Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht: Kritik und Trailer zum Film

Edgar Reitz knüpft mit seinem neuen Film an seine "Heimat"-Trilogie an. Darin rückt er zwei Brüder aus dem 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt, die angesichts der harten und ärmlichen Lebensbedingungen auf dem Land davon träumen, nach Südamerika auszuwandern. In seinem knapp vierstündigen Schwarz-Weiß-Film konfrontiert er den Zuseher mit der brutalen Realität der Armut. Der Filmemacher stellte sein neues Werk am 70. Filmfestival von Venedig vor. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Der Blick in die deutsche Vergangenheit hat es Edgar Reitz angetan: Im Mittelpunkt seiner berühmten “Heimat”-Trilogie stand eine fiktive Familie aus dem Hunsrück. Seine Jahrzehnte übergreifenden Geschichten berichteten aber auch von historischen Ereignissen. An diese Idee knüpft Reitz nun mit “Die andere Heimat” an, und zeigt die Armut des 19. Jahrhunderts. Ab Freitag im Kino.Erneut erzählt Reitz von der Familie Simon, erneut spielt die Geschichte in Schabbach. Doch nun fokussiert der Regisseur nicht wie in der “Heimat”-Trilogie auf das 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen, der Teilung Deutschlands und dem Fall der Mauer. Vielmehr ist “Die andere Heimat” die Vorgeschichte zur “Heimat”-Trilogie.

Kurzinhalt des Films

Es ist das Jahr um 1840. Der junge Jakob vergräbt sich lieber in Bücher über Brasiliens Urwaldindianer, statt in der familieneigenen Schmiede mit anzupacken. Er studiert die Kultur und Sprache der Indianer und träumt davon, ihnen selbst einmal begegnen zu können. Mit seiner Begeisterung für das Ferne steckt er auch andere an, darunter seinen Bruder Gustav und seine heimliche Liebe, das Jettchen. Doch die Realität ist harsch. Harte Winter, Hungersnöte, Epidemien und politische Ungerechtigkeiten behindern Jakobs Pläne immer wieder.

Reitz kreiert eine detailgetreue Kulisse für seinen Film: Er ließ ein Dorf umbauen und mehr als 150 Jahre zurückversetzen. Auf der Kinoleinwand beeindruckt daher, mit welcher Genauigkeit er die Zeit wieder aufleben lässt: Wie der Schlamm nach einem Regen auf der Hauptstraße knöcheltief matscht, wie in den alten Fachwerkhäusern mehrere Generationen auf engstem Raum nebeneinander leben, wie die Pferdewagen über die gefährlich unebenen Feldwege rumpeln, wie der Klang der Schmiedeeisen durchs Dorf hallt. Dazu tragen auch die schwarz-weißen Bilder bei, mit denen Reitz die Ereignisse einfängt.

Kritik zum Film “Die andere Heimat”

Die eigentliche Entdeckung ist allerdings Jan Dieter Schneider als Jakob. Ein Laiendarsteller, den Reitz fast zufällig entdeckte und der eigentlich mitten im Medizinstudium steckt, wie er bei der Weltpremiere des Films kürzlich bei den Festspielen in Venedig erzählte. Er verkörpert Jakob mit einer wunderbaren Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie.

“Die andere Heimat” ist jedoch nicht leicht konsumierbar und eher sperrig. Man muss sich einlassen auf diese Geschehnisse, die mit der ein oder anderen Länge auch nicht immer ganz über die vier Stunden des Films tragen. Und doch gelingt es dem 80-jährigen Reitz einmal mehr, die große Geschichte auf kleine Geschichten herunterzubrechen. Durch seine Figuren Jakob und Gustav wird die tatsächlich durchlebte Auswandererwelle nach Brasilien nachvollziehbar.

Trailer zum Kinofilm

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