Der alte und der neue Heurige

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Der 11. November ist der Stichtag für den Abgang des „alten Heurigen“ und ein wichtiges Eckdatum für alle Weinbauern - Erst mit der „Weintaufe“ darf mit dem „neuen Heurigen“ angestoßen werden.

Gansl-Essen, Laternenumzug und Faschingsbeginn: all das verbindet man gemeinhin mit dem 11. November. Der Geburtstag des heiligen Martin von Tours ist darüber hinaus aber auch Termin für die traditionelle Weintaufe. Dem Brauchtum zufolge wird am Martinstag der Rebensaft aus der heurigen Weinlese zum ersten Mal als „Heuriger“ ausgeschenkt; der vorhergehende Jahrgang wird damit zum „Alten“. Auch wenn die Praxis heute oft anders aussieht, ist der 11.11. für alle Weinbauern nach wie vor ein wichtiges Eckdatum, meinte der Wiener-Heurigen-Wirt Berthold Steinschaden.

Vom Brauch zum Fixpunkt

Ursprünglich war die Weintaufe ein alter Hauerbrauch, der früher „Martiniloben“ hieß. Landwirte verabschiedeten an diesem Tag ihre Saisonarbeiter und servierten zu diesem Anlass meist Gänsebraten und den frischen Weinjahrgang. Das Martinigansl gemeinsam mit dem Staubigen sind mittlerweile zu kulinarischen Fixpunkten geworden und sind heute vom 11. November nicht mehr wegzudenken, betonte Steinschaden.

Auch die „Weintaufen“ werden immer beliebter. Jede Anbauregion, jeder Ort, fast schon jeder Winzer lädt zu diesen Feiern rund um den 11. November und lockt mit prominenten Namen als „Taufpaten“. Die Weintaufe – also das Segnen der Weinernte und die Namensgebung – kann sehr weltlich in einer feucht-fröhlichen Feier stattfinden, oder aber traditionell sakral, wobei ein Geistlicher seinen Segen über den neuen Wein spricht.

Die Bibel gibt Trinkanleitung

Oftmals wird der Segen von einer Bibel-Lesung aus Jesus Sirach (Kapitel 31) begleitet, die auch eine handfeste Anleitung zum Umgang mit dem „guten Tropfen“ gibt. „Auch beim Wein spiel nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht. Frohsinn, Wonne und Lust bringt Wein, zur rechten Zeit und genügsam getrunken. Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn“, ist dort zu lesen.

Lokal gilt außerdem die Gepflogenheit, dass erst nach dieser so genannten Weintaufe zu Martini mit dem neuen Wein angestoßen werden darf, weiß Steinschaden zu berichten. Wer ihn schon vorher genießen will, sollte ihn – dem Brauchtum entsprechend – ausschließlich in der linken Hand halten. Mit der Taufe ist der neue Wein dann offiziell der Heurige. Aber natürlich hat nicht jeder „alte Heurige“ bis zum Stichtag, 11. 11., seinen flüssigen Abgang gefunden und so gilt die Regelung, dass der alte bis Ende Februar des darauf folgenden Jahres als Heuriger ausgeschenkt werden darf. Erst ab März bekommt also der Heurigenbesucher hundertprozentig den 2004er, wenn er einen Heurigen bestellt.

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