Der Biber

Die US-Schauspielerin und -Regisseurin Jodie Foster hat ihren neuen Film "Der Biber" mit Mel Gibson, ihr selbst und einer Biber-Handpuppe in den zentralen Rollen im Mai außer Konkurrenz im Wettbewerb der 64. Filmfestspiele in Cannes präsentiert. Die dramatische Familienkomödie über einen Mann und seinen ungewöhnlichen Umgang mit seiner Depression wurde beim Festival trotz diverser Vorbehalte gegenüber Gibson überraschend freundlich empfangen.
Zum Trailer

“Mel versteht es, mit seinem Spiel eine gewisse Leichtfüßigkeit und Humor zu bewahren, weiß aber auch um die Schwierigkeit, sein Leben in den Griff zu kriegen”, erzählte Foster in Cannes. Und tatsächlich hätte die Comeback-Rolle von Gibson nach verbalen und handgreiflichen Ausfälligkeiten nicht grotesker sein können. Eine Biber-Handpuppe als Alter Ego? Doch Gibson mimt den gebrochenen Sonderling, der mit dem Leben nicht mehr zurecht kommt, dermaßen einfühlsam und charakteristisch, dass selbst die US-Kritiker ihren Hut zogen. “Ein Hochseilakt von höchstem Kaliber”, schrieb das Fachblatt “Rolling Stone”. Und “Entertainment Weekly” lobte den uneitlen Auftritt: “Mel Gibson sieht schrecklich aus, das ist als Kompliment gemeint.”

Gibson verkörpert den Spielzeugfabrikanten Walter Black, der eigentlich mit seinem Leben ganz zufrieden sein könnte: ein tolles Haus, eine kluge Ehefrau, zwei Söhne. Doch Walter wird von chronischen Depressionen geplagt, schafft es nicht, seine Sorgen und Probleme auszudrücken, leidet unter seiner verkappten und verzerrten Identität. Als er im Müll zufällig eine Handpuppe findet, einen Biber aus Stoff mit prolligem Akzent und überzeugenden Argumenten, ändert sich das schlagartig: Walter lässt künftig den Biber für sich sprechen (auch wenn der Biber das sicher anders sehen würde), ist wie ausgewechselt, hat die Puppe immer dabei: bei der Arbeit, beim Basteln, beim Joggen, beim Duschen und sogar beim Sex.

Jodie Foster versucht als Ehefrau gute Miene zur verzweifelten Lage zu machen, was nur teilweise gelingt. Der pubertierende Sohn (Anton Yelchin) schämt sich zu Beginn, nähert sich seinem Vater dann aber langsam wieder an. Und auch die Freundin des Sohnes (Jennifer Lawrence aus “Winter’s Bone”) braucht eine Weile, um sich klarzumachen, dass sie sich und ihrer Umwelt aufgrund einer verdrängten Familientragödie einiges vormacht. Während sich also alle irgendwie verstellen, ist Walter plötzlich derjenige, der sich nicht mehr vor der Wahrheit drückt und Dinge auf den Punkt bringt. Doch auch diese Wende birgt ihre Gefahren – wenn sich der lebensrettende Biber schließlich doch immer mehr als lebensbedrohlicher Selbstschwindel entpuppt.

Auch wenn Jodie Foster ihre dritte Regiearbeit sehr hollywoodmäßig anlegt, gelingt ihr mit dem leichten Ton zum schweren Thema doch ein leicht verstörendes Bild einer Familie im Zerrspiegel von Kommunikationsproblemen und Depressionen. Und wer Mel Gibson aus “Mad Max”, “Braveheart” oder “Was Frauen wollen” kennt, wird dem mutigen Auftritt nach den zahlreichen privaten Wirren auf jeden Fall etwas abgewinnen können. Das hollywood- und familientaugliche glückliche Ende dürfte zudem wohl dafür sorgen, dass einem der “Biber” in den kommenden Jahren auch öfter im Fernsehen begegnen wird. (APA)

www.biber-derfilm.de

 

Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen