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Die drei Musketiere 3D

Mantel, Degen, Flugmaschinen: Eine Menge verschenktes Potenzial in Paul W.S. Andersons Actionspektakel.

Eine Genre-Wiederbelebung im Stile von “Fluch der Karibik” hatte Paul W.S. Anderson wohl im Sinn, als er sich einer Neuverfilmung der legendären Abenteuer von D’Artagnan und der drei Musketiere annahm. Und mit Orlando Bloom in der Rolle des Widersachers und piratenhaften Luftschiffkämpfen wirkt das 3D-Spektakel manchmal auch wie ein Spin-Off des erfolgreichen Franchise. Den Musketieren eine ähnlich lange Laufzeit zu prognostizieren, wäre aber wohl vermessen: Dazu bleibt die bemüht coole, modernisierte Mantel- und Degenaction über weite Strecken des Films einfach zu platt und oberflächlich. Und nicht einmal Christoph Waltz als Kardinal Richelieu kann an der Misere was ändern. Am Donnerstag starten “Die drei Musketiere” im Kino.

Es ist beileibe nicht die erste Verfilmung des Stoffes von Alexandre Dumas, aber mit Sicherheit jene, die sich vom ursprünglichen Plot am meisten entfernt. Zwar bewegen wir uns weiterhin im Frankreich des 17. Jahrhunderts, in dem der Adel sich seiner Dekadenz und der Hofstaat sich seiner Ränkespiele erfreut. Doch die Figuren, allen voran die intrigante Milady de Winter (Milla Jovovich) und der machtbesessene Kardinal, sind videospielmäßig inszeniert, mit möglichst prägnanten Sätzen und durchtrieben bis ins Letzte. Und zusätzlich zu den gewohnten Degenkämpfen und vergifteten Getränken von früher gibt es diesmal auch fliegende Kriegsmaschinen, einen modebewussten König und dynamisch-unkomplexe Popcornunterhaltung.

Konkret versuchen Milady und der Kardinal, den teuflischen Herzog von Buckingham mit Hilfe eines Diadems und einer Flugmaschine nach den Plänen von Leonardo da Vinci in einen englisch-französischen Krieg zu steuern. Den Abenteurern Athos, Porthos und Aramis, die sich vom jugendlichen Enthusiasmus von D’Artagnan anstecken lassen, bleibt dabei nichts anderes übrig, als auf einer Odyssee zu Erde, zu Luft und zu Wasser die (im Wesentlichen französische) Welt zu retten. Dass sowohl der junge Helden-Darsteller Logan Lerman als auch seine Gefährten Matthrew Macfadyen, Luke Evans und Ray Stevenson äußerst blass und austauschbar bleiben, ist nicht zuletzt der schwachen Figurenzeichnung von Videospielspezialist Anderson zuzurechnen.

Dabei kann man dem Regisseur durchaus einiges zugutehalten: Vorlagentreue? Subtilität? Geschenkt, wenn die blühende Fantasie aus der 3D-Actioninszenierung auch mit halbwegs interessanten Charakteren und einigen guten Dialogen kombiniert wäre. Aber gerade das lässt Anderson (“Resident Evil”) wieder einmal vermissen. Da müssen schon die Bösewichte mit ihren Interpretationen ein bisschen aufs Gaspedal drücken: Mads Mikkelsen macht zum Beispiel als diabolischer Handlager Rochefort eine gute Figur, Orlando Bloom und Milla Jovovich versehen ihre Schurkenrollen mit einem vergnüglichen Augenzwinkern. Nur Christoph Waltz bleibt mit seinem gedrosselten Spiel recht blass, die angedeutete Bösartigkeit wird kaum eingelöst.

Musikalisch vermischen sich Porthos und Athos gerne zu Pathos, doch das unfreiwillige vierte Musketier glänzt meistens an den falschen Stellen. Und ob ein Titelsong von Take That tatsächlich die richtige Wahl war, sei mal dahingestellt. Aller Unkenrufe zum Trotz hat die rein europäische Produktion aber zumindest gezeigt, dass auch in Deutschland ein großer Blockbuster mit Starbesetzung möglich ist. Und auch wenn Anderson kein großer Geschichtenerzähler ist, so schuf er doch eine über weite Strecken zumindest nicht langweilige und manchmal auch recht unterhaltsame “Literaturverfilmungserneuerung”. Irgendwie aber auch schade, wenn man sieht, dass hier eine Menge Potenzial verschenkt wurde. (APA)

http://musketiere-film.de

 

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