auch zukünftige Jahrzehnte zu überstehen.

(Texte: Uwe Fischer)

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