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Der Heilige Martin und die Gänse: Das steckt dahinter

Jährlich landen 250.000 Martinigänse am 11. November auf dem Tisch.
Jährlich landen 250.000 Martinigänse am 11. November auf dem Tisch. ©pixabay.com
Am 11. November wird in der katholischen Kirche dem Heiligen Martin gedacht. An diesem Tag werden auch gern sogenannte Martinigänse verspeist.

Die katholische Kirche feiert am 11. November das Fest des Heiligen Martin. Mit dem Martinitag ist eine Fülle von Bräuchen verbunden. Der Namenspatron der “Feierlichkeiten” wurde im Jahr 316 in der heute in Ungarn gelegenen Stadt Sabaria geboren.

Die Geschichte des Heiligen Martins

Der Sohn eines römischen Tribuns trat auf Wunsch seines Vaters in die Armee ein. Mit 18 hatte Martin – so erzählt die Legende – seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt. Kurze Zeit später empfing der nach Gallien zurückgekehrte Soldat in Amiens die Taufe, quittierte seinen Dienst und wurde zunächst Missionar. 371 wurde Martin zum Bischof von Tours an der Loire gewählt.

Mit dem Ereignis seiner Wahl verbindet sich die Erzählung, Martin habe sich in einem Gänsestall versteckt, um einer möglichen Wahl zu entgehen. Durch das Geschnatter der Vögel sei jedoch sein Aufenthalt verraten worden. Diese Darstellung wird auch gerne von Kinderspielgruppen aufgeführt.

Der Überlieferung nach muss Martin ein überzeugender und glaubwürdiger Bischof gewesen sein. Er wusste Gebet, Seelsorge und Caritas zu verbinden. Martin starb am 8. November 397 in Candes, einer Pfarrei seines Bistums.

Martin wird zum Heiligen

Bereits mit seinem Tod begann überraschend eine Welle der Verehrung, weshalb Bischof Martin innerhalb der Heiligen eine Sonderrolle eingeräumt wurde. Er ist der erste christliche Heilige, der als Nicht-Märtyrer zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Außerdem stieg er im Frankenreich unter König Chlodwig (481-511) zum “Nationalheiligen” auf. Über viele Jahrhunderte hinweg stellte der Martinstag eine wichtige Markierung dar. So ist er u.a. Winteranfang und Jahresbeginn gewesen, an dem Zins- und Pachtzahlungen fällig waren.

Allein in Kärnten sind 44 Kirchen dem Hl. Martin geweiht. In zahlreichen Pfarren finden am Vorabend des 11. November Martinsumzüge statt, bei denen Kinder Lichterlaternen und Lampions tragen. Die Erwachsenen huldigen mehr der köstlichen Martinigans, zu der in der Regel der junge Wein getrunken wird.

11. November: 250.000 Gänse werden jährlich aufgetischt

Martinigänse fallen mit 343 Kilokalorien pro 100 Gramm nicht gerade unter die Kategorie “light”. Und so landen sie rund um den 11. November nicht nur auf unseren Tellern, sondern gemeinsam mit Rotkraut und Erdäpfelknödeln auf unseren Rippen. Rund 1.300 Kalorien kommen pro Portion zusammen – spätestens am nächsten Tag wäre man den fetten Vogel gerne wieder los.

Das könnte beim Laufen oder im Fitnessstudio durchaus gelingen, doch auch innerhalb der eigenen vier Wände gibt es viele Möglichkeiten, sich von den konsumierten Nährwerten zu befreien. Nach sieben Stunden und 15 Minuten Bügeln sollte die Kalorienrechnung wieder ausgeglichen sein, da man bei dieser Hausarbeit – ohne den Grundumsatz des Körpers – 91 Kalorien pro 30 Minuten verbraucht. Aber wozu sich derart anstrengen, wenn es auch bequem funktioniert? Zwei Fasttage auf der Fernsehcouch genügen, um die Gans post mortem noch einmal zu beseitigen.

Darüber macht man sich während des traditionellen Festessens wohl wenig Gedanken: 250.000 Gänse landen jährlich rund um den 11. November auf den Tischen. Über das ganze Jahr gesehen, verspeist jeder Österreicher 0,2 Kilogramm und lässt sich dazu 0,5 bis 0,6 Kilogramm Rotkraut schmecken.

Martinigänse: Jahrhundertelange Tradition

Nach wie vor kommen drei Viertel der konsumierten Gänse aus dem Ausland. “Das Problem ist, dass sowohl in Polen als auch in Ungarn, aber auch in anderen europäischen Ländern, die tierquälerischen Praktiken Stopfmast und Lebendrupf erlaubt sind”, kritisierte Martina Pluda von Vier Pfoten. “Die Chance, dass wir gequälte Gänse essen, vor allem, wenn sie sehr billig sind, ist also groß.”

Die Tierschutzorganisation empfiehlt Konsumenten, immer genau zu prüfen, was sie kaufen und gegebenenfalls auch nachzufragen. Zugreifen sollte man nur dann, wenn explizit “Kein Lebendrupf, keine Stopfmast” auf dem Produkt steht. Und im Restaurant genügt im Vorfeld ein kurzer Anruf, um zu wissen, um welche Gänse es sich handelt.

Die Martinigans hat übrigens eine jahrhundertelange Tradition. Bereits 1171 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Damals hatte sie allerdings einen anderen Zweck, als einen weiteren Höhepunkt im kulinarischen Jahreskreis zu bieten. Am 11. November endete früher das bäuerliche Arbeitsjahr. Die Knechte erhielten ihren Lohn und als Draufgabe eine Gans. Vor der kargen Winterzeit musste die Geflügelschar stark dezimiert werden.

Der Brauch knüpft an die heidnischen Schlachtfeste der Erntezeit an und wurde vom Christentum übernommen. Neben der bekannten Martinigans gehören Martinsfeuer, Martinsgestampfe gegen böse Geister und der Martinstrunk vom neuen Wein zum Brauchtum, was besonders in Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich noch praktiziert wird.

(APA/Red)

 

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