Die Abtreibungsdebatte

In der Abtreibungsdebatte stehen sich Unterstützer und Gegner unversöhnlich gegenüber. Das gilt besonders für die USA, aber auch für Österreich.
Jubiläum einer Abtreibungsklinik - Proteste

Österreich

Schon zur Zeit der Ersten Republik forderte die Sozialdemokratie in Österreich eine Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs vor dem Gesetz. Illegal aus sozialer Not vorgenommene Abbrüche stellten für die betroffenen Frauen eine ernste gesundheitliche Gefahr dar. Doch es dauerte noch bis in die Siebziger Jahre, bis eine liberale gesetzliche Regelung geschaffen wurde.

Erst in der Zeit der Kreisky Alleinregierung – zwischen 1971 und 1983 – hatte die SPÖ die Möglichkeit dazu. Neben der Reform des Schul- und Universitätsrechtes oder etwa der Familienrechtsreform kam es auch zu einer Straffreistellung des Schwangerschaftsabbruches innerhalb der ersten 12 Wochen.

Kritik daran regte sich damals ebenso wie heute. Unter anderem wird die im Grunde willkürlich festgelegte Frist stets angegriffen – für Befürworter eines freinen Schwangerschaftsabbruches wird sie gelegentlich als zu streng gezogen empfunden, konservativen Abtreibungsgegnern ist sie zu locker, oft sind sie für ein generelles oder sehr weitgehendes Abtreibungsverbot.

USA

Die Abtreibungsdebatte wird in den USA seit Jahrzehnten heftig und in extremen Ausnahmefällen sogar gewalttätig geführt. Präsident Obama war vor zwei Wochen von Abtreibungsgegnern kritisiert worden, nachdem er sich in einer Rede für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ausgesprochen hatte, zugleich aber eine Versöhnung der verfeindeten Lager forderte. Die Abtreibungsgegner empören sich zudem über die Ernennung der ehemaligen Gouverneurin von Kansas, Kathleen Sebelius, zur Gesundheitsministerin. Sie war mit dem Abtreibungsarzt Tiller bekannt.

Roe vs. Wade

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika hat am 22. Januar 1973 im Fall „Roe gegen Wade“ eine seiner wohl bekanntesten und umstrittensten Entscheidungen gefällt. Was zuvor in allen außer drei amerikanischen Bundesstaaten noch als Mord betrachtet worden war, wurde mit einem Schlag zu einer privaten, von den verfassungsmäßig garantierten Grundrechten geschützten Entscheidung: die Abtreibung.

Auch Katholiken unter den Befürwortern des Urteils

Die Debatte darüber hat viele Katholiken in Amerika dazu gebracht, sich stärker für Politik und Gesetzgebung zu interessieren – in der Hoffnung, die rechtliche Anwendbarkeit des Roe-Spruches entweder aufheben oder zumindest begrenzen zu können. Die besondere “Ironie” dabei: Der Hauptverfasser der Entscheidung, Richter William Brennan, war ein Katholik. Doch auch einige katholische Politiker wie etwa Senator Edward Kennedy setzen sich für das Recht ein, frei zu entscheiden. Das geht sogar so weit, dass sie gegen jegliches Verbot der Spätabtreibung stimmten – sogar bei besonders drastischen Methoden im Spätstadium der Schwangerschaft.

Grundsatzfrage

Die Grundsatzfrage dahinter ist ebenso eine biologische wie eine philosophische: Wann beginnt Leben? Zwischen dem Zeitpunkt der Befruchtung einer Eizelle und dem ersten Geburtstag des bereits geborenen Kindes wird der Beginn des menschlichen Lebens von Kultur zu Kultur und sogar von Mensch zu Mensch sehr verschieden wahrgenommen.

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