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DFB-Elf Außenseiter gegen Portugal

Deutschland geht trotz einer positiven Länderspiel­bilanz im direkten Duell als Außenseiter ins Vier­telfinale gegen Portugal am Donnerstag in Basel.

Während die Portugiesen in den ersten beiden Partien überzeugten, blieben die Deutschen bisher noch vieles schuldig. “Erstmals gehen wir nicht als Favorit in die Partie. Die Chancen stehen 50:50”, sagte DFB-Teamchef Joachim Löw. Den Bundestrainer plagen noch dazu Verletzungssorgen, die beiden Stützen Lukas Podolski (Wadenprobleme) und Torsten Frings (Rippenbruch) drohen auszufallen.

Die Deutschen überzeugten nach einer souveränen Leistung gegen Polen zum Auftakt (2:0) gegen Kroatien (1:2) und Österreich (1:0) nicht wirklich. Trotzdem ist Löw auf den Aufstieg fokussiert, wie er betonte: “Ja, wir werden ins Halbfinale einziehen.” Es sei für die DFB-Elf leichter gegen Mannschaften zu spielen, die selbst etwas für das Spiel machen. “Die Portugiesen werden im Spiel nach vorne mehr tun, dadurch können wir besser ins Spiel kommen”, sagte Löw. Es sei ein Spiel zu erwarten, bei dem beide Teams versuchen, offensiven Kombinationsfußball zu zeigen.

Vor allem die Flügelstürmer wie Superstar Cristiano Ronaldo gilt es im 4-3-3-System der Portugiesen in den Griff zu bekommen. “Sie sind ein bisschen vergleichbar mit den Holländern, was die Dribbelstärke und Schnelligkeit bei den Außenstürmern betrifft. Wir müssen möglichst gut doppeln und verschieben”, meinte der Bundestrainer. Dazu dürfe man auch Mittelfeld-Regisseur Deco nicht außer Acht lassen. “Er kann die Abwehr mit einem Pass ausspielen”, wies Löw auf die Gefährlichkeit des Noch-Barcelona-Kickers hin.

Deshalb wird vor allem die Abwehr, die gegenüber dem Österreich-Spiel mit Friedrich, Mertesacker, Metzelder und Lahm unverändert einlaufen dürfte, eine Schlüsselrolle spielen. “Das sind jetzt alles Spiele, die sehr eng und auf einem hohen Niveau sind, da kommt es meistens auf Kleinigkeiten an”, merkte Innenverteidiger Mertesacker an. Die Österreich-Partie sei mit diesem Spiel sicher nicht vergleichbar.

Ähnlich sieht es Miroslav Klose, der immer noch auf seinen ersten EM-Treffer wartet. “Ich denke schon, dass wir keine Angst haben vor Portugal, aber es wird schon eine harte Aufgabe”, sagte der Bayern-Stürmer. Eine besondere Partie ist es vor allem für Kapitän Michael Ballack. Der 31-Jährige kann sich bei Ronaldo für das verlorene Champions-League-Finale mit Chelsea gegen Manchester United revanchieren und gleichzeitig seine Visitenkarte bei Luiz Felipe Scolari abgeben. Der portugiesische Teamchef trainiert nach der EURO Chelsea.

“Portugal ist technisch sehr, sehr stark und hat gute Einzelspieler. Sie sind offensiv ausgerichtet, eine Mannschaft, die in erster Linie Tore erzielen will”, sagte Ballack. “Das verspricht ein gutes Spiel. Sie sind der Favorit, wir sind jetzt in ein bisschen einer anderen Rolle. Das sieht auch Christoph Metzelder so: “Sie gehen als leichter Favorit ins Spiel, da sie einen Tag mehr Regeneration hatten und bisher sehr gut gespielt haben.”

Die bessere Fitness könnte tatsächlich den entscheidenden Ausschlag zugunsten des EM-Finalisten von 2004 geben. Die Portugiesen haben keine Verletzungssorgen und noch dazu im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz (0:2) bereits acht Stammkräfte – darunter die gesamte Offensivabteilung – geschont.

“Was die Fitness betrifft sind sie einen Tick vor uns, aber mit guter Einstellung kann man einiges wettmachen”, sagte Co-Trainer Hansi Flick. Die DFB-Auswahl muss wohl Podolski und Frings ersetzen. Für den EM-Dreifachtorschützen rückt Bastian Schweinsteiger ins linke Mittelfeld, für den Bremen-Routinier bietet sich Thomas Hitzlsperger als Alternative an.

Bei sieben Siegen und fünf Remis musste die DFB-Auswahl gegen Portugal bisher nur drei Niederlagen (Torverhältnis 21:14) hinnehmen. Zum bisher letzten Mal standen sich die beiden Teams bei der WM 2006 am 8. Juli in Stuttgart im Spiel um Platz 3 gegenüber, das die Deutschen durch Tore von Schweinsteiger (2) und ein Petit-Eigentor klar mit 3:1 für sich entschieden. “Ich freue mich auf ein Wiedersehen”, sagte Ballack.

Die Deutschen sind vor der ersten K.o-Runde auch auf alle Eventualitäten vorbereitet. Für ein etwaiges Elfmeterschießen wird Tormanntrainer Andreas Köpke wieder Informationen für Goalie Jens Lehmann zusammentragen. “Es wird wieder ein Zettel da sein”, sagte Lehmann. Köpke hatte dem Neo-Stuttgarter bei der WM 2006 beim deutsch-argentinischen Elfmeterkrimi einen Zettel mit Informationen zugesteckt, welche argentinischen Spieler welche Torecken favorisieren. Daraufhin hielt Lehmann zwei Penaltys und die Deutschen zogen ins Halbfinale ein.

Lehmann hofft diesmal allerdings darauf, dass seine Elf die Partie schon früher entscheiden könne. “Im Viertelfinale wird man sehen, wo wir stehen”, betonte “Mr. Verlässlich” Philipp Lahm. “Die Portugiesen sind im Moment eine der besten Nationen, aber wenn jeder mit hundert Prozent spielt, haben wir auch gegen sie Chancen. Es ist auch schwer, uns zu schlagen.”

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