Der Name der Leute

Amüsantes Weltverbessern mit Liebeskraft: Die originelle französische Komödie von Michel Leclerc erzählt von Umschulungs-Sex mit "Faschos" und der wahren Liebe der Gegensätze. Ab 15. April im Kino.
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Make love, not war – für Bahia ist das keine einfache Plattitüde, sondern gelebte Attitüde. Die Protagonistin in der französischen Komödie “Der Name der Leute” schläft mit “Faschos”, also “Typen aus dem politisch rechten Flügel”, um sie auf die andere Seite zu ziehen. Doch dann kommt Arthur, der schon auf der richtigen Seite steht. Regisseur und Drehbuchautor Michel Leclerc, der seine Karriere mit Kurzfilmen begann, zäumt das Pferd von hinten auf und erzählt eine Liebesgeschichte, in der selbst die Sexszenen überraschen. Das Ergebnis sind 104 Minuten voller Schmunzler und politischer Seitenhiebe. Ab Freitag ist der Film in den heimischen Kinos zu sehen.

“Erst Essen oder ins Bett?” Die direkte Art von Bahia (Sara Forestier) bringt Arthur (Jacques Gamblin) ins Schwitzen. Nachdem sie ihm eröffnet hat, dass laut ihren Regeln gleich am ersten Abend miteinander geschlafen wird, er dieses Angebot aber vorerst ausschlägt, trifft er sie zufällig wieder. Bei der zweiten Begegnung geht sie nackt auf der Straße. So einem Schussel wie Bahia kann es schon einmal passieren, auf die Kleider zu vergessen – leicht surreal, aber absolut komisch. Die Antwort auf die Frage “Bett oder Essen?” heißt also erst einmal “Anziehen” und Arthur streift Bahia das Höschen zunächst über, bevor er dann das Gegenteil tut.

Das bleibt nicht die einzige Szene, in der der Film von Originalität zeugt und die Schauspieler ihr Können beweisen. Forestier, für ihre Rolle mit dem französischen Filmpreis Cesar als beste Schauspielerin ausgezeichnet, läuft als authentische Weltverbesserin mit pinken Dr. Martens und weit ausgeschnittenen Shirts durch den Film, wobei schon mal der BH oder auch der Busen rausrutschen kann. Arthur dagegen ist ein Typ mit Hemd und Krawatte, der aber stets einen verliebten Blick für die ausgeflippte Lady parat hat – eine Gratwanderung, die Gamblin ganz einwandfrei meistert.

Es treffen also zwei gegensätzliche Charaktere aufeinander, die sich unsterblich ineinander verlieben. Das ist an sich altbekannter Stoff. In “Der Name der Leute” wird er aber glaubhaft umgesetzt. Denn gerade weil Bahia nicht aufhört, die Welt zu verbessern, leidenschaftlich über Rassisten schimpft, am Markt Krebse kauft, nur um sie wieder zurück zum Meer zu bringen und Arthurs Leben auf den Kopf stellt, ist er in das quirlige Mädchen verliebt. Trotz seiner Liebe erträgt er, und bewundert vielleicht sogar, dass sie ihre Mission fortsetzt und weiter mit “Faschos” schläft. Sie liebt den äußerlich konservativen Kerl mit dem linken Herzen in seinem Inneren, der sich immer mehr von ihrer Frohnatur anstecken lässt.

Was die beiden verbindet und doch auch trennt sind ihre ausländischen Wurzeln. Während Arthur seine jüdischen Großeltern lange verschweigt und über seinen unauffälligen Familiennamen Martin froh ist, trägt Bahia den algerischen Nachnamen Benmahmoud mit Stolz und ist der Meinung, dass auch Arthur zu seiner Herkunft stehen sollte. So wird der Film auch zur Suche nach der eigenen Identität der Protagonisten, die nicht zuletzt zu einem Auschwitz-Gedenkstein führt. Politische Angelegenheiten sorgen für berührende Momente, genauso wie für komische, etwa wenn der Wirrkopf Bahia bei der Wahl irrtümlich Sarkozy wählt und danach fast sterben möchte.

Den Blick auf die multikulturelle Gesellschaft und die Probleme, die so manch einer damit hat, wirft Leclerc aus einer angenehm humorvollen Perspektive. “Der Name der Leute” ist eine spaßige Geschichte, in der die Liebe im Mittelpunkt steht und die Politik doch nicht zu kurz kommt. Das ergibt eine originelle und äußerst bekömmliche Mischung, bei der man gute Laune und vielleicht sogar ein Stückchen Hoffnung auf eine bessere Welt aus dem Kino mitnimmt. (APA/Eva Lugbauer)

www.dernamederleute.x-verleih.de

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