"Der Atem des Himmels" traf Vorarlberg 1954 hart

Blons - Der Film "Der Atem des Himmels" des Autors, Musikers und Regisseurs Reinhold Bilgeri feiert heute, Dienstag, Abend auf der Bregenzer Seebühne Premiere. Höhepunkt des Films sind die Lawinenabgänge im Winter 1954, die als eine der größten Naturkatastrophen des Landes in die Geschichte eingingen. Das Große Walsertal wurde besonders schwer getroffen: Allein in Blons, wo Bilgeris Geschichte spielt, starben am 10. und 11. Jänner 57 Menschen. Ein Drittel aller Höfe und Häuser des 380-Seelen-Dorfs wurden zerstört.
Lawinenunglück in Blons 1954
Chronik: Das Lawinenunglück 1954

In der Nacht auf den 10. Jänner 1954 fielen in Vorarlberg laut Vorarlberg-Chronik große Mengen Neuschnee. Weil sich dieser bei den warmen Untertemperaturen – der Herbst und Winter waren bis dahin sehr warm gewesen – nicht binden konnte und starker Wind ging, wuchs die Lawinengefahr stündlich an. Am Vormittag des 11. Jänner konnte die unzureichende Lawinenverbauung am Falvkopf oberhalb von Blons die Schneemassen nicht mehr halten. 82 Einwohner wurden verschüttet, 34 starben.

Noch am Abend des gleichen Tages ging auch am Mont Calv eine Lawine auf das inzwischen von der Außenwelt abgeschnittene Dorf ab. Sie erfasste 43 Menschen, darunter auch 15 Personen, die erst am Vormittag aus der Falvkopf-Lawine geborgen worden waren. 22 Menschen kamen dabei ums Leben. Erst am 12. Jänner gelang es den Blonsern, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen und Hilfe zu organisieren.

Einige der Verschütteten mussten länger als zwei Tage, manche schwer verletzt und eingeschlossen, neben ihren toten Familienmitgliedern ausharren, bevor Rettung zu ihnen vordringen konnte. Andere starben kurz vor ihrer Bergung. Noch Monate nach dem Unglück wurden Leichen Vermisster entdeckt.

Auch in weiteren Gemeinden des Großen Walsertals waren Tote zu beklagen: In den Ortschaften Sonntag und Fontanella kamen zehn Personen in den Schneemassen um, in St. Gerold drei. In Batholomäberg (Bezirk Bludenz) starben bei zwei Lawinenabgängen 18 Einwohner, 35 wurden verschüttet. In Dalaas (Klostertal) traf eine Lawine am 12. Jänner das Bahnhofsgebäude und stieß einen wartenden Personenzug um. Im Warteraum starben zehn Menschen, wie durch ein Wunder überlebten die Passagiere im Zug. 15 weitere Personen kamen bei Abgängen im Bregenzerwald um.

Zwischen dem 10. und 12. Jänner 1954 starben laut Vorarlberg-Chronik 125 Menschen den “Weißen Tod”, zwei Drittel davon im Großen Walsertal. Insgesamt gingen rund 150 Schadenslawinen ab, die etwa 280 Personen verschütteten. Zudem verendeten etwa 500 Stück Vieh, 600 Gebäude wurden zerstört. Die Katastrophe löste eine internationale Welle der Hilfsbereitschaft aus, eine Sonderaktion von Land und Bund sorgte für den Wiederaufbau.

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