Der Watergate-Skandal: Was Richard Nixon 1974 zu Fall brachte

Watergate - Wie ein "drittklassiger" Einbruch Nixon zu Fall brachte
Watergate - Wie ein "drittklassiger" Einbruch Nixon zu Fall brachte ©AP (Archiv)
Als bisher einziger US-Präsident in der Geschichte des Landes, erklärte Richard Nixon am 8. August 1974 seinen Rücktritt. Damit  wählte er das kleinere Übel - eine Niederlage im wenige Tage zuvor eingeleiteten Amtsenthebungsverfahren schien unausweichlich.
Selten ein Happy End für Geheimnisverräter

Dass der zugrunde liegende “Watergate”-Skandal 40 Jahre danach weiterhin bewegt, liegt auch an seiner Vorbildfunktion für investigative Journalisten. Als politisches Erdbeben und unwiederbringlich Vertrauensverlust für die politische Klasse, als richtungsweisend für Korruptionsgesetzgebung und Gewaltenteilung, wurde die “Watergate”-Affäre immer wieder beschrieben. Dass der Skandal ohne die monatelange Recherchearbeit zweier junger “Washington Post”-Journalisten – unterstützt von einem potenten Informanten – nie ans Licht gekommen wäre, wird dabei oft übersehen.

Washington Post berichtete als erste Zeitung

Denn die Affäre, die schließlich den mächtigsten Mann der Vereinigten Staaten zum Sturz brachte, begann gänzlich banal. Im Juni 1972 werden fünf Männer dabei ertappt, wie sie am Höhepunkt des Wahlkampfes um das US-Präsidentenamt in das Hauptquartier der Demokraten im Washingtoner Watergate-Hotel eindringen. Einer von ihnen gibt an, für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet zu haben. Das Weiße Haus spricht dennoch von einem “drittklassigen Einbruch”. Und der Großteil der US-Medien behandelt ihn auch als solchen.

Spätestens nachdem bekannt wird, dass die fünf nichts entwenden, sondern vielmehr Mikrofone und Wanzen anbringen wollten, wird klar, dass es sich dabei nicht um die ganze Geschichte handelt. Zwei Tage später meldet die “Washington Post”, ein Sicherheitsberater der Republikaner habe sich ebenfalls unter den Einbrechern befunden. Es folgt Enthüllung auf Enthüllung. Im Oktober berichtet das Blatt von FBI-Ermittlungsergebnissen, wonach der Einbruch Teil einer groß angelegten Spionagekampagne von Nixons Wiederwahlkomitee gegen die Demokraten war. Der Präsident dementiert jegliche Verwicklungen seinerseits und darf sich im November über einen fulminanten Sieg freuen.

Im kommenden Jahr werden mehrere enge Berater Nixons in der Spionage-Affäre verurteilt oder treten zurück. Der Präsident feuert erst seinen Justizminister Elliot Richardson und dann dessen Stellvertreter William Ruckelshaus – beide hatten sich geweigert, Watergate-Sonderermittler Archibald Cox zu entlassen.

Die Watergate-Affaire: Nixons Fall

Erst als bekannt wird, dass sämtliche Gespräche im Oval Office des Präsidenten auf Tonband aufgezeichnet wurden und Nixon im Juli 1974 gezwungen wird, diese der Justiz zu übergeben, gerät auch er selbst in Bedrängnis: Die Bänder belegen eindeutig, dass Nixon kurz nach dem Watergate-Einbruch seine Zustimmung dazu gab, die Ermittlungen des FBI in dem Fall zu blockieren. Drei Tage später leitet das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen Nixon ein, dieser verkündet am 8. August 1974 seinen Rücktritt.

Dass ihre Enthüllungen so hohe Wellen schlugen, verdankten die “Washington Post”-Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein auch dem Rückhalt ihrer Vorgesetzten. Diese ließen sie selbst dann weiterrecherchieren, als höchste Stellen Druck auf sie ausübten und Nixons Leute versuchten, das Blatt finanziell zu ruinieren. Auch deshalb gilt der Watergate-Skandal neben den 1971 von der “New York Times” publizierten “Pentagon Papers” zu den Hintergründen des Vietnam-Kriegs als eines der selbstbewusstesten Beispiele für unabhängigen Journalismus.

Der Umgang mit brisanten Inhalten

Ihre Informationen erhielten Woodward und Bernstein vom damaligen stellvertretenden FBI-Direktor Mark Felt, den sie bevorzugt in Tiefgaragen trafen. Dieser war lange nur unter dem Pornonamen “Deep Throat” bekannt, bevor er 2005 im Alter von 91 Jahren in einem Interview seine Identität lüftete. Auch wenn Kritiker Felt immer wieder vorhielten, aus verletztem Stolz gehandelt zu haben – Nixon hatte ihm die Leitung des FBI verwehrt – sehen viele in ihm bis heute ein Vorbild für spätere US-Aufdecker wie NSA-Mitarbeiter Edward Snowden oder Wikileaks-Informant Chelsea Manning (vormals: Bradley).

Heute wie damals unternimmt die US-Regierung freilich alles, um die Veröffentlichung brisanter Inhalte zu unterbinden. So wurde etwa die Redaktion des britischen “Guardian” gezwungen, eine Festplatte mit den von Snowden stammenden Daten zu zerstören. Lediglich die Konsequenzen für Informanten sind bisweilen bei Weitem dramatischer: Edward Snowden fand nur in Moskau Sicherheit vor der Strafverfolgung der US-Behörden, Manning wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt und Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt aus Angst vor einer Auslieferung in die USA seit zwei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London fest.

Der Watergate-Skandal zum Nachlesen.

(APA)

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