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Die Autos fahren wieder!

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Der autofreie Tag, an dem 199 Gemeinden in ganz Österreich teilgenommen haben, ist vorbei. Von Umweltschützern gab es Kritik an diesem rein "symbolischen" Tag, Minister Josef Pröll spricht hingegen von Bewusstseinsbildung.

Insgesamt 199 Gemeinden in ganz Österreich nahmen am Mittwoch am europaweiten autofreien Tag mit diversen Aktionen teil. Die Aufsehen erregendste gab es in Wien mit der Sperre der Ringstraße vom Stubenring bis zum Parlament, die in diesem Abschnitt zwischen 10.00 und 14.00 Uhr nur für Fußgänger und Radfahrer offen war. Das befürchtete Verkehrschaos in der Bundeshauptstadt blieb großteils aus. Zwar sei es auf den Ausweichrouten am Franz Josefs-Kai und der Vorderen Zollamtsstraße teilweise zu Stillstand gekommen, „aber es ist alles glimpflich verlaufen“, resümierte ARBÖ-Sprecher Thomas Haider.

Autofreie Tage auf Wochenenden verschieben

Dennoch plädierten ARBÖ und ÖAMTC und auch der Wiener Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) dafür, künftige autofreie Tage auf ein Wochenende zu verschieben. „Wir wollen keine Verärgerungsaktivitäten“, kritisierte Schicker vor allem die teilweise Sperre des Rings, die laut Auskunft aus dem Rathaus „als politische Demonstration vom Umweltministerium“ angemeldet und daher von der Polizei genehmigt worden sei. Schon am frühen Vormittag hatten verärgerte Autofahrer im Hitradio Ö3 ihrem Ärger lautstark Luft gemacht.

Umweltminister Josef Pröll, Staatssekretär Helmut Kukacka (beide V) und die Olympia-Gold-Gewinnerin im Triathlon, Kate Allen, radelten trotzdem gegen Mittag über die autofreie Ringstraße. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz hatte der Minister zuvor auf den zunehmenden Individualverkehr und die bedenkliche Entwicklung in puncto Lärmbelästigung hingewiesen. Der autofreie Tag solle vor allem Anstoß zu einer Bewusstseinsumbildung hin zur umweltschonenden Mobilität geben. Kukacka plädierte für effektive Reformmaßnahmen im öffentlichen Verkehr, bei dem derzeit ein deutlicher Fahrgastschwund festzustellen sei. In den Wiener Linien war am Mittwoch nach Angaben von Pressesprecher Johann Ehrengruber kein signifikantes Plus an Fahrgästen zu bemerken.

Kritik von Umweltorganisationen

Kritik musste der Umweltminister von diversen Umweltorganisationen, den Grünen und auch von FPÖ-Klubobmann Herbert Scheibner einstecken. „Einmal im Jahr den autofreien Tag zu feiern ist zu wenig, solange keine menschen- und umweltgerechte Verkehrspolitik gemacht wird. An 364 Tagen rollt die Verkehrslawine weiter, mit Tausenden Opfern und massiven Umweltproblemen, ohne dass die Bundesregierung wirksame Maßnahmen setzt“, sagte Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von Global 2000.

Die Umweltorganisation begleitete den Minister auf der Ringstraße mit Schildern, auf denen sich unterschiedliche Interessengruppen für die autozentrierte Verkehrspolitik der Bundesregierung mit Parolen „bedankten“: U.a. wurde die „Freude“ der Bestattungsunternehmen über die Todesopfer der Dieselabgase oder der OMV über das verfehlte Klimaschutzziel auf dem Verkehrssektor ausgedrückt.

FPÖ-Klubobmann Herbert Scheibner bezeichnete den autofreien Tag als „vordergründige Aktion ohne den geringsten Nutzen“. Er hoffe, so Scheibner, dass diese „von realitätsfernen EU-Bürokraten ins Leben gerufene absurde Idee“ zumindest in Österreich eine einmalige Angelegenheit bleibe. Die Grünen bezeichneten den autofreien Tag zwar als „wichtiges Symbol“, forderten aber im selben Atemzug eine „längst überfällige Wende in der Verkehrspolitik“. Solange die Bundesregierung den motorisierten Straßenverkehr und die Lkw-Lawine „durch Steuergeschenke und Lobbypolitik“ einseitig fördere, werde sich an den Verkehrsproblemen nichts ändern, kritisierte Gabriela Moser, die Verkehrssprecherin der Grünen.

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