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Der Geschmack von Apfelkernen - Trailer und Kritik zum Film

Der Apfel als eines der ältesten literarischen Bilder unserer Kultur - "ein Symbol für Verführung, Liebe, Schönheit, Macht, Erkenntnis, Schuld", sagt Autorin Katharina Hagena. "Und der Kern ist einerseits die Essenz all dessen, andererseits bitter, ungenießbar und geformt wie eine Träne." Alle Spielzeiten auf einen Blick

Das Bittermandelaroma des Apfelkerns fasziniere sie, vor allem aber: “Die Blausäure ist nicht im Kern enthalten, sie wird erst nach dem Verzehr des Kerns im Körper des Essenden gebildet”, erzählt Hagena in einem Interview. “Genauso funktionieren letztlich Bücher: Der Wirkstoff ist nicht im Text, sondern entfaltet sich in Kopf und Körper des Lesenden erst durch die Lektüre.”

Der Geschmack von Apfelkerne: Die Geschichte

Am Freitag kommen Bilder dazu – teils poetische Leinwandimpressionen idyllischer Landschaften zwischen Apfelbäumen und Gutshäusern, mit denen Regisseurin Vivian Naefe das Buch in Szene setzt. Mit Kameramann Martin Langer verfilmte Naefe (“Die wilden Hühner”) die Familiensaga, für deren “Hauptdarsteller” der Norden den besten Schauplatz bot. Mehrere wunderschöne Güter in Schleswig-Holstein hatten die Macher besichtigt. Dann stießen sie auf Gut Stendorf am Bungsberg und dessen großen Obstgarten.

Es sind das alte Haus und der Apfelgarten von Oma Bertha, die zum Schauplatz der über drei Generationen erzählten Geschichte über die Frauen der Familie werden. Als Bertha (Hildegard Schmahl) stirbt, erbt ihre Enkelin Iris (Hannah Herzsprung) das alte Haus. Sie kehrt zurück an jenen Ort, an dem sie mit Cousine Rosmarie die Sommerferien verbrachte. Ein Ort, an dem ein Apfelbaum zweimal im Jahr blühte. Wo über Nacht, als Berthas Schwester starb, rote Ribisel weiß wurden und fortan Gelee aus “Konservierten Tränen” lieferten. Und wo Tante Inga (Marie Bäumer) Funken aus ihren Fingern sprühen ließ (was Hagenas Vater als Physikprofessor laut seiner Tochter “totalen Quatsch, aber ganz niedlich” fand).

Der Geschmack von Apfelkernen: Der Trailer

Es ist ein Ort, der schmerzliche Erinnerungen weckt, denn nicht nur Berthas jüngere Schwester starb dort als 16-Jährige, sondern später auch Harriets (Meret Becker) Tochter und Iris’ Cousine Rosmarie mit kaum 16 Jahren. Iris trifft bei ihrer Rückkehr Max, den Bruder einer Jugendfreundin, wieder und sie streift durch den verwilderten Garten und das alte Haus. Immer mehr Erinnerungen aus dem Leben der Frauen der Familie werden wach – immer wieder begibt sich der Zuschauer auf Zeitsprünge.

Das Verknüpfen der Zeit- und Erzählebenen gelingt dem Film ohne Probleme, immer mehr Kapitel der Familienchronik schlägt er auf. Vielleicht zu viele – manchmal wäre man lieber weiter zum Kern durchgedrungen. Es geht um Liebe und Tod, Lügen und Intrigen. Und immer mehr nähern sich etwa Iris’ Erinnerungen an jene Nacht, in der sie sich schlafend stellte, als ihre Cousine ihr kurz vor ihrem Tod noch etwas sagen wollte. Jene Nacht, die nicht nur Iris verdrängt hat.

(APA)

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