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Die 727 Stunden ohne Karamo - Kritik zum Film

In der Dokumentation von Anja Salomonowitz geben zwanzig binationale Paare Einblicke in ihr Leben. Jeweils einer der Partner stammt nicht aus Europa, und die Liebenden sehen sich mit dem Fremdenrecht und den damit verbundenen Auswirkungen konfrontiert. Salomonowitz zeichnet eine Geschichte, wie sie viele Paare erleben, und schafft gleichzeitig ein filmisches Plädoyer für eine grenzenlose Liebe. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Die Situation ist an und für sich absurd: Ich lerne jemanden kennen, mit dem ich mein Leben verbringen will, aber der Staat versucht mich mit allen möglichen Mitteln daran zu hindern. Wenn die Liebe meines Lebens nicht aus einem EU-Land kommt, somit also einem sogenannten Drittstaat angehört, wird diese Absurdität zur Realität, ganz egal ob es sich um Amerikaner oder Nigerianer, Chinesen oder Kongolesen handelt. “Da bleibt einem eigentlich keine Wahl als zu heiraten”, heißt es gleich zu Beginn in Anja Salomonowitz’ neuer Doku “Die 727 Tage ohne Karamo”.

Inhalt zum Film

Der Titel beschreibt die Situation von Susanne, einer der 20 Protagonisten im Film, die seit knapp zwei Jahren darauf wartet, dass Karamo, ihr Mann und der Vater ihrer Kinder, wieder nach Österreich einreisen darf. Diese Geschichte ist beileibe kein Einzelfall, die Momentaufnahmen der verschiedenen Paare fügen sich in dem 80-minütigen Porträt über binationale Beziehungen und deren Herausforderungen und Hürden zu einem erschreckenden Gesamtbild über das österreichische Fremdenrecht zusammen, das wohl jenen, die damit glücklicherweise nicht konfrontiert sind, nicht im Geringsten bewusst ist – sonst könnte das so nicht möglich sein.

Allein der Passus “Deutsch vor Zuzug” kann für viele – etwa jene, die nicht im lateinischen Alphabet beheimatet sind – schon zur unüberwindbaren Hürde werden. Ohne Aufenthaltsgenehmigung darf nicht gearbeitet werden, eine binationale Hochzeit bedarf indes einer Vielzahl von Nachweisen und Beglaubigungen. “Sagen wir, es ist alles geschafft, man hat genug Geld gehabt, genug Nerven gehabt und liebt sich immer noch, da kann man sich dann die Aufenthaltskarte abholen am Magistrat”, heißt es im Film. “Nur das Danach ist auch kein Honiglecken. Man braucht nämlich ein bestimmtes Einkommen, man muss ständig Deutschprüfungen ablegen und die Fremdenpolizei kann jederzeit hereinschneien.”

Kritik zu “Die 727 Stunden ohne Karamo”

Allein die Vorstellung, dass jederzeit die Polizei meinen Lebensabschnittspartner abholen und abschieben kann, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Was gibt dem Staat das Recht, in solchem Ausmaß in mein Privatleben einzugreifen? Diese Frage und noch viel mehr zur großen Liebe und der ernüchternden Realität werden in Salomonowitz’ Doku anhand persönlicher Erlebnisse behandelt. Allein der gelbe Faden durch den Film, das durchgängige Farbkonzept wie schon in den vergangenen Produktionen der Regisseurin, eröffnet der stilisierten Doku keine zweite Ebene, sondern wirkt eher manieriert kontraproduktiv und lenkt vom wichtigen Thema ebenso wie von den berührenden Geschichten ab. Dennoch: ein sehenswerter Film.

(APA/Red)

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