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Deutsche Autobahn-Maut

Angesichts der Einführung der Lkw-Maut in Deutschland am Samstag hat der Fachverband Güterbeförderung der Wirtschaftskammer Österreich seinen Mitgliedern für die nächsten Wochen von Fahrten ins Nachbarland abgeraten.

Wegen der geringen Verbreitung von elektronischen Abbuchungsgeräten sei an den manuellen Mautterminals an den Grenzen mit gröberen Staus zu rechnen. „Wer nicht unbedingt fahren muss, sollte seine Fahrten daher um ein, zwei Wochen verschieben – auch wenn das in der Praxis oft schwierig sein wird“, sagte Fachverbands-Geschäftsführer Rudolf Bauer am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Nach Auskunft des Betreibers Toll Collect sind bis 26.12. bereits 18.000 österreichische Lkw für das deutsche Mautsystem vorregistriert worden. Rund 13.000 österreichische Lkw seien auch bereits mit einem Board-Gerät ausgestattet worden. Österreich sei damit „eindeutig unter den Vorreitern“, erklärte eine Sprecherin auf APA-Anfrage. Der heimische Fachverband begründet das damit, dass Österreich die Maut schon vor einem Jahr eingeführt hat. „Dadurch sind wir wesentlich sensibilisierter als alle anderen Länder“, so Bauer.

Allerdings sei der Einbau von Board-Geräten außerhalb Deutschlands nur in den angrenzenden Ländern möglich gewesen. Frächter vor allem aus der Türkei, aus Italien oder auch aus Ungarn hätten daher keinen Zugang zu den Geräten gehabt und müssten sich in den ersten Wochen daher allesamt manuell einbuchen. Unter Staus an den Grenzen würden aber alle leiden, „weil die, die Board-Geräte haben, auch stehen werden“, meint Bauer.

Insgesamt hat Toll Collect erst 300.000 automatische Board-Geräte ausgegeben. Mautpflichtig sind alle Lkw über 12 Tonnen – im europäischen Einzugsgebiet sind das bis zu 1,4 Millionen Lkw. Der Betreiber Toll Collect hatte ursprünglich gehofft, bis zum Mautstart 500.000 Board-Geräte an den Mann zu bringen. Die Frächter hätten aber nicht mehr Geräte bestellt, beklagte Sprecherin Claudia Steen am Dienstag.

Wer keine so genannte On Board Unit (OBU) hat muss seine Fahrt entweder vorab im Internet oder an Terminals direkt an der Autobahn bei Tankstellen, Raststätten oder Grenzübergängen bezahlen – abhängig von der Achszahl und vom Schadstoffausstoß zwischen 9 und 14 Cent pro Kilometer. Wer die Maut nicht vorab begleicht, zahlt, wenn er erwischt wird, bis 20.000 Euro Strafe.

An einem Terminal können laut ÖAMTC pro Stunde allerdings nur fünf bis sechs Fahrzeuge abgefertigt werden. Der Autofahrerclub erwartet daher von groben Verkehrsbelastungen in Kiefersfelden/Kufstein, in Suben bei Passau und am Grenzübergang Salzburg (Walserberg) aus. Gerhard Koch vom ÖAMTC rechnet damit, dass sich die Lkw-Schlangen auch auf den Pkw-Reiseverkehr auswirken werden. Die große Lkw-Welle ist laut den Frächtern nach den Feiertagen ab dem 10. Jänner zu erwarten.

Der deutsche SPD-Verkehrsminister Manfred Stolpe sicherte in einem Interview diese Woche zu, alles zu tun, damit der Start möglichst störungsfrei ablaufen kann. Deutschland hat dafür ein eigenes „Startmanagement“ eingerichtet. Der Mautbetreiber „Toll Collect, vom Bundesamt für Güterverkehr, das Verkehrsministerium und vielen anderen Partnern bis hin zum Bundesgrenzschutz und den Landespolizeien“ seien eingebunden, um einen weithin störungsfreien Ablauf gewährleisten können, so Stolpe. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich wird die Exekutive verstärkt im Einsatz sein. Toll Collect hat darüber hinaus über 5.000 Helfer im Einsatz, die die deutschlandweit rund 3.600 Terminals erklären sollen.

Der Einführung der satellitengestützten Lkw-Maut in Deutschland – ursprünglich schon für Mitte 2003 geplant – waren in den vergangenen Jahren einige schwere Pannen vorangegangen. Stolpe hofft angesichts des steigenden Lkw-Verkehrs, das Deutschland aus der neuen Maut mehr als 2005 eingeplanten 3,0 Mrd. Euro brutto einnehmen könnte. Die Verzögerungen haben Deutschland bereits Budgetausfälle von 3,5 Mrd. Euro beschert.

In Österreich, wo man auf ein bewährtes Mikrowellensystem gesetzt hat, wird die Lkw-Maut bereits seit 1.1.2004 eingehoben. Im ersten Jahr hat die heimische Maut inklusive Sondermauten rund 760 Mio. Euro eingebracht. Anders als in Deutschland funktioniert die Abbuchung in Österreich ausschließlich elektronisch. Rund 500.000 Fahrzeuge sind bereits mit einer so genannten GO-Box ausgestattet, die im Gegensatz zum deutschen Mautkasten nicht ein komplexes Gerät ähnlich einem Autoradio ist, das in einer Werkstatt eingebaut werden muss, sondern nur eine kleine Box, die an der Windschutzscheibe angeklebt wird.

Bei der Asfinag behauptet man außerdem, dass das österreichische System weit weniger Lücken hat. Während das österreichische System eine Erfassungsrate von 99,6 Prozent aufweise, liege die Rate in Deutschland „unbestätigten Informationen zufolge nur bei 96,4 Prozent“, sagte Asfinag-Sprecher Martin Zimmermann. Toll Collect weist den Vorwurf allerdings zurück. Tests hätten gezeigt, dass auch die Erfassungsrate in Deutschland bereits über 99 Prozent liege.

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