Die Dummen dürfen zahlen!

©APA
Gastkommentar von Silvia Jelincic: Der Journalisten-Beruf ist ein wahrlich undankbarer Job. Von uns wird erwartet, dass wir Skandale aufdecken oder zumindest heikle Causen thematisieren. Doch was passiert, wenn wir das tun? Nichts oder fast nichts. Die Hypo ist so ein Beispiel.

Seit Monaten schreiben wir Journalisten uns die Finger wund, zitieren Gutachter und andere Experten, die unseren Regierungspolitikern den dringenden Rat geben, die Bank doch endlich in die Pleite zu schicken. Und? Das Ergebnis? De facto nicht vorhanden. Zwar stellt sich nun auch Michael Häupl hinter die wütenden Bürger und betont, dass sie als Steuerzahler für das Debakel nicht geradestehen sollen, doch wird der fromme Wunsch von Wiens Bürgermeister nichts bringen.Die Kärntner Hypo ist ein Faß ohne Boden, eine dermaßen unsagbare Geschichte, dass sie noch sehr, sehr lange nicht abgeschlossen werden kann – nicht einmal jetzt, wo unter größtem Kampf eine Abbaugesellschaft geschaffen wurde, ist die Politik in der Lage, dem Steuerzahler eine halbwegs nachvollziehbare Rechnung zu präsentieren.

Richtwerte zur Hypo-Pleite

Hier einige Richtwerte: Der Bund übernimmt jetzt 17,8 Milliarden (!) Euro Hypo-Verbindlichkeiten, die vorerst in voller Höhe die Staatsschulden erhöhen (derzeit sind es ohnehin schon mehr als 240 Milliarden, da denkt sich offenbar so mancher Politiker, dass knapp 20 Milliarden mehr auch schon egal sind). Angeblich werden aber am Ende des Tages aufgrund vorhandener Vermögenswerte und offener Kredite von Hypo-Kunden „nur” um die neun Milliarden Euro Miese übrig bleiben – und die werden, Herr Häupl, sicher nicht die Verantwortlichen des Debakels treffen, sondern die Steuerzahler.

Das Ärgerliche daran: Das Hypo-Drama war für Politik-Insider schon zu Lebzeiten von Jörg Haider absehbar, doch niemand wollte hinsehen, es war Haiders Sache, Haiders Land, „seine” Bank, hieß es damals schon. Fünf Jahre später ist alles anders, jetzt zeigen sich unser Politiker, allen voran Häupl, Spindelegger und Faymann ach, so schockiert und entsetzt. Wir werden für Narren gehalten, so viel ist klar, ganz nach dem Motto: Die Dummen dürfen zahlen!

Die Hypo ist damit zumindest für mich abgehackt. Noch mehr darüber zu schreiben, bringt nichts. Ich stelle mich darauf ein, verstärkt zur Kasse gebeten zu werden, in welcher Form auch immer. Vermutlich kommen neue Abgaben, die offiziell aber gar nicht aufs Konto des Hypo-Debakels zurückzuführen sein werden. Darauf könnt ihr euch auch schon mal einstellen.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Die Dummen dürfen zahlen!
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen