"Detektive der Luftfahrt" klären jeden Flugunfall auf

Symbolfoto &copy Bilderbox
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Abteilung in Wien untersucht rund 160 Zwischenfälle jährlich - Werden Fertigungsfehler festgestellt, erfolgt die sofortige Meldung beim Flugzeug-Hersteller.

Rund 160 Zwischenfälle mit Fluggeräten werden jährlich von der Flugunfalluntersuchungsstelle in Wien-Strebersdorf unter die Lupe genommen. Sechs Mann umfasst die Truppe, die für alle Unfälle auf österreichischem Gebiet sowie für Zwischenfälle mit heimischen Maschinen im Ausland zuständig ist – egal ob Paragleiter oder Linienmaschine. In etwa 30 Fällen pro Jahr müsse man umfangreiche Untersuchungen einleiten, so Günther Raicher, Leiter dieser Abteilung des Verkehrsministeriums.

Verbesserungen veranlassen
Dabei werden auch Materialprobleme oder Fertigungsfehler entlarvt und Verbesserungen veranlasst. Schlüssige Erklärungen finden die Profis für jeden Unfall. Erfahrung im Umgang mit Fluggeräten ist das Um-und-Auf. Raicher selbst ist seit 27 Jahren in der Unfallerhebung tätig. Alle Techniker seiner Truppe besitzen den Berufspilotenschein, einige sind Hubschrauberpiloten, andere Segelfluglehrer.

Mit Hilfe von Zeugenaussagen können manche Zwischenfälle binnen kürzester Zeit aufgeklärt werden. So etwa der Ausrutscher eines Sportflugzeugs vor wenigen Wochen in Oberösterreich: „Der Pilot konnte auf nasser Wiese einfach nicht rechtzeitig stehen bleiben“, sagte Raicher. Die Maschine rutschte in einen Teich, verletzt wurde niemand.

Wenn die Technik spinnt…
Komplizierter und langwieriger werden die Erhebungen, wenn technische Probleme den Absturz ausgelöst haben. Raicher: „Wir wissen sehr genau, welches Bauteil wir uns ansehen müssen. Allerdings sind dann oft umfangreiche Materialprüfungen nötig.“ Speziallabors werden dann um Mithilfe gebeten, so zum Beispiel ein Turbinenprüfstand des Bundesheeres. Manchmal lasse sich bereits auf Grund des Hergangs auch ohne Beweise „schlüssig erklären, wie es passiert ist“, so der „Unfall-Detektiv“.

Werden Fertigungsfehler als Unfallursache gefunden, wird blitzschnell gehandelt: Sofort werden der Hersteller und die internationalen Luftfahrtbehörden informiert. Die betroffenen Bauteile müssen sofort ersetzt werden. Als bei einem Rettungshubschrauber technische Probleme festgestellt wurden – die zum Tod eines Flugretters am Bodensee geführt hatten -, änderte der Hersteller sofort die betroffenen Elemente.

Schneller als der Bruchpilot
Verständigt wird Raichers Team meist von der heimischen Flugsicherung Austro Control. Dann geht es sofort mit Blaulicht los. Manchmal sind die Experten sogar schneller am Unglücksort als das Fluggerät, etwa bei der Bruchlandung der Hapag-Lloyd-Maschine in Wien-Schwechat vor einigen Jahren. Raicher: „Der Pilot meldete schon aus der Luft Probleme, da sind wir sofort losgefahren“.

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